Thema, Einführung, Überblick
Spätestens seit dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahre 2015 sind auch in Deutschland rechtspopulistische und rechtsextremistische Kräfte auf dem Vormarsch. Sie berufen sich auf eine nationale oder ethnokulturelle Identität, die primär dem Ausschluss anderer dient und einen moralischen Alleinvertretungsanspruch für die Richtigkeit ihrer Positionen zur Folge hat. Das führt in der Regel dazu, dass Menschen aufgrund ihnen von außen zugewiesener Merkmale Zugehörigkeit abgesprochen wird – es kommt zu Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Vor allem unter (rechts-)konservativen und fundamentalistischen Christ*innen ist nicht nur immer wieder eine Nähe zur Politischen Rechten festzustellen, sondern es sind auch Zusammenhänge zwischen der individuellen Religiosität und einer Anfälligkeit für Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu beobachten. Häufig liegt dieser Haltung eine Form der Bibelauslegung zugrunde, die alle darin enthaltenen Aussagen im vermeintlichen Wortsinn versteht, ihre vollständige Irrtumslosigkeit behauptet und historisch-kritische Methoden entsprechend ablehnt. Das hat Folgen für das Selbstverständnis des eigenen Glaubens gegenüber anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen, spielt aber auch bei der Bewertung von Lebens- und Gesellschaftsfragen etwa zu Abtreibung, Homosexualität und Geschlechtergerechtigkeit eine entscheidende Rolle und stellt in seiner extremen Ausprägung auch eine Gefahr für die Demokratie dar.
Im Seminar sollen der Schulterschluss der Christlichen und Politischen Rechten sowie ihre gemeinsamen Feindbilder beleuchtet werden. Dabei wird erstens nach dem Zusammenhang von christlicher Religion und Antisemitismus gefragt – ein Thema, das ein Grundelement christlicher Vorurteilsbildung darstellt. Zweitens soll die seit der vermeintlichen „Flüchtlingskrise“ gestiegene Islamfeindlichkeit untersucht werden. Einen dritten Themenkomplex stellt das Verhältnis von Rassismus und Religion dar. Dabei sollen sowohl die Gefahr der Herausbildung von rassistischen Stereotypen im christlichen Kontext diskutiert als auch die Potenziale der Rassismuskritik aus christlicher Perspektive benannt werden. Viertens werden Vorurteile und Feindlichkeiten gegenüber LGBTIQ* thematisiert und diskutiert.
Die Studierenden sollen so dazu befähigt werden, menschenverachtende und demokratiefeindliche Mechanismen auch in religiösen Kontexten zu erkennen, sie als gesamtgesellschaftliches Problem wahrzunehmen und gerade auch aus theologischer und kirchengeschichtlicher Verantwortung resistent gegen diese Tendenzen vorzugehen. Dabei werden auch geeignete Unterrichtsmaterialien vorgestellt und erprobt.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Di | 12-14 | 13.04.-24.07.2026 |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
Prüfungsform
Schriftliche Hausarbeit