Autoritarismus tritt selten als isoliertes Einstellungsmuster auf (vgl. Decker/Kieß/Brähler 2024: 133 ff.). Vielmehr ist er häufig Kernelement eines Syndroms umfassender ideologischer Weltdeutungen, die durch manichäisches Denken, die Abwertung gesellschaftlicher Minderheiten, eine rigide Sexualmoral sowie eine Sehnsucht nach Eindeutigkeit, Ordnung und Hierarchie geprägt sind. Bereits die Arbeiten des Instituts für Sozialforschung – von Erich Fromms Untersuchungen zu autoritären Mentalitätsbeständen (vgl. Fromm 1987 [1936]): 77 ff.; ders. 2024 [1941]) bis zu den „Studien zum autoritären Charakter“ (Adorno et al. 2017 [1950]) – ebenso wie aktuelle Studien haben auf die engen Zusammenhänge zwischen Autoritarismus, Antisemitismus und Antifeminismus hingewiesen (vgl. Stögner 2026; Feuerer 2026; Simon/Birsl 2026: 167 ff.; Kalkstein/Pickel/Niendorf 2024: 161 ff.; Radonic 2020: 141 ff.).
Das Seminar führt in zentrale sozialpsychologische und gesellschaftstheoretische Perspektiven auf autoritäre Mentalitätsmuster ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die ideologischen Wechselwirkungen von autoritärem Denken, Antisemitismus, Antifeminismus und Rassismus. Ausgehend von den „Studien zum autoritären Charakter“ (Adorno et al.) und der Frage nach ihrer gegenwärtigen Aktualität beschäftigt sich das Seminar mit theoretischen Perspektiven auf das autoritäre Syndrom – darunter Antifeminismus, Xenophobie und Antisemitismus – sowie mit Befunden der empirischen Sozialforschung zur Verbreitung autoritärer Einstellungsmuster.
Daran anschließend werden autoritäre Identitätsangebote in Film, Musik – insbesondere im deutschsprachigen Rap – sowie in Sozialen Medien analysiert. Im Zentrum stehen Fragen danach, wie autoritäre Sozialisation dargestellt wird und welche Vorstellungen von Macht, Männlichkeit, Hierarchie und Ausgrenzung dabei normalisiert oder attraktiv gemacht werden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt somit auf der Frage, wie autoritäre Weltbilder sowie die gesellschaftlichen und subjektiven Bedingungen ihrer Entstehung in popkulturellen Erzeugnissen – vermittelt über Film, Musik sowie Soziale Medien – verhandelt werden. Anhand ausgewählter Filmbeispiele – darunter „American Beauty“ (1999), „Fight Club“ (1999) und „Das weiße Band“ (2009) –, die bis heute zentrale Motive autoritärer Sozialisation, Krisenerfahrungen und Männlichkeitsentwürfe verhandeln (vgl. Johannson 2014; Pohl 2019; Körber 2025: 17 ff.; Giroux 2009: 81 ff.; Amlinger/Nachtwey 2025: 151ff.), sowie anhand von Musik (vgl. Baier/Hermann 2022: 145 ff.; Baier 2025: 124 ff. u. 137 ff.) –, digitalen Plattformen und den Kommunikationsräumen der sogenannten Manosphere (vgl. Jasser/Rothermehl 2024: Kracher 2026) untersucht das Seminar autoritäre Identitätsangebote sowie Inszenierungen von Geschlecht, Macht, Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Dabei wird analysiert, in welcher Weise autoritäre, antisemitische und antifeministische Deutungsmuster aufgegriffen, normalisiert oder popularisiert werden, und welche Rolle kulturelle Formate bei ihrer Verbreitung spielen.
Ausblickend richtet das Seminar den Blick auf Formen kultureller Kritik und Gegenentwürfe. Ziel des Seminars ist es, Popkultur sowohl als Resonanzraum gesellschaftlicher autoritärer Tendenzen als auch als Feld ihrer Auseinandersetzung und Kritik zu begreifen.
Literatur:
Adorno, Theodor W.; Frenkel-Brunswik, Else; Lexington, Daniel J. u. Sanford, R. Nevitt (2017 [1950]). Studien zum autoritären Charakter. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Amlinger, Carolin u. Nachtwey, Oliver (2025). Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Baier, Jakob (2025). Illuminati, Rothschilds, Zionisten – Antisemitismus im deutschen Gangsta- Rap. Frankfurt am Main: Campus.
Baier, Jakob/Hermann, Melanie (2022). „... der Schmock ist’n Fuchs“ – Verschwörungsglaube, Autoritarismus und Antisemitismus bei Xavier Naidoo. In Maria Kanitz und Lukas Geck (Hg.): Klaviatur des Hasses. Antisemitismus in der Musik. Baden-Baden: Nomos Verlag. 145–172.
Decker, Oliver; Kiess, Johannes u. Elmar Brähler (2024). Antisemitismus als individuelles Ressentiment und gesellschaftliches Sediment – empirische Befunde. In Oliver Decker, Johannes Kiess, Ayline Heller, Elmar Brähler (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Leipziger Autoritarismus Studie 2024. Gießen: Psychosozialverlag. 133–160.
Feuerer, Amelie (2026). Zum Verhältnis von Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Autoritarismus. Eine Untersuchung in einer feministischen Online-Community. Wiesbaden: Springer VS.
Fromm, Erich (1987 [1936]). Sozialpsychologischer Teil. In: Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Lüneburg: Dietrich zu Klampen Verlag. 77–135.
Fromm, Erich (2024 [1941] ). Furcht vor der Freiheit. München: dtv Verlagsgesellschaft.
Giroux, Henry A. (2009). Private Satisfactions and Public Disorders: Fight Club, Patriarchy, and the Politics of Masculine Violence. In: JAC – Journal of Advanced Composition. Vol. 21, Nr. 1. 1–31.
Jasser, Greta u. Rothermel, Ann-Kathrin (2024). Die Manosphere: Männlichkeit(en), Misogynie und Rechtsextremismus. In Fabian Virchow, Anke Hoffstadt, Cordelia Heß u. Alexander Häusler (Hg.): Handbuch Rechtsextremismus. Springer VS, Wiesbaden. 1–31.
Johannson, Jana (2014). Schwarze Pädagogik. Erziehungspraxis und ihre gesellschaftliche Prägekraft am Beispiel des Films „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“. Bremen: Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien.
Kalkstein, Fiona; Pickel, Gert u. Niendorf, Johanna (2024). Antifeminismus und Antisemitismus – eine autoritär motivierte Verbindung? In Oliver Decker, Johannes Kiess, Ayline Heller, Elmar Brähler (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Leipziger Autoritarismus Studie 2024. Gießen: Psychosozialverlag. 161–180.
Körber, Martha-Lotta (2025): The Infamous Afterlife of Popular Films. Metaphorical Production of Meaning in the Manosphere through The Matrix. In Vera Cuntz-Leng, Anne Deckbar, Sophie G. Einwächter, Anne Ganzert, Nina Heise, Philipp Dominik Keidl u. Vanessa Ossa (Hg.): Fandom | Cultures | Research. Vol. 2 No. 1 (2025). 17–31.
Kracher, Veronika (2026). Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen. Berlin: Verbrecher Verlag.
Pohl, Rolf (2019): Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen. Hannover: Offizin-Verlag.
Radonic, Ljiljana (2020). Geschlechtsspezifisches zur antisemitischen Schiefheilung des autoritären Charakters. In Katrin Henkelmann, Christian Jäckel, Andreas Stahl, Niklas Wünsch u. Benedikt Zopes (Hg.): Konformistische Rebellen. Zur Aktualität des autoritären Charakters. Berlin: Verbrecher Verlag.
Simon, Mara u. Birol, Ursula (2026): Maskulinismus und Antifeminismus. In Andreas Zick, Beate Küpper, Nico Mokros, Marco Eden (Hg.): Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25. Bonn: Verlag J. H. W. Dietz. 157– 172.
Stögner, Karin (2026). Antisemitism and Sexism: Ideological Constellations Before and After 7 October. London: Routledge.
In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/studium-und-lehre/studiendekanat/studienorganisation/platzvergabe/
Master of Arts: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Arts Erziehungswissenschaft im WiSe 2026/27
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| every two weeks | Do | 14-18 | S1-129 | 15.10.2026-04.02.2027 |
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 25-ME-A4 Deepening of self-selected Study Areas | E1: Inhaltliche Fokussierung 1 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information |
| E2: Inhaltliche Fokussierung 2 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information | |
| 25-ME-B4 Deepening of self-selected Study Areas | E1: Inhaltliche Fokussierung 1 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information |
| E2: Inhaltliche Fokussierung 2 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information | |
| 25-ME-C3 Addressees and Institutions of Migration Pedagogy, Civic- and International Education | E2: Civic- and International Education | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information |
| 25-ME-C4 Deepening of self-selected Study Areas | E1: Inhaltliche Fokussierung 1 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information |
| E2: Inhaltliche Fokussierung 2 | Study requirement
Ungraded examination Graded examination |
Student information | |
| 25-ME3 Research Project | E1: Thematische Einführung | Study requirement
|
Student information |
| 25-ME3-IT Research Project | E1: Thematische Einführung | Study requirement
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Student information |
| 25-MeWi-HM6 (New) Media and Learning | Lehrveranstaltung I | Graded examination
|
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| Lehrveranstaltung II | Study requirement
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Student information | |
| Lehrveranstaltung III | Study requirement
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Student information | |
| 25-UFP6-C Advanced: Migration Pedagogy, Civic- and International Education | E2: Civic- and International Education | Study requirement
Ungraded examination |
Student information |
| 38-M2-KV Cultural Theory, History, and Anthropology | Kunst - Mensch - Gesellschaft | Study requirement
|
Student information |
| - | Graded examination | Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.