Liberale Demokratien stehen unter Druck: Offenbar stimmen zahlreiche Individuen aus unterschiedlichen politischen Richtungen darin überein, dass liberale Demokratien politisch, moralisch und wirtschaftlich am Ende sind. Viele können dem Gedanken etwas abgewinnen, dass es besser ist, einen einzelnen durchsetzungsfähigen Anführer zu haben, als mühsam in Parlamenten um einen Ausgleich zwischen heterogenen Interessen und Ansprüchen zu ringen. Kompromisse werden als Zeichen der Schwäche verachtet, der Respekt für die Vielfalt der Lebensentwürfe wird als Ausweis moralischer Zerrüttung getadelt.
Daher wollen wir uns im Seminar genauer ansehen, was eigentlich die normativen Grundlagen liberaler Demokratien sind. Warum wird es als so wichtig erachtet, dass alle Bürger*innen an politischen Entscheidungen partizipieren, wenn diese mühselige Beteiligung doch so ineffizient erscheint? Warum wird die Universalität der Menschenrechte trotz widersprüchlicher empirischer Befunde hochgehalten, und ist diese Universalitätsidee nicht doch nur Ausdruck eines hegemonialen Machtanspruchs des Westens, wie das in Theorien des Post-Kolonialismus geäußert wird? Wie verhalten sich Politik und Recht in liberalen Demokratien zu moralischen Werten – spielt die Moral hier am Ende gar keine Rolle? Warum sind Politik und Religion, Staat und religiöse Gemeinschaften getrennt – bedeutet das, dass Religion für irrelevant gehalten wird? Und warum wird dauernd Toleranz eingefordert – ist Toleranz im Grunde nicht einfach nur Gleichgültigkeit gegenüber anderen Auffassungen aus Mangel an eigenen starken Überzeugungen?
Viele der für liberale Demokratien maßgeblichen Ideen gehen auf die Philosophie der Aufklärung zurück. Im Seminar werden wir uns kritisch mit den entsprechenden Texten des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigen, aber je nach Problem auch mit neuerer Literatur. Zum Thema „Kompromisse“ etwa wird uns die Expertin dafür, Prof. Dr. Véronique Zanetti, im Seminar besuchen. Regelmäßige Anwesenheit ist erwünscht, denn es sollen lebhafte Diskussionen der behandelten Texte zustande kommen. Erfahrungsgemäß gelingt das nur dann, wenn die Teilnehmenden am Ball bleiben und sich konstant mit den aufeinander aufbauenden Inhalten beschäftigen.
DIES IST EIN FACHWISSENSCHAFTLICHES MASTER-SEMINAR.
An diesem Seminar können insgesamt maximal 10 Bachelor-Studierende teilnehmen. Für alle Studierenden, die regulär in einem Master Philosophie eingeschrieben sind, gilt keine Teilnehmendenbegrenzung.
Diese Veranstaltung ist konzipiert für Masterstudierende im Fach Philosophie. Andere Studierende der Philosophie können nur teilnehmen, wenn sie das Anmeldeverfahren durchlaufen und eine Zusage der Lehrperson bekommen haben. Zur Anmeldung senden Sie der Lehrperson eine E-Mail mit Angabe Ihres Namens, des Fachsemesters, in dem Sie sein werden, und mit einer Begründung, warum Sie an diesem Seminar teilnehmen wollen. Sie erhalten rechtzeitig Bescheid, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen dürfen.
Die Texte werden im Lernraum des Seminars zur Verfügung gestellt.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Di | 18-20 | Y-1-200 | 13.04.-24.07.2026 |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.