Eugenisches Denken ist ein zentrales Element rechter Ideologien und ist als Sinnstruktur in gesellschaftliche Verhältnisse eingewoben. Es umfasst die Abwertung und das Überlegenheitsdenken gegenüber sozialer Herkunft, sozialer Lage und sozialer Devianz sowie gegenüber Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen. Hier existieren begriffliche Überschneidungen mit Definitionen von Sozialchauvinismus, Behindertenfeindlichkeit u.a.
Die Eugenik, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika populär wurde, führte soziale Probleme, abweichendes Verhalten, Krankheit und Behinderung auf vermeintlich schlechtes Erbgut zurück, dessen Vermehrung als Untergangsszenario vorgestellt wurde. Gleichzeitig setzte Eugenik Anreize, eine Gemeinschaft zu formen, die durch die Aussortierung von Abweichung und Diversität Homogenität und Reinheit versprach. Gesundheit wurde dabei unter Ausklammerung sozialer Faktoren mit moralischer Integrität gleichgesetzt, während Krankheit und Behinderung mit dem Verdacht eines lasterhaften Lebensstils und der Missachtung gesellschaftlicher Normen behaftet wurde. Im Namen der Eugenik wurden in verschiedenen Ländern Betroffene zwangssterilisiert und in Anstalten isoliert. Die Verwissenschaftlichung der Eugenik um die Jahrhundertwende bildete schließlich die Grundlage für die Zwangssterilisationen und die Euthanasiemassenmorde im Nationalsozialismus.
Die Echos dieser Vergangenheit stehen nicht in linearer Kontinuität, sondern aktualisieren sich. In Deutschland finden sich Versatzstücke beispielsweise in aktuellen abwertenden Diskursen über Bezieher:innen von Sozialleistungen, in Angriffen auf Inklusion oder in physischer Gewalt gegen Obdachlose. Strukturelle Ungleichheiten werden dabei – ganz in der Tradition eugenischen Denkens – als individuelle Verantwortung verschleiert. Diese Sinnstrukturen sind in die heutige Leistungsgesellschaft eingewoben und werden durch eine zunehmend enthemmte Leistungsorientierung in neoliberalen Demokratien verstärkt.
In der Veranstaltung werden wir uns mit der Geschichte der Eugenik auseinandersetzen und Kontinuitäten eugenischen Denkens nachspüren – dies auch im Vergleich zwischen Deutschland und den USA. Dabei ist von besonderer Bedeutung die Wirkung gesellschaftlicher Normalitätsvorstellungen auf pädagogische Handlungsfelder. Daran anschließend werden wir Ideen entwickeln, wie Bildungsarbeit zu diesem Komplex gestaltet werden kann. Der Ablauf sieht eine Kombination aus Textanalyse, Diskussion im Plenum und Gruppenarbeit vor.
Master of Arts: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Arts Erziehungswissenschaft im SoSe 2026
M.Ed. UFP: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Education Unterrichtsfach Pädagogik im SoSe 2026
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Mi | 16-18 | B0-237 | 15.04.-22.07.2026 |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.