Die argentinische Kultur der Gegenwart ist durch eine umfassende Auseinandersetzung mit den Traumata geprägt, die im Zusammenhang mit der historischen Erfahrung des ‚Staatsterrors‘ stehen, der während der letzten Militärdiktatur ausgeübt wurde. In den Jahren 1978 bis 1983 fand eine Eskalation staatlicher Gewalt statt, die Prozesse der ‚Normalisierung‘, Disziplinierung und grundlegenden Transformation der gesamten Gesellschaft in Gang setzte, welche mit der Inhaftierung, Folterung und Ermordung von unzähligen Regierungsgegnern sowie Vertretern anderer Bevölkerungsgruppen einher gingen und zur Einrichtung eines bis dato unbekannten politischen Repressionssystems führten. Die Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen findet innerhalb der argentinischen Gegenwartskultur in literarischen und filmischen Fiktionen und Narrativen unterschiedlicher Genres statt, die sich zum einen innerhalb der konfliktreichen Gedächtniskultur und –politik im Spannungsfeld von identifikatorischer memoria und distanzschaffender postmemoria verorten, welche den sich ständig wandelnden politischen Konstellationen der postdiktatorischen Aktualität verhaftet ist; zum anderen entfalten sie ein eindrucksvolles Spektrum erzählerischer und dokumentarischer Darstellungsverfahren in Literatur und Film, das von Elementen des klassischen policial über Techniken des documental oder der Autofiktion bis hin zu Formen der phantastischen oder parodistischen Entgrenzung der Realität reicht. Die Spannungen der gegenwärtigen Erinnerungskultur sollen unter Berücksichtigung neuerer theoretischer Beschreibungsansätze der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung (M. Halbwachs, P. Nora, J. u. A. Assmann, A. Amado, M. Hirsch e.a.) anhand der exemplarischen Analyse unterschiedlicher narrativer Texte (etwa von P. Pron, M. Figueras, M.E. Perez, A. Pauls e.a.) und ausgewählter Filme (von M. Bechis, M. Piñeyro, A. Carri, M.I. Roque, A. Habegger, N. Prividera e.a.) in den Blick genommen werden; ein besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die narrativen und kinematographischen Techniken der Umsetzung konkurrierender Gedächtnismodelle, die zudem auf ihre je besonderen politischen und ästhetischen Entstehungskontexte bezogen werden sollen.
Die zu behandelnden Filme, Texte und Forschungsmaterialien werden zu Beginn des Semesters bekanntgegeben.
Wünschenswert, wenngleich nicht zwingend erforderlich sind (passive) Kenntnisse des Spanischen. Andere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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| Literaturwissenschaft / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | MaLit3; MaLit4d; MaLit6b; MaLit5a; MaLit5b | |||||
| Literaturwissenschaft / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | MaLit5c | |||||
| Literaturwissenschaft / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | MaLit4c | 3/7 | aktive Teilnahme | |||
| Studieren ab 50 |