Ausgangspunkt des Seminars ist die Beobachtung, dass fiktionales Erzählen in der Gegenwartskultur zunehmend auf Fortsetzung ausgelegt ist. Der Triumph der kommerziellen Streaming-Dienste, die in der großen Mehrzahl Serien produzieren und anbieten, spricht für sich, aber auch das Kino scheint in den letzten zwei Jahrzehnten vermehrt auf Fortsetzungen aus zu sein, wie das Beispiel des Marvel Cinematic Universe zeigt. Auch im Bereich der Unterhaltungsliteratur, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, gehören Fortsetzungsromane zu den Bestsellern (z.B. Harry Potter).
Die Lehrveranstaltung diskutiert daher die zentrale Frage, was es mit seriellen Narrationen auf sich hat, wie sie funktionieren, und worin ihr Reiz besteht. Dabei geht es auch darum, die Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft zu erörtern, in denen nicht nur das audiovisuelle und z.T. auch das literarische Erzählen von grundlegender Bedeutung ist, sondern in denen dieses Erzählen zudem serialisiert bzw. auf Unterbrechung, Fortführung und Dauer ausgerichtet ist. In diesem Zusammenhang wird das Seminar zeigen, dass das serielle Erzählen mit den Streaming-Diensten zwar einen Wandel erfuhr u. eine neue Qualität erhielt, dass es jedoch lediglich ein narratives Format den digitalen Medien anpasste, das schon das Erzählen der analogen, audiovisuellen Medien (Film, Radio, Fernsehen) weitgehend bestimmte. Diese wiederum hatten die Serialität von der Typografie bzw. von der Presse übernommen, die im 19. Jh. den sog. Feuilletonroman entwickelte, der kapitelweise veröffentlicht wurde, die Leserschaft erweiterte, ein Massenpublikum schuf und die Grundlagen für die sog. Massenkultur legte.
Wenn das serielle Erzählen die Grundlage für die Entfaltung und die Macht der typografischen und audiovisuellen Medien bildet, dann liegt der Zusammenhang mit der Moderne nahe. Dafür spricht nicht nur die zeitliche Koinzidenz sondern insbesondere ein kulturwissenschaftliches Verständnis dieser Epoche, die bis in die Gegenwart bestimmend ist. Zu diskutieren ist hierbei nicht nur, welchen Anteil die technischen Medien an der Moderne (Fortschritt und bürgerliche Gesellschaft) haben sondern auch ihr serielles Erzählformat.
Einführende Literatur:
Vincent Fröhlich: Der Cliffhanger und die serielle Narration: Analyse einer transmedialen Erzähltechnik. Bielefeld: transcript, 2015
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
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| wöchentlich | Di | 16-18 | C01-258 | 08.04.-19.07.2024 |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.
| Degree programme/academic programme | Validity | Variant | Subdivision | Status | Semester | LP | |
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| Studieren ab 50 |