Im vergangenen Wintersemester habe ich, auch im Gespräch mit KollegInnen, Überlegungen zur (antiken) Tragödie zu entwickeln versucht, die diese Gattung von der Polis her zu begreifen versuchten. Was genau wird mit diesen Stücken dem Publikum eigentlich vor Augen geführt? Das war die Leitfrage.
Im Mittelalter schweigt diese Gattung: Warum? Und mit Humanismus und Reformation hat sie nun, dann im Kontext des sich herausbildenden frühneuzeitlichen Staates, ganz veränderte Startbedingungen. Die Vorlesung wird, auch anschließend an Walter Benjamins Trauerspiel-Buch, Texte des 17. und 18. Jahrhunderts besprechen und dabei den Begriff der Melancholie ins Zentrum rücken. Warum? Hoffentlich gelingt es mir, dies ein zu erläutern. Der Begriff der Aufklärung wird dabei offener gefasst: nämlich von der Reformation und ihrem neuen Verständnis des Subjekts her.
Besprochen werden:
- Shaespeares 'Julius Caesar', 1599;
- Racines 'Phèdre' (wir benutzen Schillers Übersetzung), 1677;
- Andreas Gryphius' 'Carolus Stuardus', 1649/63;
- Johann Christoph Gottscheds 'Sterbender Cato', 1731;
- Lessings 'Philotas', 1758/59;
- Schillers 'Jungfrau von Orleans', 1801.
Sie sehen es: Alles 'politische' Dramen.
Alle theoretischen Fragen und Probleme werden also von den Stücken selbst aus entwickelt. Die Pandemie-Sitution macht es schwer, 'Extratouren' jetzt schon genauer zu planen. Dennoch möchte ich im Rahmen der Vorlesung eine Tagesexkursion nach Wolfenbüttel und Braunschweig anbieten; an einem Samstag und unter derm Gesichtspunkt 'Auf Lessings Spuren'. Wer Wolfenbüttel noch nicht kennt: eine sehr, sehr sehenswerte Residenzstadt; das Gebäude-Ensemble um die Herzog-August-Bibliothek herum, an der Lessing Bibliothekar war und in deren unmittelbarer Nähe er seine letzen Lebensjahre verbracht hat, ist einmalig und muss sich vor Halle, Weimar und Marbach nicht verstecken! Zu beginn des Semesters kann ich Ihnen hoffentlich Genaueres sagen.
Die Vorlesung wird von einem (völlig freiwilligen) Tutorium begleitet, in dem offene und weiterführende Fragen besprochen werden können. Florian Stühlmeyer wird das Tutorium leiten.
Das Tutorium will über die Vorlesung hinaus noch ein besonderes Angebot machen: Studierende sollen die Möglichkeit haben, sich im Close-Reading mit einem anspruchsvollen Gedicht von Friedrich Hölderlin vertraut zu machen. Dazu gehören u. a. Besonderheiten der Syntax und der zeitgenössische Diskurs um die Antike-Rezeption um 1800 (es wird mit der kommentierten Edition von Jochen Schmidt gearbeitet).
Ausgewählt wurde die Elegie 'Brot und Wein' (9 Strophen). Sofern es die Zeit erlaubt, könnten ergänzend ein oder zwei Nachtgesänge hinzugezogen werden; über das Nacht-Motiv ließe sich an 'Brot und Wein' anschließen. Nebenbei werden sich die Studierenden mit Möglichkeiten der Recherche vertraut machen können, die sich dann verallgemeinern lassen: dazu gehören Einführungs- und Nachschlagewerke, Werkeditionen, Jahrbücher, die Publikationen literarischer Gesellschaften.
Mitlesen, mitdenken, mit- und nachfragen...
Die Vorlesung wird durch ein freiwilliges Tutorium ergänzt, das durch Florian Stühlmeyer geleitet wird (s. dazu unten, Kommentar).
Dieses Tutorium findet direkt im Anschluss an die Vorlesung statt; Raum X-E0-210.
Alle Primärtexte sind in günstigen Ausgaben zugänglich. Forschungsliteratur wird von Sitzung zu Sitzung vorgestellt.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
|---|
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Studieren ab 50 | |||||||
| Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler | Die Anmeldung zur Teilnahme erfolgt über die ZSB per E-Mail an: dop@uni-bielefeld.de |
Alle Prüfungsleitungen sind möglich (nach individueller Absprache), die in dem Modul, für das die Veranstaltung freigegeben ist, gefordert bzw. erlaubt werden und die Sie brauchen.
Die Tagesexkursion (Sa., 18. Juni) wird voraussichtlich meine letzte sein im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn.