Die lange Zeit offensichtliche Dominanz der „Kategorie der Zeit“ gegenüber der „Kategorie des Raums“ im Rahmen literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze hat bereits mit dem „spatial turn“ der späten 80er und 90er Jahre ein Ende gefunden. Zu beobachten ist seit dieser Zeit ein großes Interesse der Forschung an Fragen zum Raum, seiner systematischen Durchdringung und seinen Konstituierungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Feldern. Zugrunde liegt dieser Neuorientierung die Entwicklung eines veränderten Raumverständnisses: „Raum“ wird nicht länger ausschließlich als ein physisch-territorialer Behälter begriffen, sondern vielmehr als das Ergebnis von sozialen Beziehungen und Praktiken des einzelnen Subjekts (Lefebvfre). Innerhalb der Literaturwissenschaft gibt es inzwischen zahlreiche Bemühungen, die daraus entstandenen unterschiedlichen Ansätze und theoretischen Modelle auch für die Analyse literarischer Texte fruchtbar zu machen und Grundlagen einer eigenständigen "topographischen (Erzähl-)textanalyse" zu entwickeln.
Im Rahmen des Seminars werden wir zum einen versuchen, einen Überblick über die Ansätze, Grundlagen und den aktuellen Stand der kulturwissenschaftlichen Raumforschung zu gewinnen, zum anderen wird es darum gehen, konkrete raumtheoretische Konzepte (vom „Nicht-Ort“ Marc Augés über Jurij Lotmans Konzept der „Grenze“ und Michel Foucaults Idee der „Heterotopie“ bis hin zu den „Erinnerungsorten“ Pierre Noras) im Rahmen einer kursorischen Lektüre zu diskutieren und ihre Anwendbarkeit im literaturwissenschaftlichen Kontext zu testen.
Die zu lesenden Texte werden zu Beginn des Semesters im Stud.IP bereitgestellt
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Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.