James Coleman dürfte der wichtigste Protagonist der rationalen Entscheidungstheorie in der Soziologie gewesen sein und ist darum bemüht gewesen deren Nutzung als Vehikel soziologischer Erklärung an zahlreichen, von Konkurrenzunternehmen nur mehr beschworener Syndrome -z.B. dem Aufkommen von Jugendkulturen oder den unterscheidbaren Dynamiken von Bank- und Theaterbrandpaniken - unter Beweis zu stellen.
Coleman ist nicht nur ungleich reflektierter als mache seiner in der Soziologie untergebrachten rational choice-Mitkämpfer, sondern vermutlich auch als die meisten Kultursoziolog:Innen oder unter anderer Standarte versammelten Theorieprotagonist:Innen zu glauben neigen. Vor allem zwei Dinge aus seiner Schatztruhe - dem magnum opus der „Foundations of Social Theory“ - sollen im Zuge dieses Seminars genauer unter die Lupe genommen werden. Grundlagentheoretisch geht dabei um den Begriff der Rationalität, gesellschaftstheoretisch um die Kategorie des korporativen Akteurs und damit um die zunehmende Relevanz formaler Organisationen in der modernen Welt.
Rationalität gibt es in unterschiedlichen Varianten. Coleman konzentriert sich auf das, was in der Literatur zuweilen parametrische Rationalität genannt wird, eine Rationalität, welche die Welt als gegeben und die Effekte des eigenen Verhaltens als vernachlässigbar betrachtet und deren Zukunft jenseits des eigenen Tuns aus der Vergangenheit zu extrapolieren können meint. Aber Coleman weiß auch, was strategische Rationalität ist und, dass in Situationen strategischer Rationalität das Geschehen zuweilen oder vielleicht gar oft aufgrund selbst-reflexiv angetriebener Neuorientierungen am erwarteten Verhalten anderer ebenso operierender Kreaturen nicht mehr prognostizierbar ist. Probleme doppelter Kontingenz, die anderen Soziologen als Ausgangspunkt der theoretischen Reflexion dienen, haben für Coleman nur eine Randstellung, lassen sich von dort aus aber vielleicht noch einmal etwas besser ins Profil setzten. Zugleich ist überraschend, dass es Coleman, trotz dieser vereinfachenden entscheidungstheoretischen Mikrofundierung, auf durchaus plausible Weise gelingt diverse Effekte auf gesellschaftlicher Ebene genauer in den Griff zu bekommen und verständlich zu machen.
Coleman begreift die moderne Gesellschaft mit etwas anderer Akzentsetzung als dies unter dem Stichwort der funktionalen Differenzierung im soziologischen Mainstream der Fall ist. Colemans Schlüssel zum Verständnis der modernen Gesellschaft ist der Begriff des korporativen Akteurs, einer künstlichen, zumeist rechtlich verfassten „Person“ mit Handlungsfähigkeit. Gegenüber diesen formalen Organisationen haben die natürlichen Akteure, also salopp gesagt die Menschen aus Fleisch und Blut heute deutlich an Einflussmöglichkeiten verloren und mindestens gelegentlich erörtert Coleman auch, wie den negativen Nebenfolgen dieser Entwicklung möglicherweise begegnet werden könnte.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 12-14 | X-E0-216 | 13.04.-24.07.2026 |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
Streben Sie die Verbuchung einer Studienleistung an, so sollten Sie eine Sitzung vorbereiten und gestalten und dazu im Vorfeld, nämlich in der jeweils vorausgehenden Woche ein hand-out im Lernraum hochladen.
Eine Prüfungsleistung können Sie über eine Hausarbeit erbringen.