Kommt den Kategorien des Zufalls und der Kontingenz bereits in antiken Wissens- und Weltmodellen ein wichtiger Stellenwert zu, so gewinnen sie vor allem im Kontext der Herausbildung der Moderne eine zentrale literatur- und kulturhistorische Bedeutung. In den aktuellen Literatur- und Kulturwissenschaften wird der Zufall vor allem im Kontext der Mathematisierung der Wahrscheinlichkeit verhandelt, die den Beginn der Moderne im 17. Jahrhundert kennzeichnet. Seine kulturelle Relevanz dokumentiert sich in diesem Zeitraum nicht nur im Kontext eines gleichermaßen existenziell wie auch theologisch begründeten Risikokalküls (Pascal), sondern tritt auch in der zeitgleich erfolgenden Entstehung der Rechenoperationen der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Herausbildung neuartiger Handlungs- und Ereignisräume im modernen Roman zutage. Im Rahmen der Analyse literarischer Wissensmodelle, die in unterschiedlichsten romanischen Texten der Moderne (Pascal, frühneuzeitliche Lyrik, realistischer Roman, moderne Lyrik, surrealistische Bewegung e.a.) artikuliert werden, und unter Einbeziehung einschlägiger theoretischer Texte (Esposito, Blumenberg e.a.) verfolgt das Seminar das Ziel, zu einer präziseren Bestimmung des Verhältnisses von Fiktion, Wahrscheinlichkeit und kontingenter Wirklichkeit in der modernen Literatur beizutragen.
Zur Einführung empfohlen:
Esposito, Elena, Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität, Frankfurt/M. 2007.
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