Der russische Krieg in der Ukraine, Grönland-Annexionsforderungen durch US-Präsident Donald Trump oder die eskalierenden Kriege im Nahen Osten sind Ausdruck intensivierter Konflikte um die multipolare Weltordnung. In diesem Zusammenhang benutzen Politiker:innen und Analyst:innen immer häufiger den Begriff des Imperialismus. In seiner Regierungserklärung vom 29. Januar 2026 positionierte Bundeskanzler Friedrich Merz die Europäische Union als „normative Alternative zu Imperialismus und Autokratie“. Er forderte ein souveränes Europa, das die „Sprache der Machtpolitik“ lernt, Abhängigkeiten reduziert und als eigenständige Macht agiert.
Im Rahmen des Seminars werden historische und aktuelle Theorien diskutiert, die das Verhältnis von kapitalistischem Weltmarkt und geopolitischer Konkurrenz im Staatensystem im kritischen Anschluss an die Thesen von Karl Marx zu erklären versuchen. Durch das Studium dieser Ansätze wollen wir uns analytische Begriffe und Ansätze erarbeiten, die die aktuellen Entwicklungen präziser beschreiben. Dazu beschäftigen wir uns mit verschiedenen, in unterschiedlichen historischen Kontexten formulierten Theorien zu Weltmarkt und Staatensystem von der klassischen Imperialismusdebatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über Weltsystem- und Dependenztheorien der Nachkriegszeit, Theorien der Internationalisierung von Staat und Ökonomie bis zu aktuellen Diskussionen um einen "Neuen Imperialismus" und der Geoökonomie.
Dabei wollen wir uns dem Thema entlang von drei verschiedenen Leitfragen nähern:
1) Wie lässt sich die ungleiche ökonomische Entwicklung des Kapitalismus erklären?
2) In welchem Zusammenhang steht diese ungleiche Entwicklung mit der (ebenso anhaltenden) Existenz zwischenstaatlich-geopolitischer Konflikte?
3) Welche Aktualität haben analytische Begriffe wie Imperialismus, Kapitalismus und Weltmarkt heutzutage?
Wird als Reader zur Verfügung gestellt.
Besonders engagierten Studierende und solchen, die sich im Vorhinein einen Eindruck über die behandelten Theorien verschaffen wollen, seien folgende Bücher empfohlen:
- ten Brink, Tobias (2008): Staatenkonflikte. Zur Analyse von Geopolitik und Imperialismus - ein Überblick, Stuttgart: UTB/Lucius & Lucius.
- Nachtwey, Oliver (2005): Weltmarkt und Imperialismus. Zur Entstehungsgeschichte der klassischen marxistischen Imperialismustheorie, Köln: ISP.
- Bollinger, Stefan (Hg., 2004): Imperialismustheorien. Historische Grundlagen für eine aktuelle Kritik, Wien: Promedia.
- Brewer, Anthony (1989): Marxist Theories of Imperialism: A Critical Survey, London/New York: Routledge.
- Deppe, Frank/Salomon, David/Solty, Ingar (2011): Imperialismus, Köln: PapyRossa.
- Zeller, Christian (Hg., 2004): Die globale Enteignungsökonomie, Münster: Westfälisches Dampfboot.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Di | 14-16 | U2-222 | 12.10.2026-05.02.2027
not on: 10/20/26 / 10/27/26 / 11/3/26 / 11/10/26 / 11/17/26 |
Am 27.10. findet kein Seminar statt. |
| one-time | Di | 14-16 | X-B2-103 | 20.10.2026 | |
| one-time | Di | 14-16 | X-B2-103 | 03.11.2026 | |
| one-time | Di | 14-16 | X-B2-103 | 10.11.2026 | |
| one-time | Di | 14-16 | X-B2-103 | 17.11.2026 |
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 25-IndiErg-FOW Module "Forum Open Science" | Vertiefungsveranstaltung | Study requirement
|
Student information |
| 30-M11 Networking: Social Science-related Disciplines | Seminar | Study requirement
|
Student information |
| - | Graded examination | Student information | |
| 30-M37 Specialisation Module Political Theory | Grundlagen der modernen Politischen Theorie | Study requirement
|
Student information |
| Vertiefungsseminar | Study requirement
|
Student information | |
| - | Graded examination | Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Grundbedingungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar sind:
Regelmäßige Anwesenheit und aktive Teilnahme an den Diskussionen (30 %) sind Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars. Darüber hinaus werden kurze Rezensionen der Seminartexte sowie gezielte Recherchearbeiten zu ausgewählten Seminarsitzungen erwartet (30 %). Daraus ergibt sich eine vorläufige Note. Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie auf der Grundlage der im Seminar diskutierten Fragestellungen ein Thema für die Abschlussarbeit (40 % der Gesamtnote) wählen.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Lernziel des Seminars ist der Erwerb grundlegender Kenntnisse über die im Seminar behandelten Theorien, um einerseits deren historische und theoretisch-kategoriale Einordnung zu ermöglichen und sie andererseits auf ihre Brauchbarkeit und Plausibilität zum Verständnis aktueller Dynamiken der internationalen politischen Ökonomie hin zu prüfen.
Prüfungsstoff
Grundlage des Seminars sind Primär- und Sekundärtexte, die in einem Reader zusammengestellt werden. Diese müssen von allen Teilnehmenden regelmäßig gelesen werden und dienen als Diskussionsbasis in den Einheiten. Die didaktische Aufbereitung variiert während des Semesters: Es wird fingierte "Streitgespräche" zwischen verschiedenen Theorieperspektiven geben, Frage- und Antwortrunden mit aus Teilnehmenden gebildeten "Expert:innengruppen" sowie Kurzreferate.
Besonderer Wert wird auf die aktive Diskussionsbeteiligung möglichst vieler Teilnehmender gelegt.