Musik ist Klang, Rhythmus, Melodie, Harmonie – aber auch eine anspruchsvolle Kunstform mit jahrhundertelanger Geschichte; ein Anlass für intensive Formen der Kollaboration (z.B. in Bands oder Orchestern); ein milliardenschweres Business; eine Bühne für Konkurrenz und Wettbewerb (z.B. im Eurovision Song Contest); ein Instrument staatlicher Propaganda und des politischen Widerstands; ein Element religiös-ritueller Praxis (z.B. Kirchenlieder, Fangesänge im Sport). Zudem nimmt Musik auf vielfältige Weise an sozialen Prozessen und gesellschaftlichem Wandel teil: Sie ist Gegenstand rechtlicher Regulierung (z.B. Urheberrecht), ihre Produktions- und Rezeptionsformen werden durch Aufnahme- und Wiedergabetechnologien geprägt (z.B. Mikrofon, E-Gitarre, Schallplatte, Streaming), Kompositionen thematisieren gesellschaftliche Strukturen und Prozesse (z.B. Protestlieder), und musikalische Genres verraten durch die Umstände ihrer Entstehung und ihre historische Entwicklung etwas über die gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen sie entstehen und sich verbreiten (z.B. Jazz, Pop- und Rockmusik im 20. und 21. Jahrhundert). Nicht zuletzt ist Musik alltägliche Erfahrung und Teil persönlicher Identitätsbildung: eine Möglichkeit, in der Welt zu sein, das eigene Leben wahrzunehmen, zu verstehen und zu bewältigen.
Aus diesen Gründen lassen sich an Musik immer auch grundsätzliche sozialtheoretische und methodologische Fragen diskutieren, einschließlich der Frage, welche soziologischen Einsichten aus der Analyse musikalischer Werke gewonnen werden können – oder, in den Worten von Theodor W. Adorno, ob „Musik mehr bedeutet als Zigaretten oder Seife in Markterhebungen“ (Adorno 1975: 13). Wenn Musik ein gesellschaftliches Produkt ist – was ist ihre soziale Bedeutung und wie wirkt sie in die Gesellschaft zurück?
Das vierstündige Seminar versteht sich als Einführung in dieses lebendige Teilgebiet der Soziologie. Es will an diese Fragen heranführen und zugleich den Teilnehmer:innen Gelegenheit geben, eigene musikalische bzw. musikbezogene Interessen im Seminar zur Diskussion zu stellen. Es setzt sich daher aus zwei Teilen zusammen: In Teil 1 (Theoretische Perspektiven, Do 10-12 Uhr) geht es um theoretische Grundlagen und konzeptionelle Ansätze. Teil 2 (Empirische Studien, Do 14-16 Uhr) fokussiert auf konkrete Fälle und empirische Beispiele. Hier wird Gelegenheit bestehen, eigene Interessen, gern auch eigene musikalische Vorlieben einzubringen, an Klangbeispielen und anderem Material zu diskutieren sowie Ideen für Seminar- oder andere Forschungsarbeiten zu entwickeln.
Adorno, Theodor W.: Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1975
De Nora, Tia: Music in Everyday Life, Cambridge: Cambridge University Press, 2009
Inhetveen, Katharina: Musiksoziologie, in: Georg Kneer und Markus Schroer (Hrsg.): Handbuch Spezielle Soziologien, Wiesbaden: Springer, 2010, S. 325-340
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 10:00-12:00 | 12.10.2026-05.02.2027 |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.