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220125 Nutzungsformen von Energieressourcen und Nutzungskonflikte um Energieträger während des mittelalterlichen Klimaoptmums und der Kleinen Eiszeit (12.-18. Jahrhundert) (S) (SoSe 2019)

Inhalt, Kommentar

Das Seminar unternimmt den Versuch, die in verschiedenen Zweigen der Geschichtswissenschaft in den vergangenen vierzig Jahren ermittelten Befunde mit dem Fokus auf Nutzungsformen von Energieressourcen und auf Nutzungskonflikte um Energieträger exemplarisch zusammenzuführen, um gezielte und konkrete Einblicke in die reichlich heterogenen Existenzformen und Existenzkrisen in der Vormoderne Mitteleuropas zu gewinnen. Als wesentliche Energieressourcen und Energieträger gelten nicht nur Holz, Kohle, Torf, Wasser und Wind, sondern auch die Arbeitskraft von Mensch und Tier. Bei der Einschätzung und Beurteilung der regelmäßigen Inanspruchnahme dieser Energieträger in der Vormoderne sind mehrere Gesichtspunkte zu beachten: Individueller Rechtstatus bzw. individuelle Standeszugehörigkeit der Akteure, gruppenspezifische Nutzungs- und Eigentumsrechte, Nutzungsformen und Wirtschaftspraktiken (insbesondere Allmenden als kollektive Nutzungsrechte an Wald, Weide, Wasser etc. betreffend), agrartechnische Innovationen (Ackergeräte wie Pflug, Sense, Sichel, differenzierte Flurordnungen etc.) und gewerbliche Innovationen (Mühle, Göppel, Brennereien, Ziegeleien, Siedereien, Kanalbau etc.), Herrschaftsformen und die ihnen entsprechenden Praktiken der Herrschaftsausübung, Rechte und Ansprüche der Partizipation, Formen sozialer Ungleicheit und Ausmaß sozialer Differenzierung, vorherrschender Umgang mit Energieressourcen und dadurch hervorgerufene Veränderungen der natürlichen und sozialen Umwelt, nicht zuletzt auch spezifische Klimaschwankungen während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Dabei handelt es sich gewissermaßen um Klimaanomalien, die in der Historischen Klimatologie mit den Begriffen ‚Mittelalterliches Wärmeoptimum’ und ‚Kleine Eiszeit’ bezeichnet werden und die inzwischen auch gehäuft in Regionalstudien Berücksichtigung gefunden haben. Mittlerweile lassen sich gemäß Christian Pfister und Mark Overton plausible und auch empirisch gestützte Argumente anführen, dass die spezifischen Klimabedingungen der Vormoderne nicht nur die Ausprägung besonderer Agrarlandschaften in Mitteleuropa befördert, sondern die Akteure immer wieder auch zu agrar- und gewerbetechnischen Innovationen veranlasst haben.

Aus pragmatischen Gründen wird in dem Seminar der Fokus hauptsächlich auf Studien liegen, die sich mit den verschiedenen Formen der Nutzung von kollektiven Gemeingütern (Allmenden) und mit den sich daran entzündenden Konflikten befasst haben. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den klimatischen Rahmenbedingungen in ihrem Wandel zwischen milttelalterlichem Wärmeoptimum und Kleiner Eiszeit.

Dass es sich bei diesem integrativen und interdisziplinären Unterfangen des Seminars insgesamt gesehen auch heute noch - trotz mancher Konzepte wie das von Rolf Sieferle - um ein Desiderat in der Erforschung der Vormoderne handelt, hat Reinhold Reith in seinem enzyklopädischen Überblick zur Umweltgeschichte 2011 verschiedentlich angesprochen und darin immerhin Forschungsperspektiven formuliert.

Literaturangaben

Marc Bloch, Antritt und Siegeszug der Wassermühle, in: Claudia Honegger, Schrift und Materie der Geschichte, Frankfurt / Main 1977, S. 171-197; Hans-Rudolf Bork, Landschaften der Erde unter dem Einfluss des Menschen, Darmstadt 2006; Ders., Bodenerosion und Umwelt, Braunschweig 1988; Stefan Brakensiek / Werner Rösener (Hg.), Landwirtschaft und Klima (Themenschwerpunkt der Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, Jg. 58, Heft 1), Frankfurt / Main 2010; Ch. Dyer / E. Thoen / T. Williamson (Ed.), Peasants and their fields, Turnhout 2018; Rüdiger Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, Darmstadt 2008; N. Grüne / J. Hübner / G. Siegl (Hg.), Ländliche Gemeingüter - Rural Commons. Kollektive Ressourcennutzung in der europäischen Agrarwirtschaft, Innsbruck 2016; H. Jankuhn / R. Wenskus (Hg.), Geschichtswissenschaft und Archäologie. Untersuchungen zur Siedlungs-, Wirtschafts- und Kirchengeschichte, Sigmaringen 1979; S. Lorenz / P. Rückert (Hg.), Landnutzung und Landschaftsentwicklung im deutschen Südwesten. Zur Umweltgeschichte im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, Stuttgart 2009; Franz Mauelshagen, Klimageschichte der Neuzeit, Darmstadt 2010; Bernd Marquardt, Umwelt und Recht in Mitteleuropa. Von den großen Rodungen des Hochmittelalters bis ins 21. Jahrhundert, Basel / Genf 2003; U. Meiners / W. Rösener (Hg.), Allmenden und Marken vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Cloppenburg 2004; Reinhold Reith, Umweltgeschichte der Frühen Neuzeit, München 2011; W. Rösener / W. Troßbach (Hg.), Waldgeschichte (Themenschwerpunkt der Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, Jg. 55, Heft 1), Frankfurt / Main 2007; Frank Sirocko (Hg.), Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert, Darmstadt 2010; P. Burgraff / M. Karabaica / K.-D. Kleefeld / W. Schenk (Hrsg.), Landschaft als Ressource (Themenschwerpunkt der Zeitschrift Siedlungsforschung, 34. Jg.), Bonn 2017.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Ort Zeitraum  
wöchentlich Mo 14-16 X-B3-117 01.04.2019-12.07.2019
nicht am: 22.04.19

Klausuren

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
22-4.2 Mastermodul Geschichtswissenschaft: Vormoderne
4.2.3
Masterseminar Vormoderne benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
22-M-4.2 Mastermodul Vormoderne
4.2.3
Masterseminar Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
22-M-4.4.2 Profilmodul "Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit"
4.2.3
Masterseminar Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
22-M-4.4.7 Profilmodul "Sozial- und Wirtschaftsgeschichte"
4.2.3
Masterseminar Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
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22-M-4.5 Forschungsmodul
4.2.3
Masterseminar Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Konkretisierung der Anforderungen
Keine Konkretisierungen vorhanden
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