Angenommen, wir müssen uns entscheiden, entweder einen Menschen oder fünf andere Menschen zu retten. Sollten wir dann die fünf Menschen retten statt dem einen – einfach weil es mehr Menschenleben sind? Und wenn ja: könnte dann prinzipiell auch eine sehr, sehr große Zahl leichter Kopfschmerzen ein Menschenleben aufwiegen? Solche Fragen gehören zu den umstrittensten Problemen der normativen Ethik. Während konsequentialistische Theorien wie der Utilitarismus klassischerweise Nutzen und Schäden über verschiedene Personen hinweg aggregieren, bestreiten etwa kontraktualistische und andere deontologische Ansätze, dass sich Ansprüche verschiedener Personen auf diese Art „aufsummieren" lassen. Rawls’ bekannte Kritik am Utilitarismus lautet: Interpersonelle Aggregation achte nicht die „Getrenntheit“ der Personen. Doch was genau heißt das?
In diesem Seminar untersuchen wir die Debatte um interpersonelle Aggregation anhand klassischer und aktueller Texte: Ausgangspunkt ist John Taureks provokanter Aufsatz „Should the Numbers Count?" (1977), gefolgt von Antworten, Weiterentwicklungen und Debattenbeiträgen u.a. von Derek Parfit, Frances Kamm und T. M. Scanlon. Wir werden uns auch neuere Positionen der sogenannten "limited aggregation"-Debatte ansehen und einige Anwendungsfelder diskutieren, etwa die Verteilung knapper medizinischer Ressourcen.
Die Bereitschaft zur Lektüre komplexer, englischsprachiger Texte wird vorausgesetzt. Vorkenntnisse in normativer Ethik sind hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich.
Teilnehmerbegrenzung:
DIES IST EIN FACHWISSENSCHAFTLICHES MASTER-SEMINAR.
An diesem Seminar können insgesamt maximal 10 Bachelor-Studierende teilnehmen. Für alle Studierenden, die regulär in einem Master Philosophie eingeschrieben sind, gilt keine Teilnehmendenbegrenzung.
Diese Veranstaltung ist konzipiert für Masterstudierende im Fach Philosophie. Andere Studierende der Philosophie können nur teilnehmen, wenn sie das Anmeldeverfahren durchlaufen und eine Zusage der Lehrperson bekommen haben. Zur Anmeldung senden Sie der Lehrperson eine E-Mail mit Angabe Ihres Namens, des Fachsemesters, in dem Sie sein werden, und mit einer Begründung, warum Sie an diesem Seminar teilnehmen wollen. Sie erhalten rechtzeitig Bescheid, ob Sie an der Veranstaltung teilnehmen dürfen.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 14-16 | 13.10.2026-02.02.2027 |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
Es besteht die Möglichkeit, im Anschluss an dieses Seminar eine Prüfung zum Abschluss eines Moduls zu erbringen. Für alle Prüfungen in Philosophie gilt, dass sie das Befolgen der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis voraussetzen, wozu u.a. der angemessene Umgang mit philosophischer Literatur und das Beachten der in der Eigenständigkeitserklärung formulierten Anforderungen gehört: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/philosophie/studium/pruefungsamt/Eigenstandigkeitserklarung.pdf.
Für Hausarbeiten in Philosophie gelten außerdem die folgenden Bewertungskriterien: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/philosophie/studium/angebote-hilfsmittel/hilfsmittel/2026-05-Anderung-nach-AKo-in-Vorlage.pdf