220013 Jüdische Geschichte in der Geschichtsschreibung: Debatten, Quellen und Deutungskämpfe (S) (WiSe 2026/2027)

Inhalt, Kommentar

Der Blick auf die jüdische Geschichte in der Moderne ist vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Massenmords zwischen 1933 und 1945 lange Zeit stark von der Erzählung einer Opfergeschichte geprägt gewesen. Dadurch geriet der Facettenreichtum jüdischen Lebens, aber auch die Eigenständigkeit jüdischer Geschichtsschreibung vielfach aus dem Sichtfeld. Dabei war letztere insbesondere seit dem 19. Jahrhundert Impulsgeber zahlreicher wissenschaftlicher Ansätze und Debatten, die zunächst vor allem innerjüdisch geführt wurden. Die Geschichtsschreibung jüdischer Historikerinnen und Historiker entwickelte pluralistische Wissenschaftsverständnisse und wichtige Korrektive gegenüber Marginalisierung, Ausgrenzung und eindimensionalen Opfererzählungen. Erst in der Nachkriegszeit etablierten sich Judaistik und Jüdische Studien sukzessive auch an deutschen Universitäten als eigenständige Fächer.

Ausgehend von jüdischen Gedächtnisformationen in Antike und Mittelalter widmet sich das Seminar insbesondere der Zeit seit der Entstehung der „Wissenschaft des Judentums“ im 19. Jahrhundert. Behandelt werden unter anderem Texte und Werke von Leopold Zunz, Theodor Herzl, Salo Wittmayer Baron und Yosef Hayim Yerushalmi bis hin zu jüngeren Auseinandersetzungen renommierter Historikerinnen und Historiker wie Shulamit Volkov und Michael Brenner. Ein Schwerpunkt liegt auf Deutschland, wird jedoch beispielsweise durch Perspektiven auf Frankreich und die Vereinigten Staaten erweitert, um die transnationalen Ausstrahlungen jüdischer Wissenschafts- und Historiographiezirkulationen sichtbar zu machen.

Das Seminar verfolgt auf diese Weise die Entwicklung einer jüdischen Historiographie, die die Verbrechen der Shoah keineswegs ausblendet, sie jedoch in einen größeren Kontext jüdischer Geschichte, Selbstbestimmung und Wissensproduktion einordnet. Zugleich fragt das Seminar danach, wie jüdische Geschichte geschrieben wurde und wird, welche Debatten und Kontroversen die Geschichtsschreibung geprägt haben und welche Bedeutung diese Perspektiven bis in gegenwärtige wissenschaftliche Debatten hinein besitzen.

Literaturangaben

Brenner, Michael/Rohrbacher, Stefan (Hrsg.), Wissenschaft vom Judentum: Annäherungen nach dem Holocaust, Göttingen 2000.

Lehmann, Matthias B., Jüdische Geschichte. Von der Antike bis zur Gegenwart, München 2025.

Volkov, Shulamit, Antisemitism as a Cultural Code: Reflections and the History and Historiography of Antisemitism in Imperial Germany, in: dies. (Hrsg.), Interpreting Antisemitism. Studies and Essays on the German Case, Berlin/Boston 2023, S. 61–84.

Yerushalmi, Yosef Hayim, Sachor: Erinnere dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis, Berlin 2023.

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Do 14-16   12.10.2026-05.02.2027

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
22-2.1 Theoriemodul Theoriemodul Grundseminar Historiographie Studieninformation
22-B4 Profilmodul Geschichtswissenschaft Profilmodul Geschichtswissenschaft Seminar benotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.


Keine Konkretisierungen vorhanden
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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Sonntag, 17. Mai 2026 
Letzte Änderung Zeiten:
Sonntag, 17. Mai 2026 
Letzte Änderung Räume:
Sonntag, 17. Mai 2026 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Geschichtswissenschaft
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730647170