Das Seminar „Professionelles Handeln in pädagogischen Kontexten (IV)" setzt sich mit grundlegenden Fragen auseinander: Was ist pädagogische Professionalität? Wie entwickelt sie sich? Welche Modelle prägen gegenwärtige Lehrerbildung – und welche Alternativen sind denkbar?
Seit den 2000er Jahren ist die deutschsprachige Pädagogik von Kompetenzorientierung dominiert. Standards, Lernziele und Kompetenzbeschreibungen strukturieren Lehrpläne, Schulentwicklung und Lehrerbildung. Gleichzeitig gibt es fundierte Kritik: Norbert Ricken und Roland Reichenbach zeigen, dass Kompetenzen-Denken pädagogische Macht „invisibilisiert"; Stephen Ball analysiert, wie Standardisierung zu Performativität und „Kultur der Angst" führt. Gert Biesta warnt vor der „Learnification" von Bildung – der Verdunkelung von Fragen nach guten Leben und gerechtem Zusammenleben.
Neben dieser Kritik stellt Werner Helspers Strukturtheorie eine wichtige Alternative dar: Pädagogisches Handeln ist nicht zu standardisieren, sondern durchzogen von strukturellen Antinomien (Nähe und Distanz, Autonomie und Heteronomie, Subsumtion und Rekonstruktion). Professionalität bedeutet nicht Beherrschung, sondern reflexive, situativ angemessene Balance in Unmöglichkeit.
David Berliner und Rainer Bromme verfolgen hingegen einen empirisch-kognitiven Weg: Sie zeigen, wie Lehrerprofessionalität sich durch jahrelange Erfahrung entwickelt – von regel-geleiteten Novizen zu intuitiven Experten. Doch auch dieser Weg hat Grenzen: Routine kann blind machen.
Im zweiten Block öffnet das Seminar eine ganz andere Perspektive: Shunryu Suzuki und die Kyōto-Schule (Nishida Kitarō, Nishitani Keiji) bieten eine Philosophie des „Anfängergeistes" und der „Leere" an. Sie hinterfragen westliche Subjekt-Objekt-Logiken und schlagen vor, Professionalität nicht als Überexpertise, sondern als ständig erneuerte Offenheit für das Unbekannte zu verstehen. Thích Nhất Hạnh konkretisiert das in Achtsamkeitspraktiken für Lehrkräfte.
Im dritten Block werden John Deweys Konzepte von Erfahrung und Inquiry zentral. Sie bilden eine Brücke: Echtes pädagogisches Lernen ist nicht Regel-Befolgung und nicht bloße Intuition, sondern zyklisches Erkunden, Handeln und Reflektieren. Dies wird konkret für die Berufsfeldbezogene Praxisstudie (BPSt) fruchtbar gemacht: Studierende entwickeln Forschungsfragen, lernen systematisches Beobachten, und verbinden Theorie mit eigener Praxis-Erfahrung.
Das Seminar ist selbst ein Modell: Nicht nur theoretisch, sondern erfahrungsbasiert (Achtsamkeitsübungen, Fallarbeit, forschendes Lernen).
In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/studium-und-lehre/studiendekanat/studienorganisation/platzvergabe/
Wie konstituiert sich pädagogische Professionalität? Das Seminar setzt sich kritisch mit drei dominanten Paradigmen auseinander: Kompetenzorientierung (Standards und Messbarkeit), Strukturtheorie (Antinomien des pädagogischen Handelns nach Helsper) und Expertise-Forschung. Im zweiten Teil wird eine alternative Perspektive eröffnet: Zen-Buddhistische und Kyōto-Schule-Philosophie bieten Einsichten in eine Professionalität der Offenheit und „Leere" statt Überexpertise. Schließlich werden Deweys Konzepte von Erfahrung und forschendem Lernen konkret für die Berufsfeldbezogene Praxisstudie (BPSt) fruchtbar gemacht. Das Seminar bereitet intensiv auf das Praktikum vor und verbindet theoretische Tiefe mit praktischer Anwendbarkeit.
klärt sich im Seminar
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Di | 10-14 | H10 | 13.04.-24.07.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 25-BiWi5_ISP Berufsfeldbezogene Praxisstudie Erziehen und Unterrichten Berufsfeldbezogene Praxisstudie Erziehen und Unterrichten | E1: Professionelles Handeln in der Schule | Studienleistung
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Studieninformation |
| 25-BiWi5_a Erziehen und Unterrichten Erziehen und Unterrichten | Professionelles Handeln in pädagogischen Kontexten | Studienleistung
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Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
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