Bis in die 1990er Jahre galt Sicherheitspolitik überwiegend als Domäne der Internationalen Beziehungen – eine außenpolitische und militärisch konnotierte Angelegenheit zwischen Staaten in einem internationalen System. Klar davon zu trennen war die Innere Sicherheit auf dem Territorium des souveränen Staates mit seinem Monopol auf legitime physische Gewaltsamkeit. Spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Siegeszug des Globalisierungsnarrativs weichen diese Unterscheidungen zunehmend auf und neue Konzepte fordern tiefsitzende Prämissen der tradierten Ansätze heraus. Sicherheit löst sich zunehmend von ihrer primär militärischen Ausrichtung und dehnt sich auf eine Reihe neuer Bereiche wie etwa Umwelt-, Migrations- und Sozialpolitik aus. Vor allem dezentrale und transnational operierende Terrornetzwerke und/oder sogenannte „EinzelkämpferInnen“, die unbemerkt im Innern von Gesellschaften operieren, geraten in den Fokus der Betrachtungen. In diesem Zuge werden auch neue epistemologische Fragen im Hinblick auf die (Un-)Kalkulierbarkeit von Bedrohungen aufgeworfen. Dabei geht es weniger um die Bestimmung von Sicherheit – etwa als eine Situation, die sich durch die Abwesenheit von Gefahren auszeichnet – als um die Problematisierung von Bedrohung: Welche Mittel stehen zur Verfügung, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen und ein angemessenes Sicherheitswissen herzustellen? Lassen sich in einer transnational vernetzten Welt Gefahren noch von ihrer ungefährlichen Umwelt unterscheiden? Welche Konzepte von Kausalität und Emergenz sind dabei vonnöten? Müssen Gefahren bereits verhindert werden bevor sie entstehen oder geht es vielmehr um das Vermögen einer Gesellschaft, auf unvermeidlich auftretende Gefahren möglichst effizient zu reagieren? Ist Sicherheit für alle Mitglieder einer Gemeinschaft letztlich noch ein mögliches und erstrebenswertes Ziel oder sollte die Fähigkeit einer/s jeden Einzelnen zur Anpassung an eine Situation der permanenten Bedrohung im Vordergrund stehen?
In dem Seminar sollen verschiedene neuere Ansätze in den Sicherheitsstudien diskutiert werden, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Ausgehend von der Kritik der Copenhagen School am traditionellen Sicherheitskonzept und ihrem Ansatz der De-Securitization werden verschiedene aktuelle Ansätze aus den Security Studies vorgestellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den epistemologischen und konzeptionellen Grundlagen und damit zusammenhängenden Schlüsselbegriffen wie Risiko, Prävention, Precaution, Premediation und Resilienz.
Eine vollständige Literaturliste und ein Seminarplan werden in der vorbereitenden Sitzung am 21.10.16 bekannt gegeben.
Teilnahmevoraussetzung ist die Lektüre der überwiegend englischsprachigen Texte sowie eine kurze Präsentation (10-15 Minuten) eines Textes.
Vorkenntnisse im Bereich der Internationalen Beziehungen und/oder der Politischen Theorie/Soziologie sind von Vorteil, aber keine zwingende Voraussetzung.
Anderson, Ben (2010): Preemption, precaution, preparedness. Anticipatory action and future geographies. In: Progress in Human Geography 34 (6), S. 777–798.
Aradau, Claudia; van Munster, Rens (2007): Governing Terrorism Through Risk. Taking Precautions, (un)Knowing the Future. In: European Journal of International Relations 13 (1), S. 89–115.
Burgess, J. Peter (2007): Social values and material threat: the European Programme for Critical Infrastructure Protection. In: International Journal of Critical Infrastructures, 3 (3/4), S. 471–487.
Ceyhan, Ayse (2008): Technologization of Security: Management of Uncertainty and Risk in the Age of Biometrics. In: Surveillance & Society 5 (2), S. 102–123.
Cooper, Melinda (2006): Pre-empting Emergence. The Biological Turn in the War on Terror. In: Theory, Culture & Society 23 (4), S. 113–135.
Dillon, Michael (2007): Governing through contingency. The security of biopolitical governance. In: Political Geography 26 (1), S. 41–47.
Evans, Brad; Reid, Julian (2013): Dangerously exposed. The life and death of the resilient subject. In: Resilience 1 (2), S. 83–98.
Goede, Marieke de (2008a): Beyond Risk. Premediation and the Post-9/11 Security Imagination. In: Security Dialogue 39 (2-3), S. 155–176.
Goede, Marieke de (2008b): The Politics of Preemption and the War on Terror in Europe. In: European Journal of International Relations 14 (1), S. 161–185.
Kaufmann, Stefan (2012): Resilienz als ›Boundary Object‹. In: Christopher Daase, Philipp Offermann und Valentin Rauer (Hg.): Sicherheitskultur. Soziale und politische Praktiken der Gefahrenabwehr. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 109–131.
Massumi, Brian. (2007): Potential Politics and the Primacy of Preemption. In: Theory & Event 10 (2).
Wæver, Ole (1995): Securitization and Desecuritization. In: Ronnie D. Lipschutz (Hg.): On security. New York, NY: Columbia Univ. Press (New directions in world politics), S. 46–87.
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| 30-M-PK-M2 Massenmedien und politische Öffentlichkeit (Kernbereich 2) | Seminar 1 | Studienleistung
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| Seminar 2 | Studienleistung
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| 30-M-Soz-M5a Politische Soziologie a | Seminar 1 | Studienleistung
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| Seminar 2 | Studienleistung
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| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M5b Politische Soziologie b | Seminar 1 | Studienleistung
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| Seminar 2 | Studienleistung
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| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M5c Politische Soziologie c | Seminar 1 | Studienleistung
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| Seminar 2 | Studienleistung
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| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.