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230131 Integrative Wissensperspektiven: Zufall (S) (WiSe 2015/2016)

Inhalt, Kommentar

Die Lehrveranstaltung führt eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe fort, die als Teil des Individuellen Ergänzungsbereichs jedes Wintersemester ein neues Oberthema (wie ‚Entscheiden’, ‚Information’, ‚Zufall’ u.a.) anbietet, das den Wissensgebieten der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften angehört. Das Seminar beinhaltet die Lektüre und Diskussion einschlägiger Texte aus den beteiligten Disziplinen und soll eine Übersicht über unterschiedliche Wissensfelder und methodische Zugangsweisen vermitteln. Der interdisziplinäre Dialog soll es ermöglichen, das eigene Fach in den Kontext anderer Disziplinen zu stellen und mit den Augen anderer Fächer zu sehen.
Im Wintersemester 2015/16 befassen sich die ‚Integrativen Wissensperspektiven‘ mit dem Thema ‚Zufall’: Aus philosophischer Perspektive (Carrier) steht zunächst die Frage im Vordergrund, welche Rolle der Zufall in naturphilosophischen Konzeptionen und Problemen spielt; in diesem Kontext wird unter anderem die Willensfreiheit thematisiert. Ferner stellt die Philosophie die Frage nach der Beschaffenheit von Wahrscheinlichkeiten und nach ihrer Rolle in der Entwicklung der Wissenschaften. Der Zufall spielt auch für viele Fragen der Physik (Blanchard) eine Rolle und ist darüber hinaus in vielen Bereichen der Biologie (Reinhold) von Bedeutung. Dieser lässt sich dort durch Gesetzmäßigkeiten beschreiben, was beispielsweise an den Themen Mutationen und Rekombination dargestellt wird. Ein Problem des Zufalls besteht aus biologischer Sicht darin, dass durch zufällige Effekte möglicherweise die untersuchten experimentellen Effekte verdeckt werden; in diesem Rahmen wird unter anderem die Biostatistik erörtert. In der mathematischen Wirtschaftstheorie (Herzberg) spielt wiederum die Bewertung von zufallsabhängigen Auszahlungen eine wichtige Rolle. Nach Frank Knight (1921) unterscheidet man zwischen gewöhnlichem Risiko, wo zumindest die Wahrscheinlichkeitsverteilung der künftigen Auszahlungen bekannt ist, und tatsächlicher Unsicherheit. Der Umgang mit Risiko in diesem Sinne ist wohlverstanden, und in jüngster Zeit sind auch Theorien für Entscheidungen unter Unsicherheit im Knight'schen Sinne entwickelt worden; in der formalen Erkenntnistheorie bahnt sich ein ähnlicher Paradigmenwechsel an.
In den Literatur- und Kulturwissenschaften (Kramer) werden die Kategorien des Zufalls und der Kontingenz im Kontext der Mathematisierung der Wahrscheinlichkeit verhandelt, die vor allem den Beginn der Moderne im 17. Jahrhundert kennzeichnet. Dabei wird zum einen den kulturhistorischen Implikationen der berühmten Wette Blaise Pascals nachgegangen, die den Zufall im Spannungsfeld eines gleichermaßen existenziell wie auch theologisch begründeten Risikokalküls verortet. Zum anderen wird neben dem Status der Rechenoperationen der Wahrscheinlichkeitstheorie das Verhältnis von Fiktion, Wahrscheinlichkeit und kontingenter Wirklichkeit in der Frühen Neuzeit in den Blick genommen. Davon ausgehend soll die Herausbildung neuer Handlungs- und Ereignisräume im modernen Roman beleuchtet werden, der zeitgleich mit der Stochastik entsteht. Für die historische Bildwissenschaft (Grave) erweist sich der Zufall als besonders aufschlussreicher Gegenstand. Da im Bild prinzipiell alle Erscheinungen - auch freigelassene Partien - auffällig werden können (selbst wenn der Bildproduzent sie nicht bewusst gestaltet hat), bieten Bilder ein hohes Maß an Freiraum für Zufälle. Der Blick auf Zufallsbilder, auf 'Artefakte' in der Photographie sowie auf die Unvermeidlichkeit des Zufalls in Malerei und Zeichnung soll dazu beitragen, das Verhältnis von Zufall, Invention und Kreativität näher zu bestimmen.

Die Lehrveranstaltung wird durch eine zweitägige Konferenz im ZiF zum Ende des Semesters abgeschlossen, deren Vorbereitung und Durchführung von den Studierenden (mit Unterstützung der Lehrenden) geleistet werden soll. Die Teilnehmer der Veranstaltung halten dabei eigene, interdisziplinär angelegte Vorträge zu einem einschlägigen Thema. Diese Tagung findet am 16.2. und 17.2.2016 jeweils von 9-17 Uhr statt.

Zur Vorbereitung auf die Konferenz werden für die Studierenden in Kooperation mit dem ‚Zentrum für Studium, Lehre und Karriere‘ freiwillige Präsentations-Workshops angeboten, die jeweils im Anschluss an die Lehrveranstaltung stattfinden (18 Uhr) und speziell dazu dienen die Studierenden auf einen möglichen Vortrag vorzubereiten und allgemein die Vortrags-/Präsentationskompetenz zu stärken:
- 25.11.15: 'Präsentationsskills: Körpersprache, Mimik, Nervosität'
- 16.12.15: 'Präsentationsskills: Medieneinsatz'
- 20.1./ 27.1/ 3.2.16: Termine für die Studierenden um einen einmaligen Probevortrag zu halten und professionelles Feedback zu bekommen, u.a. mit Videofeedback-Option.

Lehrende

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Klausuren

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
23-IndErg-IWP Integrative Wissensperspektiven Integrative Wissensperspektiven Studieninformation
Integrative Wissensperspektiven: Tagung unbenotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
History, Philosophy and Sociology of Science / Master (Einschreibung bis SoSe 2014) Individueller Ergänzungsber Pflicht GS und HS
Literaturwissenschaft / Bachelor (Einschreibung bis SoSe 2011) Nebenfach    
Studieren ab 50    
Konkretisierung der Anforderungen
Keine Konkretisierungen vorhanden
Lernraum
Teilnehmer*innen
Automatischer E-Mailverteiler der Veranstaltung
Änderungen/Aktualität der Veranstaltungsdaten
Sonstiges