Die Beschwerde über zu viel Bürokratie ist zu einem post-modernen Äquivalent der Klage über schlechtes Wetter geworden. Die Kritik hat sich dabei kaum verändert. Die „Bürokratie“, so die regelmäßig vorgebrachte Klage, würde sich wie Mehltau über das Land legen. Eine unsinnige Regelungsflut, eine verknöcherte Verwaltung und ein wuchernder Beamtenapparat würden inzwischen jede Initiative unterdrücken. Angesichts der routinierten Wiederholung der immergleichen Bürokratiekritik fühlen sich Beobachter schon an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert, in dem der in einer Zeitschleife gefangene Protagonist sich jeden Morgen die immer gleichen Klagen anhören muss.
Aber wie kann man Bürokratie soziologisch eigentlich jenseits von Max Weber bestimmen? Wie hat sich die Kritik an der Bürokratie historisch entwickelt? Wie ist die aktuelle Kritik an der Bürokratie aus neoliberalen Richtungen einzuschätzen? In diesem Seminar – und für diejenigen, die empirisch forschen wollen auch in einer begleitenden Lehrforschung – werden diese Fragen geklärt.
Zum Seminar:
Die theoretische Arbeit findet im Seminar montags von 14.15 bis 18.00 statt. Das Seminar kann unabhängig von der Lehrforschung belegt werden. Studierende der Soziologie können im Seminar eine Hausarbeit schreiben. Sie sollten dafür möglichst bis zur Mitte des Seminars eine erste Idee entwickeln und müssen in einer der beiden letzten Sitzungen ein Exposé vorstellen (siehe zu Exposés oder Sechszeilern: http://www.uni-bielefeld.de/soz/forschung/orgsoz/wap.html).
Die Hausarbeiten sollten während des Semesters begonnen werden und in den Semesterferien im August, September und Oktober 2026 geschrieben und auf einer gemeinsamen Mini-Konferenz (sechs bis acht Stunden) zu Beginn des Wintersemesters 2026 diskutiert werden.
Zur Lehrforschung:
Es handelt sich um eine große Lehrforschung, die sich über zwei Semester streckt und mit einem Seminar verbunden ist. Dafür kann das Seminar mit einer Lehrforschung in Organisationssoziologie verbunden werden. Dafür muss neben dem Seminar Montag 14.15 bis 18.00 belegt werden, auch die Lehrforschung Dienstag 9.00 bis 12.00 Uhr belegt werden, in der wir stark empirisch arbeiten wollen. Die Lehrforschung findet zusätzlich in Blockphasen – teilweise auch mit gemeinsamer Erhebung von Empirie – statt.
Die Lehrforschungsarbeiten sollten während des Semesters begonnen werden und dann in den Semesterferien im August, September und Oktober 2026 geschrieben und auf einer gemeinsamen Mini-Konferenz (sechs bis acht Stunden) zu Beginn des Wintersemesters 2026 diskutiert werden.
Zu den Texten:
Ich erwarte, dass die teilweise theoretisch anspruchsvollen Texte zur jeweiligen Sitzung gelesen werden. Wenn Sie nicht an einer Sitzung teilnehmen können, lesen Sie die Texte bitte trotzdem, weil wir in den folgenden Diskussionen immer wieder darauf zurückgreifen werden.
Abschlussarbeiten:
Im Rahmen des Seminars besteht für Studierende die Möglichkeit ihre Abschlussarbeiten in Soziologie und Geschichtswissenschaft zu entwickeln und zu schreiben. Wir ermutigen Studierende, die in der Endphase ihres Studiums sind, dazu, dieses Seminar zu besuchen, um der Erarbeitung ihres Themas einen Rahmen zu geben.
Zur ersten Sitzung Montag, 13.4.2026 14.15 bis 18.00 Uhr
Das Seminar – und die Lehrforschung – beginnen am 13.4.2026. Wenn Sie an der ersten Sitzung nicht teilnehmen können, schreiben Sie mir bitte eine Email stefan.kuehl@uni-bielefeld.de, so dass ich Sie in den Verteiler mitaufnehmen kann. Ein späterer Einstieg in das Seminar ist nicht möglich.
Der erste Teil dient dazu, das Seminar (und die Lehrforschung) vorzustellen und Fragen der Interessierten zu beantworten. Das bietet die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob man an dem Seminar – und der Lehrforschung – teilnehmen möchte.
Im zweiten Teil steigen wir inhaltlich ein – mit dem bewährten Mittel, die Wikipedia-Einträge zu Bürokratie auf Deutsch und auf Englisch kritisch zu kommentieren. Die können Sie sich schon im Vorfelde des Seminars anschauen.
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrokratie
https://en.wikipedia.org/wiki/Bureaucracy#Theories
Für einen (sehr) lockeren Einstieg per Podcast und Video (gerne vor der ersten Sitzung):
https://www.deutschlandfunk.de/verwaltung-in-zeiten-der-kettensaegen-100.html
https://www.zdf.de/play/shows/die-anstalt-104/die-anstalt-vom-11-maerz-2025-100
Für eine erste lockere Lektüre:
Cancik, Pascale (2017): Zuviel Staat? – Die Institutionalisierung der „Bürokratie“-Kritik im 20. Jahrhundert. In: Der Staat 56, S. 1–38.
Jann, Werner (2023): Bürokratieabbau: Und ewig grüßt das Murmeltier. Für mehr Ehrlichkeit in der Bürokratiedebatte. In: Zeitschrift für Rechtspolitik (56), S. 247–251.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mo | 14-18 | 13.04.-24.07.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 30-M-Soz-M6a Organisationssoziologie a Organisationssoziologie a | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M6b Organisationssoziologie b Organisationssoziologie b | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M6c Organisationssoziologie c Organisationssoziologie c | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.