220009 Entwertetes Geld. Die deutsche Inflation 1914-1923 in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts (S) (SoSe 2013)

Inhalt, Kommentar

Eine Euro-Münze zerfließt auf dem Cover des Spiegels vom 8.10.2012. „Vorsicht, Inflation. Die schleichende Enteignung der Deutschen“ lautet die Titel-Story über die Politik der Notenbanken und eine durch Geldentwertung ausgelöste Umverteilung des Vermögens. Sie steht wieder im Rampenlicht: die Inflation - das Trauma der Deutschen. Seit den frühen 1920er Jahren gilt die Skepsis gegenüber leichtsinniger Geldpolitik als so tiefgreifend wie politisch relevant. In den 1970er und 1980er Jahren haben sich Historiker/innen intensiv mit der Inflation auseinandergesetzt – einerseits, weil ihr hinsichtlich der Rolle für Entwicklung und Untergang der Weimarer Republik eine zentrale Bedeutung zugesprochen wurde, andererseits, weil gerade die 1970er Jahre selbst durch Währungsturbulenzen und hohe Inflationszahlen geprägt waren. Gerald D. Feldmans Lebenswerk, seine tausend Seiten starke Synthese „The Great Disorder“ bildete dann 1993 eine Art vorläufigen Endpunkt der historischen Auseinandersetzung, die nur noch durch einzelne, wenngleich sehr gelungene Arbeiten wie Martin H. Geyers „Verkehrte Welt“, ergänzt wurden. Ökonomische und politische Ursachen, soziale und wirtschaftspolitische Folgen, umgestürzte Ordnungen, Inflationstrauma und nationalsozialistische Machtergreifung sowie die Durchsetzung der „Moderne“ - es gibt mittlerweile kaum einen Bereich, der nicht im Zusammenhang mit der „deutschen Inflation“ von 1914 bis 1923 erforscht worden ist.
Umso erstaunlicher ist es, dass 2011 im Zuge der neu ausgerichteten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und einer wieder greifbaren Inflationsangst die Neuauflage eines Buches erschienen ist, das noch vor dieser historischen Kontroverse der 1980er Jahre geschrieben worden war. Adam Fergussons erstmals 1975 publiziertes Buch „Das Ende des Geldes“ gibt sich als historisch fundierte Warnung vor den Gefahren der Inflation. Der Herausgeber der deutschen Ausgabe, Max Otte, begründet es so: „Am Beispiel der Geschichte der Hyperinflation und der Weimarer Republik können wir studieren, welche Gefahren es abzuwehren gilt“ . Können wir das? Wohl kaum. Die historische Forschung der 1980er und 1990er Jahre hat gerade die Komplexität und historische Bedingtheit der Inflation zwischen 1914 und 1923 betont.
Aber es lässt sich vielleicht etwas anderes studieren. Losgelöst von der tagesaktuellen Problematik könnten die historischen Forschungsergebnisse und –methoden für weiterführende Forschungsfragen nutzbar sein. So ist etwa die – in den USA als „Great Inflation“ bezeichnete – globale Teuerungswelle der 1970er Jahre historisch noch kaum erforscht. Die bisher vor allem aus der Ökonomie und den Politikwissenschaften stammenden Studien sind historisch wenig anschlussfähig. Ziel des Seminars ist es daher, einerseits das für die Interpretation der „deutschen Inflation“ von 1914 bis 1923 notwendige historische Hintergrundwissen zu gewinnen. Andererseits soll aber auch die Frage nach Anschlussfähigkeit und Generalisierbarkeit der historischen Inflationsforschung diskutiert werden. Welche Fragestellungen lassen sich übertragen? Welche Theorien und Methoden erscheinen sinnvoll und anwendbar? Welche Vergleichsmöglichkeiten eröffnen sich? Das Seminar ist bezüglich dieser Fragen offen und wird sich an den Interessen der Teilnehmenden orientieren.

Literaturangaben

Feldmann, Gerald D.: The Great Disorder. Politics, Economics and Society in the German Inflation 1914-1924. New York/Oxford 1993
Geyer, Martin H.: Verkehrte Welt. Revolution, Inflation und Moderne, München 1914-1924. Göttingen 1998
Holtfrerich, Carl-Ludwig: Die deutsche Inflation 1914-1923. Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive. Berlin u.a. 1980

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