Initiativen zur Etablierung einer "Finanziellen Allgemeinbildung" an Schulen sind seit der jüngsten Finanzkrise auf dem Vormarsch. Probleme wie Überschuldung, die Privatisierung der Altersvorsorge, aber auch Falschberatungen durch Banken werden ins Feld geführt, um der Forderung nach einer Finanzbildung an Schulen Nachdruck zu verleihen. Auch wenn die damit verknüpften Bildungsinhalte sowie Interessen in Abhängigkeit der jeweiligen Anbietergruppe (Finanzdienstleister, Verbraucherschutzverbände, Stiftungen sowie politische Akteure) stark variieren, teilen alle Akteursgruppen die Annahme, dass das erworbene Finanzwissen einen unmittelbaren Einfluss auf das Finanzhandeln hat. Übersehen wird dabei nicht nur der heterogene Finanzbildungsbedarf aufseiten der SchülerInnen, der dieser vereinfachenden Gleichung entgegensteht, sondern viel grundsätzlicher die aus der wirtschaftssoziologischen Forschung bekannten Probleme einer strukturell bedingten Informationsasymmetrie auf Finanzmärkten sowie die Tatsache, dass Akteure – ganz unabhängig von ihrem Wissenstand – nicht zwangsläufig rational entscheiden. Vielmehr lassen sie sich in ihrem Handeln von Pfadabhängigkeiten, von kulturellen sowie sozialen Rahmungen als auch der Handlungssituation selbst leiten.
Ziel des Seminars ist es erstens, eine kritische Analyse ausgewählter Lehr-Lernmaterialien zum Thema Finanzbildung (z.B. MyFinanzCoach (Allianz), Materialkompass (Verbraucherzentrale)) zu leisten und die hier verfolgten Bildungsinteressen zu systematisieren und zu evaluieren. Zweitens soll vor dem Hintergrund wirtschaftssoziologischer Ansätze diskutiert werden, warum die in der Finanzbildung unterstellte Kausalbeziehung zwischen Finanzwissen und Finanzhandeln zu kurz gegriffen ist. Daran schließt sich drittens die Frage an, ob Finanzbildung an Schulen dann nicht vielmehr als ein Instrument zur Individualisierung gesellschaftlicher und finanzieller Risiken verstanden werden muss, die einer Finanzialisierung des Alltags (Weber 2010) Vorschub leistet.
Formale Teilnahmevoraussetzungen: siehe Modulhandbuch.
Erwünscht ist der Abschluss von mindestens einer Teilveranstaltung im Fachmodul II: Gesellschaft/Wirtschaft oder einer vergleichbaren fachwissenschaftlichen Veranstaltung.
Hedtke, Reinhold (2014): Mein Wohl als Gemeinwohl. Lobbyismus in der ökonomischen Bildung, in: Spieker, Wolfgang (Hrsg.): Zukunft der ökonomischen Bildung (Tutzinger Schriften zur politischen Bildung). Schwalbach/Ts. (i. E.).
Martin, Randy (2002): Financialization of Daily Life. Philadelphia.
Retzmann, Thomas (2011): Finanzielle Bildung in der Schule. Mündige Verbraucher durch Konsumentenbildung. Schwalbach/Ts.
Weber, Beat (2010): Finanzbildungsbürgertum und die Finanzialisierung des Alltags, in: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Heft 3, Jg. 40, S. 377-393.
Willis, Lauren E. (2008): Against Financial-Literacy Education. Iowa Law Review 94, 197–286.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Frauenstudien | (Einschreibung bis SoSe 2015) | Schwerpunkt II | |||||
| Politikwissenschaft / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | Fachmodul (FM) Arb | Wahl | 4 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | |
| Sozialwissenschaften / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | Modul BW.a; Modul BW.b; Modul BW.c | 3 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | ||
| Sozialwissenschaften / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | Fachmodul (FM) Arb | Wahl | 4 | (bei Einzelleistungen 2 LP zusätzlich) | |
| Sozialwissenschaften GHR/SP / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2008) | Modul 16 | 2 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | |||
| Sozialwissenschaften GHR/SP / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | Fachmodul BW.d; Fachmodul BW.f | 3 | aktive Teilnahme | |||
| Sozialwissenschaften GymGe als zweites Unterrichtsfach / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | Fachmodul BW.a; Fachmodul BW.e | 3 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | |||
| Sozialwissenschaften GymGe als zweites Unterrichtsfach / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | Fachmodul (FM) Arb | Wahl | 4 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | ||
| Sozialwissenschaften GymGe als zweites Unterrichtsfach / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2008) | Modul 10 | 2 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) | |||
| Sozialwissenschaften GymGe als zweites Unterrichtsfach / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2008) | Fachmodul 19.7 | Wahl | 3 | (bei Einzelleistung 3 LP zusätzlich) | ||
| Sozialwissenschaften GymGe Fortsetzung BA-Nebenfach / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2008) | Fachmodul 19.7 | Wahl | 3 | (bei Einzelleistung 3 LP zusätzlich) | ||
| Soziologie / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | Fachmodul (FM) Arb | Wahl | 4 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) |
Das Seminar setzt ein grundständiges Interesse am Thema "Finanzbildung" sowie an wirtschaftssoziologischen Fragestellungen voraus. Das Seminar ermöglicht ein hohes Maß an Eigeninitiative und unterstützt die Studierenden in der Entwicklung eigener Fragestellungen und Perspektiven.
Einzelleistungen können in Form von Referaten mit schriftlicher Ausarbeitung erbracht werden.