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291130 Verfassungsgeschichte seit 1918 (V) (WiSe 2020/2021)

Inhalt, Kommentar

Prof. Dr. Christoph Gusy WiSe 2020/21

Vorlesung: Verfassungsgeschichte seit 1918

Die Vorlesung richtet sich zentral an Studierende der Anfangssemester.
Sie findet via ZOOM zu der im EKVV angegebenen Veranstaltungszeit statt
(Beginn: 30.10.2020). Sie zählt zum Bereich Grundlagen und Methoden des
Rechts. Studierende anderer Fakultäten sind nach Maßgabe der für sie
geltenden Studienordnungen zur Teilnahme berechtigt.

Eine Gliederung mit Hinweisen auf Studienliteratur und eine Zeittafel
finden Sie auf der Homepage des Lehrstuhls.

In der Veranstaltung kann ein Grundlagen-/Methodenschein (Rechtswiss.)
erworben werden. Hierzu wird am Endes des Semesters eine Kurzhausarbeit
angeboten, die binnen 2 Wochen bearbeitet werden kann.

Studierende anderer Fakultäten, welche nach ihrer Studienordnung andere
Leistungsnachweise benötigen, werden gebeten, sich in der Sprechstunde
zu informieren.

Gliederung

I. Vorgeschichte: Geschichte des Verfassungsgedankens - Entste-hung und Entwicklung von Verfassungen seit Endes des 18. Jh. – insbes.: Paulskirche, Reichsverfassung 1871. – 3 Stufen des Konstitutionalismus in Deutschland. – Der Weltkrieg als Verfassungskrise.

II. Entstehung und Verfassung der Weimarer Republik

Von der konstitutionellen Monarchie zur demokratischen Republik – Novemberrevolution und Räterepublik – Die Nationalversammlung und ihr Verfassungswerk – Grundprinzipien der WRV: Republik, Demokratie, Gewaltenteilung, Förderalismus, Grundrechte – insbesondere: Die Auslegung der Weimarer Verfassung durch den Staatsgerichtshof – Staatsrechtswissenschaft im Richtungsstreit

III. Die Vernichtung des Verfassungsstaates im Nationalsozialismus

Vom Niedergang der Republik zur Kanzlerschaft Hitlers – Durch-brechung und Beseitigung der Weimarer Reichsverfassung: Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz, Gleichschaltungspolitik – Vom bürokratischen Terrorstaat zum Doppelstaat – Der Ein-Parteien-Staat als Führerstaat

IV. Vom Weltkrieg zur deutschen Teilung

Kriegsniederlage – „Stunde Null“? – Der Weg zur deutschen Tei-lung – Staatlicher Neuaufbau – Der Parlamentarische Rat und sein Werk

V. Verfassungsgeschichte der „alten“ Bundesrepublik

Entstehung des Grundgesetzes und der DDR-Verfassung - 4 Phasen der Verfassungsentwicklung - Nachkriegszeit und Wiederaufbau – Ausbau des demokratischen Verfassungsstaates – Stabilisierung und Konsolidierung der Bundesrepublik – Der Weg zur deutschen Einheit.

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Zeittafel

1495 Reichsreform: Ewiger Landfriede; Reichskammergerichtsordnung; Gemeiner Pfennig – 1500: Reichsregimentsordnung Maximilians I. – 1521: Reichsregimentsordnung Karls V.
1517 Reformation
1555 Augsburger Religionsfriede
1618 –
1648 30-jähriger Krieg – Zeit der Religionskriege – 1648: Westfälischer Friede von Münster/Osnabrück mit einigen Verfassungselementen für/in Deutschland
1654 „Jüngster Reichsabschied“

1640 –
1688 Wilhelm I. „Der Große Kurfürst“: Aufstieg Preußens – Herausbildung des Absolutismus; 1644: stehendes Heer; Ausschaltung der Stände; 1651: Geheimer Rat als ständige
„Regierung“ – daneben: Kabinett – 1660: Sicherung Ostpreußens im Frieden von Oliva – 1685: Edikt von Potsdam
1661 –
1715 Ludwig XIV.: Absolutismus in Frankreich
1649 –
1689 England wird konstitutionelle Monarchie; 1649: Revolution Cromwells – 1679: Habeas Corpus Akte; 1688: Glorious Revolution; 1689: Declaration of Rights

1740 –
1786 Friedrich II. „der Große“ in Preußen: Deutscher Dualismus - aufgeklärter Absolutismus in Preußen: Abschaffung der Folter 1740; 1779: Müller – Arnold – Prozess – 1781: Corpus Iuris Fridericianum: Allgemeine Gerichtsordnung – 1794: Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten

1740 –
1790 Maria Theresia/Josef II.: aufgeklärter Absolutismus in Österreich – einheitliches Strafgesetzbuch 1768 – Verstaatlichung des Schulwesens seit 1773 – Aufhebung der Leibeigenschaft 1781 – Beseitigung kirchlicher Privilegien seit 1781 („Josefinismus“)

1776 Virginia Bill of Rights

1783 Unabhängigkeit Amerikas – 1787: Verfassung – Grundrechte seit 1789 – Anerkennung der Unabhängigkeit durch England 1814
1789 – Französische Revolution: Menschenrechtserklärung 1789 –

1795 Aufhebung der weltlichen Rechte der Kirche 1789/90 – Verfassung 1791 – Republik 1792 – Direktorium 1795 – Staatsstreich Napoleons 1799 – Kaiser seit 1814 – 1815 –
Code Civil 1804

1803 Reichsdeputationshauptschluss

1806 Rheinbund – Austritt der beteiligten Staaten aus dem Reich
– Niederlegung der deutschen Kaiserkrone durch Franz II. seit 1807 Preußische Reformen: Bauernbefreiung 1807/10; Regulierungsedikt 1811 – Städteordnung 1808 –
Gewerbefreiheit 1811 – Judenemanzipation 1812 – Ressortregierung 1808 – Heeresreform, allgemeine Wehrpflicht seit 1814 – Humboldtsche Bildungsreform seit 1809

1815 Nach Kriegsniederlage Frankreichs: Wiener Kongress: Restaurationspolitik – Legitimität, Solidarität, Gleichgewicht der Mächte; Hl. Allianz – Dt. Bund - Wiener Bundesakte 1815: Versprechen „landständischer Verfassung“ in Art. 13 – Wiener Schlussakte 1820
1819 Karlsbader Beschlüsse: “Demagogenverfolgung” von Liberalen und Demokraten
1814 –
1820 1. Verfassunggebung in Deutschland: Bayern, Baden, Württemberg, Nassau
1830/31 Nach Juli-Unruhen in Mittelstaaten: 2. Verfassunggebung: Sachsen, Hessen-Kassel

1834 Deutscher Zollverein als Vorläufer nationaler Einigung (schon seit 1828 Zollvereine o. Österreich) – s. schon 1815 Burschenschaften; 1817 Wartburgfest; 1832 Hambacher Fest.
seit 1840 Allmähliches Ende der Restaurationspolitik – Ende der
„Demagogenverfolgung“

1848 Märzrevolution: Nationalversammlung in Paulskirche Mai – provisorische Reichsregierung Juni – Grundrechte Dez. – Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen März 1849 – Auflösung der Nationalversammlung bis Mitte Juli 1849
Preußische Vereinigte Landtage 1847 – seit 1848 Nationalversammlung in Berlin – Niederschlagung der Revolution bis Oktober – oktroyierte Verfassung Dezember (Drei-Klassen-Wahlrecht)

1850 Nach Scheitern des Erfurter Unionsplans: 3. Verfassunggebung Revision der preußischen Verfassung – Beginn neuer Restaurationspolitik – Österreichische Verfassung 1851.
1862 –
1866 Preußischer Verfassungskonflikt – Berufung Bismarcks zum Kanzler – Preußischer Verfassungskonflikt
1866 Preußen erlangt Vorherrschaft in Deutschland - Indemnitätsgesetz beendet Verfassungskonflikt.

1867 Norddeutscher Bund – Bundesverfassung – Gesetzgebungstätigkeit: Gewerbeordnung 1869

1871 Nach deutsch-französischem Krieg Einigung Deutschlands unter preuß. Führung – 2. Reich – Reichsverfassung mit gleichem, geheimem Wahlrecht – Bismarck Reichskanzler
– lebhafte Gesetzgebungstätigkeit: 1872 StGB; Maß-, Gewichts-, Münzgesetze 1873 – Reichsbank 1875 – Reichsjustizgesetze 1879; BGB 1900
1870 –
1886 Kulturkampf: Kanzelparagraph 1871 – staatliche Schulaufsicht 1872 – Zivilehe 1874/75
1878 –
1890 Sozialistengesetze; währenddessen Krankenversicherung 1883; Unfallversicherung 1884; Alters- und
Invalidenversicherung 1889

1914 –
1918 1. Weltkrieg als Verfassungskrise - Scheitern von Verfassungsreformen
1917 Russ. Oktoberrevolution – Verfassungsreformen in Deutschland 1918.

1918 Waffenstillstandsgesuch Deutschland – Novemberrevolution – Ebert Reichskanzler – Abdankung des Kaisers – Ausrufung der Republik

1919 Bürgerkrieg in Deutschland – Nationalversammlung in Weimar – Ebert Reichspräsident – Weimarer Reichsverfassung – Vertrag von Versailles

seit 1919 Durchsetzung der WRV gegen Widerstand von rechts und links: Kapp-Putsch; Hitler-Putsch; Schwarze Reichswehr – Münchner Räterepublik; Reichsexekution in Sachsen, Thüringen
1923 Ruhrbesetzung: Währungszerfall – Rentenmark (1924)
1925 Tod Eberts – Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten
1929 Weltwirtschaftskrise greift auf Deutschland über – bis 1932 6 Mio. Arbeitslose
1930 –
1932 Reichskanzler Brüning regiert ohne Parlament
1932 „Preußenschlag“ von Papens beseitigt demokratische Regierung in Preußen

1933 Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Reich – Ermächtigungsgesetz – Verbot bzw. Auflösung der polit. Parteien und Gewerkschaften – Konzentrationslager – Gleichschaltung der Länder – NSDAP Staatspartei

1934 Gesetz zum Neuaufbau des Reichs – Röhm-Morde – Hitler
„Führer und Reichskanzler“

1935 Nürnberger Gesetze verschärfen Judenverfolgung: 1938
„Reichskristallnacht“ – 1942: Wannsee-Konferenz beschließt Holocaust – Vernichtungslager
1939 –
1941 Ermordung von psychisch Kranken
1939 –
1945 2. Weltkrieg

1945 Ernennung Dönitz zum Reichspräsidenten – Kapitulation und Besetzung Deutschlands – Potsdamer Konferenz: Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen – Alliierter Kontrollrat

1947 Bizone – 1948: Trizone – Währungsreform – Frankfurter Dokumente – Herrenchiemseer Konvent – Parlamentarischer Rat

1949 GG tritt in Kraft (23.5.) – Bundesorgane werden konstituiert (September 21949; Bundesverfassungsgericht: 1951).
DDR–Verfassung – Proklamation zweier deutscher Staaten – deutsche Teilung.

1949 –
1963 Ära Adenauer: Erlangung der Souveränität gegen Westintegration: 1952 EVG – Streit um den Wehrbeitrag – nach Scheitern der EVG 1955: NATO – Deutschland- Vertrag – Aufbau der Bundeswehr – Normalisierung mit der UdSSR
1952 SRP-Verbot; 1956: KPD-Verbot
1957 EWG, EAG
1966 –
1969 Große Koalition: Notstandsgesetze, Finanzreform, “1968”
1970 Moskauer Vertrag – Warschauer Vertrag
1971 Berlin-Abkommen
1972 Grundvertrag
1973 UNO-Beitritt beider deutscher Staaten
1974 Prager Vertrag

1989 Revolution i.d. d. DDR - Beitritt der neuen Länder zur Bundesrepublik (1990).

Literaturangaben

Literatur:

Frotscher/Pieroth, Verfassungsgeschichte, 18. Aufl., 2019.
Stolleis, Geschichte des Öffentlichen Rechts, Bd. 3, 1999; Bd. 4, 2012.
Willoweit/Schlinker, Deutsche Verfassungsgeschichte, 8. A., 2019.

Boldt, Verfassungsgeschichte, Bd. 2, 1993.

Gusy, in: Docupedia- Zeitgeschichte: Verfassungsgeschichte, https://docupedia.de/zg/Gusy_verfassungsgeschichte_v2_de_2020.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Fr 10-12 ONLINE   26.10.2020-12.02.2021

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