000011 Das Johannesevangelium (S) (SoSe 2006)

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Die Interpretation des Christentums, die im Johannesevangelium stattfindet, ist ein origineller und theologisch systematischer Versuch, die absolute Singularität der Offenbarung Gottes in der historischen Person Jesus von Nazareth zu denken. Sie setzt sich mit einem hellenistischen Judentum auseinander, das die Tradition der griechischen und hellenistischen Philosophie integriert hat, und ist im frühen Christentum sowohl von den Kirchenvätern als auch von den ersten gnostischen Lehrern als ein Hauptzeuge des Evangeliums rezipiert worden.
Zu den gedanklichen Leistungen des Johannesevangeliums gehört die Entfaltung eines trinitarischen Modells, das die abendländlichen Geschichtsphilosophie stark geprägt hat. In seinen Abschiedsreden kündigt Jesus den versammelten Jüngern das Kommen eines "Parakleten", eines Geistes der Wahrheit an, der in Ewigkeit bei seinen Jüngern bleiben, ihnen die volle Offenbarung bringen wird, die der irdische Jesus noch nicht sagen konnte und die Jünger während seiner Erdenzeit noch nicht zu fassen vermochten (Joh 14,16f.26; 15,26; 16,5-15).
Der Sinn des Seminars ist es, die Bedeutung, die theologische und philosophische Nachwirkung dieser Verheißung zu untersuchen und zu verstehen. Diese beginnt zwar in der alten Kirche, aber erfährt einen ersten entscheidenden Höhepunkt in der Geschichtetheologie von Joachim di Fiore (+ 1202), die den gesamten Prozess der Geschichte nach dem trinitarischen Schema der drei Personen als die Zeitalter des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die zwei ersten Epochen gehören zu der Vergangenheit, und die dritte fängt an. Die Wiederaufnahme und die Variationen des Paradigmas sind nicht nur im Kreis der Franziskaner-Spiritualen des 13. Jh. und bei Dante sichtbar, sondern über Lessing bis zu Hegel, Schelling und Marx.
Das Ziel des Seminars ist es, die Texte zu lesen, um das Johannesevangelium von seiner philosophischen Rezeption her und das geschichtsphilosophische Denken vom johanneischen Modell her besser zu verstehen: Eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Joh.-Ev. ist vor allem ein rezeptionsgeschichtliches Unternehmen.
Folgende Gesichtspunkte (mögliche Seminarthemen) sind dabei zu nennen:
1. Fragen nach dem Ursprung bzw. der Abhängigkeit des "Logos"- Begriffs von antik-philosophischen Kontexten;
2. Beispiele der Bezugnahme aus der patristisch- neuplatonisch-allegorischen Exegese (ein mögliches Beispiel: Gregor der Große, Homiliae in Evangelia, 30 [Joh 14,23-31]);
3. Geschichtsphilosophische resp. - theologische Konstruktionen (im Ausgang von Augustin, De civitate Dei);
4. Paraklet und Drei-Zeiten-resp. Drei-Stufen-Schema im Hochmittelalter (J. von Fiore im Kontext der Zeit: Schriften: "Concordia novi ac veteris Testamenti"; Expositio in Apocalypsim; Psalterium decem chordarum - Joachims Welt- und Geschichtsauffassung).
5. Neuzeitliche Bezugnahmen auf auf das johannäisch-joachitische Paradigma: Hegel, Theolog. Jugendschriften, Phänomenologie des Geistes und Geschichtsphilosophie [incl. Marxistisch-materialistischer Weiterentwicklungen];
6. Moderne Rückbezüge und Reflexion: K. Löwith, Weltgeschichte und Heilsgeschehen. Die theologischen Voraussetzungen der Geschichtsphilosophie, vor allem die Kapitel zu J. von Fiore, zu Verwandlungen seiner Lehre und zur biblischen Auslegung der Geschichte;
7. Ein möglicher Diskussionspunkt: Die philosophischen oder die verborgen-philosophischen Voraussetzungen der Johannes- Exegese R. Bultmanns.

Bibliography

Rudolf Bultmann, Das Evangelium des Johannes KEK II, Göttingen 1941
Günther Bornkamm, Die Zeit des Geistes, in: Geschichte und Glaube I, Gesammelte Aufsätze III, München 1968, 90-103.

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Evangelische Theologie / Master of Education (Enrollment until SoSe 2014) NT II/1a; NT II/2a   3  
Ev.Religionslehre / Lehramt Sekundarstufe II B2; B3; D1; D5   3  

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