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Herr Prof. Dr. Jan Christoph Störtländer

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1. Fakultät für Erziehungswissenschaft / AG 5 - Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik / Professuren

Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Bildungstheorie

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6. Fakultät für Erziehungswissenschaft / Professor*innen EW

Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Bildungstheorie

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jan_christoph.stoertlaender@uni-bielefeld.de  

Curriculum Vitae

Bildung ist Widerstand

学 ・ 問 ・ 抗

Lernen · Fragen · Widerstehen

Meine Professur beschäftigt sich mit einer simplen, aber zugleich komplexen Frage:
Was geschieht, wenn Menschen sich bilden?

Bildung verstehe ich dabei nicht in erster Linie als Erwerb von Wissen oder Kompetenzen. Menschen bilden sich, wenn ihre bisherigen Gewissheiten fragwürdig werden, wenn sie etwas anders wahrnehmen als zuvor und wenn sich dadurch ihr Verhältnis zu sich selbst, zu anderen und zur Welt verändert.

Darin liegt für mich auch eine widerständige Kraft von Bildung.

Bildung ist Widerstand

Widerstand bedeutet hier nicht, grundsätzlich dagegen zu sein. Er beginnt viel früher: wenn wir uns nicht vorschnell festlegen lassen; wenn wir Erwartungen, Kategorien und vermeintliche Selbstverständlichkeiten unterbrechen; wenn wir bereit sind, auch die eigenen Überzeugungen erneut zum Gegenstand einer Frage zu machen.

Diese Bewegung fasse ich für meine Professur in drei Zeichen:

学 ・ 問 ・ 抗

Lernen · Fragen · Widerstehen

Im Zentrum steht für mich das Fragen (問). Eine wirkliche Frage unterbricht den unmittelbaren Übergang von Erfahrung zu Antwort. In dieser Unterbrechung entsteht ein Zwischenraum – 間, ma. Ein Moment, in dem noch nicht feststeht, was etwas bedeutet, wer jemand ist oder wie gehandelt werden muss.

Diesen Zwischenraum halte ich für einen wesentlichen Ort von Bildung.

Bildung im Feld der Beziehungen

Ein Schwerpunkt meiner Forschung liegt deshalb auf Theorien, die das menschliche Selbst nicht als abgeschlossene, autonome Einheit verstehen.

Besonders beschäftige ich mich mit der japanischen Kyoto-Schule, insbesondere mit dem Denken Nishida Kitarōs, und mit ihren Verbindungen zu westlichen Traditionen der Bildungsphilosophie und Pädagogik. Begriffe wie reine Erfahrung (純粋経験, junsui keiken), Ort (場所, basho) und absolute Nichtsheit (絶対無, zettai mu) eröffnen eine Perspektive, in der Erfahrung nicht von einem bereits fertigen Subjekt ausgeht. Das Selbst entsteht vielmehr in Beziehungen, Situationen und Vollzügen.

Darin sehe ich wichtige Anschlüsse an pädagogische Fragen der Gegenwart.

Was verändert sich, wenn wir Schüler*innen nicht zuerst als Träger bestimmter Eigenschaften, Defizite oder Kompetenzen betrachten? Was bedeutet Professionalität, wenn pädagogische Situationen grundsätzlich mehrdeutig bleiben? Und wie können Lehrer*innen verantwortlich handeln, ohne Menschen vorschnell auf Kategorien festzulegen?

Im Dialog mit westlichen Ansätzen – insbesondere mit John Deweys Theorie der Erfahrung, mit Bildungstheorie, Phänomenologie, Professionalisierungsforschung und Allgemeiner Didaktik – untersuche ich deshalb Bedingungen, unter denen Erfahrungen bildend werden können.

Dabei interessieren mich zunehmend auch Leiblichkeit, Präsenz und Innehalten. Pädagogisches Wahrnehmen beginnt nicht erst mit einer theoretischen Deutung. Manchmal besteht Professionalität gerade darin, eine Situation zunächst auszuhalten, genau hinzusehen und die schnelle Antwort zurückzustellen.

Nicht-Wissen ist dann kein Mangel an Professionalität, sondern kann deren Ausgangspunkt sein.

Lehrer*innenbildung als Arbeit am eigenen Sehen

Diese Fragen bestimmen auch meine Lehre.

Lehrer*innenbildung bedeutet für mich nicht, Studierende möglichst schnell mit Rezepten für „guten Unterricht“ auszustatten. Pädagogische Situationen sind dafür zu komplex. Professionelles Handeln verlangt Wissen und Können – aber ebenso die Fähigkeit, Situationen wahrzunehmen, Urteile zu begründen, die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen und Entscheidungen revidieren zu können.

Deshalb interessiert mich in der Lehrer*innenbildung besonders eine verantwortete Offenheit: die Fähigkeit, wissenschaftlich informiert zu urteilen und zugleich offen dafür zu bleiben, dass eine Situation auch anders verstanden werden kann.

Dazu gehört ein professioneller Blick auf Heterogenität ebenso wie die Auseinandersetzung mit didaktischen Modellen, Kompetenzorientierung, institutionellen Bedingungen von Schule, pädagogischen Antinomien und Fragen von Bildung und Ungleichheit.

Dabei geht es immer auch um die eigene Beteiligung.

- Wer beobachtet?
- Mit welchen Begriffen?
- Welche Unterschiede werden dadurch sichtbar – und welche vielleicht erst erzeugt?
- Und was geschieht mit einer pädagogischen Situation, wenn wir unsere eigene Perspektive verändern?

Lehre folgt Dramaturgie

Meine Lehrveranstaltungen verstehe ich deshalb nicht als Ansammlung einzelner Sitzungen.

Ein Seminar sollte eine Geschichte erzählen.

Theorien und Begriffe stehen nicht nebeneinander, sondern treten miteinander in Beziehung. Fragen werden eröffnet, zunächst vielleicht nur vorläufig beantwortet, später wieder aufgenommen und unter einer veränderten Perspektive neu gestellt.

Ich plane Lehre deshalb bevorzugt in größeren thematischen Blöcken. Ein solcher Block kann bei der eigenen Erfahrung beginnen, diese durch wissenschaftliche Theorie irritieren, mit empirischen oder kasuistischen Materialien konfrontieren und schließlich zu einer erneuten Betrachtung der Ausgangsfrage führen.

Gerade in der Lehrer*innenbildung kann eine solche Dramaturgie beispielsweise von der eigenen Schüler*innenbiografie über die Schule als Institution zu den Widersprüchen professionellen pädagogischen Handelns führen.

Dabei sollen Theorie und Erfahrung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Theorie kann Distanz schaffen. Erfahrung kann Theorie irritieren. Fälle können zeigen, wo Begriffe tragen – und wo sie an ihre Grenzen geraten.

Auch Texte, Literatur, Film, Kunst und andere kulturelle Formen können deshalb zum Material erziehungswissenschaftlicher Reflexion werden, wenn sie etwas sichtbar machen, das sich begrifflich allein nur schwer erfassen lässt.

Mein Ziel ist nicht, dass am Ende einer Lehrveranstaltung alle dieselben Antworten geben.

Ich möchte vielmehr,

  • dass Studierende
  • 'anders und genauer' fragen können als zuvor.

Anfängergeist

Eine wichtige Figur dafür entnehme ich dem Zen: 初心 – shoshin, der Anfängergeist .

Anfängergeist bedeutet nicht, nichts zu wissen. Gerade Wissenschaft verlangt gründliches Wissen, genaue Lektüre und begründetes Argumentieren.

Shoshin bezeichnet vielmehr die Fähigkeit, sich trotz dieses Wissens von einer Sache noch überraschen zu lassen.

Für professionelles pädagogisches Handeln halte ich diese Haltung für zentral: Kenntnisse besitzen, ohne die konkrete Situation bereits durch sie entschieden zu haben. Erfahrung ernst nehmen, ohne sie zum alleinigen Maßstab zu machen. Urteilen – und gleichzeitig die Möglichkeit der Revision offenhalten.

Vielleicht lässt sich meine Vorstellung von Universität und Lehrer*innenbildung deshalb auf eine einfache Bewegung verdichten:

- lernen,
- fragen,
- innehalten,
- anders sehen,
- urteilen –
- und, wo es notwendig ist, widerstehen.

Meine eigenen theoretischen Positionen sind davon selbstverständlich nicht ausgenommen.

Studierende müssen sie nicht übernehmen. Begründeter Widerspruch gehört ausdrücklich zu meiner Vorstellung von universitärer Lehre.

Denn Bildung, die keinen Widerspruch mehr zulässt, wäre keine.



Kurzlebenslauf
11/2022- : Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Bildungstheorie
03/2020-08/2021: Geburt meiner Tochter Filis Hanna, Elternzeit und Elternteilzeit.
07/2019-10/2022: Wissenschaftlicher Mitarbeiter Erziehungswissenschaft/Bildungswissenschaften im Praxissemester (SekI/II+integrierte Sonderpädagogik)
10/2018-03/2019: Vertretungsprofessor für Sonderpädagogische Förderung und Inklusion mit dem Schwerpunkt Schulentwicklung und Unterrichtsforschung an der Universität Paderborn.
06/2016-06/2019: Prozessleiter (PostDoc) des Arbeitsbereiches kritisch-reflexive Praxisorientierung in Biprofessional/Qualitätsoffensive Lehrerbildung
10/2010-03/2017: Promotion in der AG 4 (Schulentwicklung und Schulforschung) an der Fakultät für Erziehungswissenschaft - Titel: "Bildung und Befähigung: Eine qualitative Studie zu kritisch-konstruktiver Didaktik und Capabilities Approach", betreut durch Barbara Koch-Priewe und Holger Ziegler, Gesamtprädikat überragend/summa cum laude
10/2014-05/2016: Wissenschaftlicher Mitarbeiter Erziehungswissenschaft/Bildungswissenschaften im Praxissemester (SekI/II+integrierte Sonderpädagogik)
05/2011-09/2014: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG 4 (Schulforschung und Schulentwicklung) in verschiedenen Stellenanteilen (Pädagogik der Sekundarstufe I, Unterrichtsfach Pädagogik, wissenschaftliche Einrichtung Oberstufenkolleg).
2010: Abschluss des Studiums der Erziehungswissenschaften, Philosophie und Germanistik als Master of Education/Staatsexamen für Gymnasium und Gesamtschule



Publikationen
siehe http://pub.uni-bielefeld.de/person/22517456


Vorträge und Workshops

  • Helfende Hände oder Schubs ins kalte Wasser -- Professionaliserungsvorstellungen von Mentor:innen im Praxissemester: Vortrag mit Sophie Blase auf der Tagung "Ethos in der Pädagogik", Alanus-Hochschule Mannheim, 27. Oktober 2023.
  • Methodenintegration von Psychometrie und qualitativem Assessment mit Blick auf das Verhältnis von Antinomien und Zielkonflikten: Vortrag und Diskussion im Methodenkolloquium von Oliver Böhm-Kasper & Christine Demmer an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, 10. Juli 2023.
  • Bildung, Befähigung und pädagogische Professionalität Begrüßungsvortrag (Antrittsvorlesung) an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, 3. Mai 2023.
  • Soziale Segregation beim Eintritt in die Grundschule -- Wo beginnen irreguläre Bildungsverläufe? Vortrag mit Johanna Gold im Symposium ''Ursachen und Wirkungen irregulärer Bildungsverläufe: Empirische Befunde aus Deutschland und Luxembourg", mit Paul Fabian, Alyssa Laureen Grecu, Susanne Backes & Steffen Schindler (Diskutant) auf der GEBF-Tagung, Universität Duisburg-Essen, 28. Februar 2023.
  • Praktiken qualitativer Forschung Vortrag und Workshop , Institut für Bildungsforschung, Marburg, 17. Januar 2023.
  • How Do Parents Address Central Human Capabilities when Choosing a Primary School for Their Children? Vortrag mit Annette Textor auf der HDCA-Konferenz in Antwerpen, 20. September 2022.
  • Der Eintritt in die Primarstufe als Herausforderung für familiäre Entscheidungsprozesse und städtische Bildungsplanung. Arbeitsgruppe mit Annette Textor, Johanna Gold u auf dem DGfE-Kongress an der Universität Bremen, 16. März 2022.
  • „Nicht nur ein Ort, an dem er gut verwahrt wird“ – Elterliche Motive für die Einschulung an einer inklusiven Angebotsschule. Vortrag von Jan C. Störtländer, Annette Textor und Kaya Reckmann auf dem DGfE-Kongress an der Uni Bremen, 16. März 2022.
  • Antinomien als Zielkonflikterleben von Lehrkräften? Möglichkeiten und Grenzen eines Mixed-Methods-Approach. Vortrag mit Julia Gorges im Symposium Zuviel gewollt? Motivationale Konflikte von Lernenden und Lehrenden Julia Gorges, Robert Grassinger und Carola Grunschel auf der GEBF-Tagung, Universität Bamberg, 10. März 2022.
  • Leistungserbringung, Reflexion und Portfolioarbeit – eine ambivalente Dreiecksbeziehung in der hochschulischen Lehrer*innenbildung. Vortrag im Symposium Das Portfolio als „Reflexionsinstrument“ in Schule und Hochschule, mit Andrea Bossen, Georg Breidenstein und Thomas Häcker auf der Sektionstagung Schulpädagogik, Universität Osnabrück, 23. September 2021.
  • Was bewegt Eltern, ihr Kind an einer inklusiven Angebotsschule anzumelden? Vortrag mit Annette Textor und Kaya Reckmann auf der AEPF/KBBB-Tagung "Grenzen sprengen – Forschung verbinden. Interdisziplinäre empirische Forschung jenseits klassischer Handlungsfelder" an der Universität Mainz, 13. September 2021.
  • Praktiken Qualitativer Forschung. Vortrag und Workshop auf Einladung des Arbeitsbereichs Empirische Bildungsforschung. Universität Marburg, 15. Dezember 2020.
  • Schulwahl und Bildungswege. Vortrag und Workshop mit Johanna Gold und Annette Textor. Stadt Bielefeld, 12. Mai 2020.
  • More Goals Impossible? Investigating teachers' intraindividual goal conflict. Insights from a project proposal in progress. Vortrag mit Julia Gorges auf dem Meeting des TSP (Teacher Selection Project). University of York. 5. März 2020.
  • Zielkonflikte im Schulpraktikum. Vortrag auf der AEPF/KBBB-Tagung „Gesellschaftliche Entwicklungen als Herausforderungen für empirische Bildungsforschung“. Universität Münster, 17. September 2019.
  • Ist „veranlasste“ und benotete Reflexion ein Hindernis in Professionalisierungsprozessen? Vortrag auf dem 3. Internationalen Kongress der Internationalen Gesellschaft für schulpraktische Professionalisierung (IGSP). Graz, Österreich, 26. April 2019.
  • Kritisch-reflexive Professionalisierung in schulischen Praxisphasen. Vortrag mit Catania Pieper auf dem 3. Internationalen Kongress der Internationalen Gesellschaft für schulpraktische Professionalisierung (IGSP). Graz, Österreich, 26. April 2019.
  • Kritisch-reflexive Professionalisierung in schulischen Praxisphasen. Vortrag mit Catania Pieper im Rahmen der Tagung „Reflexivität in allen Phasen der Lehrerbildung – theoretische und empirische Zugänge. Justus-Liebig-Universität Gießen, 8. April 2019.
  • Wessen Problem ist eigentlich die „eigene Problemstellung“? Eine bildungstheoretisch-pragmatistische Perspektive auf Forschendes Lernen und ihre hochschuldidaktischen Implikationen. Vortrag auf der Fachtagung „Zur Erforschung Forschenden Lernens – Implikationen für Lehrer*innenbildung, Wissenschaft und Praxis. Bielefeld, 14. Februar 2019.
  • Schreiben für die Lehrer(fort-)bildung? Workshop mit Martin Heinrich im Rahmen der Summer School SchreibHerausforderungen. Bielefeld, 28. September 2018.
  • Wie schreibe ich über Lehre? - Ein Praxisworkshop gemeinsam mit Swantje Lahm im Rahmen der Summer School SchreibHerausforderungen. Bielefeld, 27. September 2018.
  • Wie beurteilen Studierende die Lerngelegenheiten im Praxissemester? Ergebnisse der Studie VFL-Praxis gemeinsam mit Anne Köker und Gabriele Klewin auf dem Symposium 'Eigene und fremde Praxis in den Blick nehmen: Auslöser für Lernprozesse?' im Rahmen der AEPF. Lüneburg, September 2018 [eingereicht].
  • Sonder- und heilpädagogische Perspektiven auf den Capabilities Approach. Ganztägiger Workshop an der Fachhochschule der Diakonie Bethel, Bielefeld, 1. Dezember 2017.
  • Lehrerbildung und Lehrerfortbildung. Gleiche Fragen? Gleiche Antworten? Vortrag gemeinsam mit Martin Heinrich und Thomas Walden im Rahmen der 25. EMSE Tagung „Bildung in der digitalen Welt – Welche Forschung haben wir, welche Forschung brauchen wir?“. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, 8. Dezember 2017.
  • PortaBLe, Portal zur Bielefelder Lehrer_innenbildung – Konzeption und Evaluationsperspektiven. Vortrag und Lightning Talk gemeinsam mit Thomas Walden auf dem OER-Fachforum. Berlin, 29. November 2017
  • PortaBLe und HLZ. Entwicklungen und aktueller Stand der Digitalisierungsprojekte in der Bielefelder Lehrerbildung. Vortrag und Diskussion gemeinsam mit Mealnie Basten, Claudia Mertens, Thomas Walden und dem wissenschaftlichen Beirat von Biprofessional. Bielefeld, 11. November 2017.
  • Inklusion am Gymnasium. Aufgaben und Schüleraktivitäten barrierefrei Workshop mit Jochen Sauer und Kirsten Schmitt auf dem 1. Bielefelder Fachtag Inklusionssensible Lehrerbildung, Bielefeld, 14.Juli.2017.
  • Die Entwicklung der Bedeutung des forschenden Lernens im Praxissemester aus der Sicht von (angehenden) LehrerInnen. Ergebnisse einer Interviewstudie. Symposiumsbeitrag mit Anne Köker und Gabriele Klewin (ebenfalls beteiligt Angelika Paseka, Jan-Hendrik Hinzke, Birgit Holler-Nowitzki, Barbara Koch, Ralf Schneider) auf dem 2. Internationalen Kongress der Internationalen Gesellschaft für schulpraktische Professionalisierung (IGSP): „Lernen in der Praxis – Professionalisierungsprozesse im Kontext schulpraktischer Studien in der Lehrerbildung“, Bochum, 6. März 2017.
  • Das Cluster I Beratungszentrum kritisch-reflexive Praxisorientierung stellt sich vor. Vortrag mit Stefan Hahn und Martin Heirnich auf der 1. BiProfessional-Konferenz. Bielefeld, 28. Oktober 2016.
  • VfL Praxis: Rekonstruktion der Bedeutung des Praxissemesters für (angehende) LehrerInnen. Vortrag und Workshop mit Anne Köker im Rahmen der Projektpräsentation VfL Praxis (ebenfalls beteiligt: Gabriele Klewin, Birgit Holler-Nowitzki, Barbara Koch) auf der Nordverbundstagung, Flensburg, 22. September 2016.
  • Beiträge und Produkte für ein Onlineportal zur Lehrerbildung aus Perspektive des Clusters I. Vortrag im Bi:Professional-Kolloquium. Bielefeld, 2. Juni 2016
  • Wir warten jetzt, dass T raus geht, damit wir in Ruhe weiter machen können. Verständnisse von Leistung rekonstruiert aus Berichten von Studierenden im Praxissemester der Integrativen Sonderpädagogik für die Sekundarstufe I. Vortrag mit Barbara Koch auf der 30. Internationalen Jahrestagung der Inklusionsforscher_innen am 18. Februar 2016 an der Universität Bielefeld.
  • Employability and/or Bourgeois Phantasy? Concepts of Education and the Capabilities Approach and a Case Study on Some Limitations to Social Mobility. Vortrag mit Mai-Anh Boger auf der Human Development and Capability Conference. Washington D.C., USA, 11. September 2015.
  • Qualitative Verfahren zur Rekonstruktion der Unterrichtsplanungsheuristiken von angehenden LehrerInnen und NovizInnen. Vortrag und Workshop im sportdidaktischen Kolloquium an der Universität Paderborn am 10. Juni 2015.
  • Gerechtigkeit oder das gute Leben?! Einführung in den Capabilities Approach. Workshop mit KollegiatInnen des Oberstufenkollegs Bielefeld am 8. Juni 2015.
  • Das bildungswissenschaftliche Vorbereitungsseminar auf das Praxissemester. Vortrag und Workshop mit Anne Köker auf der Landesweiten Auftakttagung „Forschendes Lernen im Praxissemester - Umsetzung und Begleitung in Schule, ZfsL und Universität“ am 06.Februar 2015 in Bielefeld
  • The Educational System in Germany and Questions of Diversity. Hauptvortrag mit Barbara Koch-Priewe auf der Konferenz: Diversity in Teacher Education. Antalya, Türkei, am 8. Dezember 2014
  • Pädagogische Anthropologie in der (inklusiven) Lehrerbildung – Erfahrungen aus der Hochschullehre. Workshop mit Mai-Anh Boger auf der Fachtagung „Menschenbilder in Schule und Unterricht“, Trier, 7. Oktober 2014.
  • Affiliation without Filia? Combining Capabilities Approach and Psychoanalysis. Vortrag mit Mai-Anh Boger auf der Human Development and Capability Conference. Athen, Griechenland, 2. September 2014.
  • School Students Concepts of a Flourishing Life and General Education. Vortrag auf der Human Development and Capability Conference. Athen, Griechenland, 3. September 2014.
  • Exploration of a Student’s Beliefs on What It Means to Be a Teacher. Vortrag auf der Portfolio in Teacher Training Conference. Cesme, Türkei, 11. Juni 2014.
  • Welche Diskursfunktionen nutzen Studierende bei der Reflexion ihres ersten Schulpraktikums? Potenziale und Grenzen eines inhaltsanalytischen Zugriffs. Vortrag mit Anna Pineker und Stefanie Langhorst auf der Arbeitstagung Portfolio in der LehrerInnenbildung. Kassel, 11. Oktober 2013.
  • „When I Feel Bad I Can Stay Away From School for a Couple of Days“. A Capabilities Approach Based Case Study of a Possible Borderline Student. Vortrag mit Mai-Anh Boger auf der Third International Conference of Community Life at School. Almeria, Spanien, 10. Mai 2013.
  • Schüleraktivitäten in den Planungsüberlegungen von LehrerInnen. Eine empirische Studie zur Weiterentwicklung des Perspektivenschemas der kritisch-konstruktiven Didaktik. Vortrag mit Barbara Koch-Priewe auf der Theorietagung „Vergleichende Didaktik und Curriculumforschung: Nationale und internationale Perspektiven“ der DGfE, Kommission Schulforschung/Didaktik. Leipzig, 21. März 2013.
  • Klafkis nøgleproblemer empirisk evalueret [ Klafkis Schlüsselproblemansatz empirisch betrachtet ]. Vortrag auf der LUPF-Konferenz, Odense, Dänemark, 23. November 2012.
  • Introduction to the Bielefeld Portfolio for Practical Studies. Vortrag mit Anna Pineker auf dem International Portfolio Symposium. Kayseri, Türkei, 2.-4. April 2012.
  • Didactical Analysis from a Capabilities Approach Perspective. Vortrag auf der 7th International Conference on Education. Samos, Griechenland, 7.-9. Juli 2011.
  • Schlüsselprobleme als Befähigungsdeprivation: Neue Zugänge zur Normenfrage in der Allgemeinen Didaktik? Vortrag auf dem Workshop „Stand und Perspektiven Allgemeindidaktischer Forschung“. Hildesheim, 2. Mai 2011.

Poster

  • More Goals Possible? Investigating Teachers’ Goal Conflicts. Mit Sinje Brinkmann und Julia Gorges. PaePsy-Tagung der DGP. Leipzig, 10. September 2019.
  • Biprofessional Vorstellung des Gesamtprojekts. Mit Daniel Goldmann, Julia Gorges, Martin Heinrich, Lilian Streblow, Odette Selders und Thomas Walden. Erster Programmkongress der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Berlin, 20. Oktober 2016.
  • Comparing the Concepts of Bildung of Students and Their Parents. Mit Frank Lücker und Mai-Anh Boger. Human Development and Capability Conference. Athen, Griechenland, 3. September 2014.
  • Key Problems and the Good Life. Preliminary Results of a Qualitative Study on Critical Constructive Didactics and the Capabilities Approach. DGfE-Tagung Vergleichende Didaktik und Curriculumforschung: Nationale und internationale Perspektiven. Leipzig, März 2013.



Abgeschlossene Projekte

SchuB - Schulwahl und Bildungsaspiration

  • Übergangskommunikation von Eltern einzuschulender Kinder
  • Segregation und Komposition bei freier Wahl der Grundschule
  • (Qualitative) Mehrebenenanalysen
  • sozialwissenschaftlich-statistischer und qualitativer mixed-methods Ansatz
  • Kooperation mit der Stadt Bielefeld
  • Projektbeteiligte: Annette Textor & Johanna Gold

congo@schools (Forschungsgruppe Zielkonflikte)

  • (De-)Professionalisierung durch schulische Praxisphasen
  • Wahrnehmung von und Umgang mit Zielkonflikten (und Antinomien) angehender Lehrkräfte
  • Kooperation Pädagogische Psychologie und Schulpädagogik
  • hypothesenprüfender und qualitativer methodenintegrativer Ansatz
  • Projektbeteiligte: Julia Gorges, Marburg

HLZ | Herausforderung Lehrer_innenbildung - Zeitschrift zu Konzeption, Gestaltung und Diskussion

  • disziplin- und professionsübergreifendes peer-reviewed Onlinejournal
  • Fokus Lehrkonzepte, Lehrmodule, Arbeitsmaterialien (neben klassischen empirischen und theoretischen Beiträgen)
  • offene Lizensierung durch CC-BY-SA 4.0
  • Gründungungsmitherausgeber (Gründung 2017)
  • (2017-2023) geschäftsführender Herausgeber
  • Info-Flyer

VfL Praxis

Bildung und Befähigung: Eine qualitative Studie zu kritisch-konstruktiver Didaktik und Capabilities Approach

kleinere und ruhende Vorhaben

Tagungsorganisation

Aktuelle Forschungsthemen

Bildung im Feld der Leere

Meine Professur befasst mit dem Verständnis von Bildung als leiblich situiertes Geschehen im Feld der Leere, in dem sich Subjektivität, Weltbezug und Selbstverständnis in reiner Erfahrung jeweils neu konstituieren.
Diese Perspektive verbindet die japanische Kyoto-Schule der Philosophie mit westlicher Phänomenologie, Inklusions- und Professionalisierungsforschung. Sie eröffnet neue Wege, wie wir Lehren und Lernen – und damit auch Lehrkräftebildung – verstehen können.

1. Kyoto-Schule der Philosophie
Reine Erfahrung · Ort · Absolute Nichtsheit
Die Kyoto-Schule (Nishida, Nishitani u. a.) überwindet die westliche Subjekt-Objekt-Dichotomie durch das Konzept der reinen Erfahrung (junsui keiken) – eines Erlebensmodus, in dem Selbst und Welt gleichzeitig entstehen. Der Ort (basho) ist dabei nicht bloß räumlich, sondern der Grund, aus dem Relationen und Bedeutungen hervortreten. Die absolute Nichtsheit (zettai mu) ist nicht nihilistisch, sondern der schöpferische Horizont, in dem jegliche Fixierung aufgehoben wird.
Pädagogisch heißt das: Bildung ist Verortung in einem offenen Feld der Möglichkeit.

2. Selbst-Losigkeit (muga)
Nicht Voraussetzung, sondern Ergebnis · Emergent · Prozessual
Im Unterschied zu westlichen Subjekttheorien versteht die Kyoto-Schule das Selbst nicht als substanzielle Einheit. Das buddhistische Konzept der Selbst-Losigkeit (muga / anātman) besagt: Das Selbst ist leer von fester Essenz und emergiert in relationalen Vollzügen. Selbst-Negation (jiko hitei) ist dann nicht Verlust, sondern Öffnung – die Bedingung dafür, dass sich Menschen in Situationen neu konstituieren können.
Pädagogisch heißt das: Inklusion ist die Schaffung von Situationen, in denen gemeinsame Selbstwerdung möglich wird.

3. Phänomenologie: Leere & Nichts
Unmittelbare Erfahrung · Ermöglichende Leere · Kritik der Überstrukturierung
Während westliche Pädagogik Leere oft als Mangel versteht (leere Zeit = Zeitverschwendung), setzt diese Perspektive Leere als produktiven, ermöglichenden Raum an. Nicht-Wissen, Nicht-Festgelegtheit, Momente der Stille sind nicht Defizite, sondern die Bedingung echten Lernens. Das Konzept ermöglicht eine Kritik der Überakademisierung: Wo bleibt Raum für die Offenheit des Nichts?
Pädagogisch heißt das: Gutes Lehren ist bewusstes Offenhalten von Leerstelllen.

4. Embodied Educational Experience
Leiblichkeit als Welterschließung · Körperwissen · Atmosphären
Lernen ist nicht kognitive Akkumulation, sondern leibliche Transformation. Der Körper ist nicht Vehikel, sondern Ort der Erfahrung und Weltkonstitution. Das bedeutet: Die Stimme einer Lehrkraft, ihre Präsenz im Raum, ihre Gestik – all das prägt Lernumgebungen fundamental. Auch für Schüler*innen mit körperlichen Beeinträchtigungen: Andere Leiblichkeit ist nicht Defizit, sondern anderer Modus der Welterschließung.
Pädagogisch heißt das: Professionell sein heißt, die leibliche Erfahrung des Anderen zu ermöglichen.