Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Bildungstheorie
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Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Bildungstheorie
Bildung im Feld der Leere
Meine Professur befasst mit dem Verständnis von Bildung als leiblich situiertes Geschehen im Feld der Leere, in dem sich Subjektivität, Weltbezug und Selbstverständnis in reiner Erfahrung jeweils neu konstituieren.
Diese Perspektive verbindet die japanische Kyoto-Schule der Philosophie mit westlicher Phänomenologie, Inklusions- und Professionalisierungsforschung. Sie eröffnet neue Wege, wie wir Lehren und Lernen – und damit auch Lehrkräftebildung – verstehen können.
1. Kyoto-Schule der Philosophie
Reine Erfahrung · Ort · Absolute Nichtsheit
Die Kyoto-Schule (Nishida, Nishitani u. a.) überwindet die westliche Subjekt-Objekt-Dichotomie durch das Konzept der reinen Erfahrung (junsui keiken) – eines Erlebensmodus, in dem Selbst und Welt gleichzeitig entstehen. Der Ort (basho) ist dabei nicht bloß räumlich, sondern der Grund, aus dem Relationen und Bedeutungen hervortreten. Die absolute Nichtsheit (zettai mu) ist nicht nihilistisch, sondern der schöpferische Horizont, in dem jegliche Fixierung aufgehoben wird.
Pädagogisch heißt das: Bildung ist Verortung in einem offenen Feld der Möglichkeit.
2. Selbst-Losigkeit (muga)
Nicht Voraussetzung, sondern Ergebnis · Emergent · Prozessual
Im Unterschied zu westlichen Subjekttheorien versteht die Kyoto-Schule das Selbst nicht als substanzielle Einheit. Das buddhistische Konzept der Selbst-Losigkeit (muga / anātman) besagt: Das Selbst ist leer von fester Essenz und emergiert in relationalen Vollzügen. Selbst-Negation (jiko hitei) ist dann nicht Verlust, sondern Öffnung – die Bedingung dafür, dass sich Menschen in Situationen neu konstituieren können.
Pädagogisch heißt das: Inklusion ist die Schaffung von Situationen, in denen gemeinsame Selbstwerdung möglich wird.
3. Phänomenologie: Leere & Nichts
Unmittelbare Erfahrung · Ermöglichende Leere · Kritik der Überstrukturierung
Während westliche Pädagogik Leere oft als Mangel versteht (leere Zeit = Zeitverschwendung), setzt diese Perspektive Leere als produktiven, ermöglichenden Raum an. Nicht-Wissen, Nicht-Festgelegtheit, Momente der Stille sind nicht Defizite, sondern die Bedingung echten Lernens. Das Konzept ermöglicht eine Kritik der Überakademisierung: Wo bleibt Raum für die Offenheit des Nichts?
Pädagogisch heißt das: Gutes Lehren ist bewusstes Offenhalten von Leerstelllen.
4. Embodied Educational Experience
Leiblichkeit als Welterschließung · Körperwissen · Atmosphären
Lernen ist nicht kognitive Akkumulation, sondern leibliche Transformation. Der Körper ist nicht Vehikel, sondern Ort der Erfahrung und Weltkonstitution. Das bedeutet: Die Stimme einer Lehrkraft, ihre Präsenz im Raum, ihre Gestik – all das prägt Lernumgebungen fundamental. Auch für Schüler*innen mit körperlichen Beeinträchtigungen: Andere Leiblichkeit ist nicht Defizit, sondern anderer Modus der Welterschließung.
Pädagogisch heißt das: 'Professionell sein heißt, die leibliche Erfahrung des Anderen zu ermöglichen.
Poster
SchuB - Schulwahl und Bildungsaspiration
congo@schools (Forschungsgruppe Zielkonflikte)
HLZ | Herausforderung Lehrer_innenbildung - Zeitschrift zu Konzeption, Gestaltung und Diskussion
VfL Praxis
Bildung und Befähigung: Eine qualitative Studie zu kritisch-konstruktiver Didaktik und Capabilities Approach
kleinere und ruhende Vorhaben
Tagungsorganisation
Bildung im Feld der Leere
Meine Professur befasst mit dem Verständnis von Bildung als leiblich situiertes Geschehen im Feld der Leere, in dem sich Subjektivität, Weltbezug und Selbstverständnis in reiner Erfahrung jeweils neu konstituieren.
Diese Perspektive verbindet die japanische Kyoto-Schule der Philosophie mit westlicher Phänomenologie, Inklusions- und Professionalisierungsforschung. Sie eröffnet neue Wege, wie wir Lehren und Lernen – und damit auch Lehrkräftebildung – verstehen können.
1. Kyoto-Schule der Philosophie
Reine Erfahrung · Ort · Absolute Nichtsheit
Die Kyoto-Schule (Nishida, Nishitani u. a.) überwindet die westliche Subjekt-Objekt-Dichotomie durch das Konzept der reinen Erfahrung (junsui keiken) – eines Erlebensmodus, in dem Selbst und Welt gleichzeitig entstehen. Der Ort (basho) ist dabei nicht bloß räumlich, sondern der Grund, aus dem Relationen und Bedeutungen hervortreten. Die absolute Nichtsheit (zettai mu) ist nicht nihilistisch, sondern der schöpferische Horizont, in dem jegliche Fixierung aufgehoben wird.
Pädagogisch heißt das: Bildung ist Verortung in einem offenen Feld der Möglichkeit.
2. Selbst-Losigkeit (muga)
Nicht Voraussetzung, sondern Ergebnis · Emergent · Prozessual
Im Unterschied zu westlichen Subjekttheorien versteht die Kyoto-Schule das Selbst nicht als substanzielle Einheit. Das buddhistische Konzept der Selbst-Losigkeit (muga / anātman) besagt: Das Selbst ist leer von fester Essenz und emergiert in relationalen Vollzügen. Selbst-Negation (jiko hitei) ist dann nicht Verlust, sondern Öffnung – die Bedingung dafür, dass sich Menschen in Situationen neu konstituieren können.
Pädagogisch heißt das: Inklusion ist die Schaffung von Situationen, in denen gemeinsame Selbstwerdung möglich wird.
3. Phänomenologie: Leere & Nichts
Unmittelbare Erfahrung · Ermöglichende Leere · Kritik der Überstrukturierung
Während westliche Pädagogik Leere oft als Mangel versteht (leere Zeit = Zeitverschwendung), setzt diese Perspektive Leere als produktiven, ermöglichenden Raum an. Nicht-Wissen, Nicht-Festgelegtheit, Momente der Stille sind nicht Defizite, sondern die Bedingung echten Lernens. Das Konzept ermöglicht eine Kritik der Überakademisierung: Wo bleibt Raum für die Offenheit des Nichts?
Pädagogisch heißt das: Gutes Lehren ist bewusstes Offenhalten von Leerstelllen.
4. Embodied Educational Experience
Leiblichkeit als Welterschließung · Körperwissen · Atmosphären
Lernen ist nicht kognitive Akkumulation, sondern leibliche Transformation. Der Körper ist nicht Vehikel, sondern Ort der Erfahrung und Weltkonstitution. Das bedeutet: Die Stimme einer Lehrkraft, ihre Präsenz im Raum, ihre Gestik – all das prägt Lernumgebungen fundamental. Auch für Schüler*innen mit körperlichen Beeinträchtigungen: Andere Leiblichkeit ist nicht Defizit, sondern anderer Modus der Welterschließung.
Pädagogisch heißt das: Professionell sein heißt, die leibliche Erfahrung des Anderen zu ermöglichen.