Mit einer umfassenden Ausstellung rückte das Berliner Brücke-Museum 2025 die südafrikanisch-deutsche Künstlerin Irma Stern (1894–1966) erneut in den Fokus. Während Stern in Südafrika seit Langem zu den bedeutendsten Vertreter*innen der Moderne zählt, ist ihr Werk in Deutschland bis heute vergleichsweise wenig präsent. Dabei war sie in den 1920er-Jahren fester Bestandteil der Berliner Kunstszene: Nach ihrem Studium in Weimar und Berlin wurden ihre farbintensiven Landschaften und Porträts in renommierten Galerien ausgestellt. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Novembergruppe und war mit dem Brücke-Künstler Max Pechstein eng verbunden. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde diese Entwicklung jäh unterbrochen. Als Jüdin war Stern Verfolgung ausgesetzt; ihre expressionistischen Arbeiten wurden als „entartet“ diffamiert und aus dem deutschen Kunstbetrieb verdrängt.
Irma Sterns Werk lässt sich nicht auf eine einzige Perspektive reduzieren. Es ist vielmehr von unterschiedlichen, teils widersprüchlichen historischen Positionierungen geprägt. Als Künstlerin behauptete sie sich in einem von Männern dominierten Kunstbetrieb, als Jüdin erlebte sie Ausgrenzung und Antisemitismus. Zugleich bewegte sie sich als weiße Südafrikanerin innerhalb kolonialer und später apartheidgeprägter Machtverhältnisse. Ihr Werk wirft daher Fragen nach kolonialen Blickregimen, Repräsentation und kultureller Aneignung auf. Gerade diese Spannungsfelder machen es für eine intersektionale Analyse besonders interessant.
Im Seminar werden wir zentrale Ansätze der Intersektionalitätsforschung kennenlernen und auf Sterns Œuvre anwenden. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der queer-feministischen Intervention des südafrikanischen Künstlers Athi-Patra Ruga, der Sterns Werk aus einer zeitgenössischen Perspektive kritisch neu befragt. Geplant ist außerdem ein Gespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Irene Below über die Berliner Ausstellung, ihre Konzeption und die öffentliche Rezeption.
Die Übung verbindet die Einführung in intersektionale Theorieansätze mit der Analyse eines exemplarischen Œuvres und lädt dazu ein, die eigene Perspektive auf Kunst und Geschichte kritisch zu reflektieren.
Ausst.-Kat. Irma Stern (2025), hrsg. v. Lisa Schmidt, Brücke-Museum Berlin, München: Hirmer.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Di | 12-14 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 22-BKG-MTM Theories and Methods of Art History and Historical Images Studies | Übung zu Methoden der Bild- und Kunstgeschichte | Study requirement
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Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.