In der Lehrer*innenbildung und in Schule blicken wir mit fachlich, wissenschaftlicher Perspektive auf “Schulstoff” der im Lehrplan gesetzt, in Fachdidaktiken vorbereitet und im Unterricht vermittelt werden soll. Was im Unterricht erzählt wird, ist etwas “da draußen” das von unbekannten Wissenschaftler*innen erforscht, von unbekannten Lehrplanautor*innen festgeschrieben und von zumindest ambivalent handelnden Lehrer*innen übermittelt wird.
Demgegnüber soll in diesem Seminar aber mit der inneren - der immanenten – Sicht von Studierenden und Schüler*innen gearbeitet werden. Es geht um nichts Geringeres als darum “sich seine eigene Geschichte zu machen: gleichsam fiktional die Geschichte zu fabrizieren”1 Dabei wird die persönliche und die kollektive Handlungsfähigkeit lernender Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Zu erlernende Phänomene sollten erfahren werden, also sowohl rational als auch affektiv -also die hervorgerufenen Gefühle aufgreifend – die eigenen Potenziale stärken.2
Aus dieser Sicht brauchen Studierende und Schüler*innen unter anderem eine Vorstellung von ihrer Zukunft und jener der anderen. Es geht um ein ‘woher komme ich und wohin gehe ich’, weil diese Frage “imaginativ arbeitet, das heißt, dass sie das Imaginäre handlungsmächtig macht”3.
Ja, es geht um Aufklärung; nicht um es als “Plastikwort”4 schnell mal in einen Lehrplan geschrieben zu haben, sondern um in Studium und Schule eine Handlungsmächtigkeit zu erfahren, “in der sich der Mensch als Ursache nur von ihm abhängende Handlungen erfährt”5.
In dem Seminar wandern wir durch die Bilder-Welt von Jan Vermeer (bekannt durch das “Mädchen mit dem Perlenohrring”) und die alternative - vor Kant geschriebene - Aufklǎrung von Baruch Spinoza, um mit Hilfe beider die heutigen Methoden der Szenarientechnik, des Psychodramas, kompetenzbasierter Aufgabenstellungen u.a. neu zu erfahren.
In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/studium-und-lehre/studiendekanat/studienorganisation/platzvergabe/
1 … Foucault, Michel (1992). Was ist Kritik? Berlin: Merve. S. 26
2 … Saar, Martin (2013). Die Immanenz der Macht Politische Theorie nach Spinoza. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. S. 25
3 … Hippler, Thomas (2012). Genealogie und immanente Kritik. Überlegungen im Anschluss an Foucault und Spinoza. In: Isabell Lorey, Roberto Nigro, Gerald Raunig (Hg.) Inventionen 2 Exodus. Reale Demokratie. Immanenz. Territorium. Maßlose Differenz. Biopolitik. Zürich: Diaphanes, S. 132.
4 … Ludwig A. Pongratz, Ludwig A. (2010) Kritische Erwachsenenbildung. Analysen und Anstöße. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 23.
5 … Sanders, Olaf (2007). Spinozas Ethik, das Anomal, die Multitude und die Bildungsgerechtigkeit. In: Michael Wimmer, Roland Reichenbach & Ludwig Pongratz (Hrsg.) Gerechtigkeit und Bildung. Paderborn: Schöningh, S. 85
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 8-10 | 12.10.2026-05.02.2027 |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.