In dieser Lehrforschung setzen wir uns aus einer postmigrantischen Perspektive mit der Stadt Bielefeld auseinander. Der Begriff der „postmigrantischen Gesellschaft“ (Naika Foroutan) beschreibt Gesellschaften, in denen Migration zu einem dauerhaften Strukturmerkmal geworden ist und Fragen von Zugehörigkeit, Gleichheit und demokratischer Teilhabe neu ausgehandelt werden. Zu den Kernaspekten gehören die Kritik an der traditionellen Migrationsforschung und der Fokussierung auf die "Migrantensicht", die Betonung der Vielfalt und der Heterogenität sowie die Analyse von Machtverhältnissen und Herrschaftsstrukturen in postmigrantischen Gesellschaften.
Diese Perspektive nehmen wir auf, um eine postmigrantische Lesart der gegenwärtigen (Stadt)Gesellschaft zu ermöglichen. Wenn das zentrale Versprechen pluraler Demokratie, wie Foroutan es beschreibt, in der Aushandlung und Anerkennung von Gleichheit besteht, dann möchten wir den Blick auf diese Aushandlungsprozesse richten. Wer ist in welcher Weise an der Aushandlung der Grundlagen des Zusammenlebens im sozialen Raum einer translokal gedachten Bielefelder Stadtgesellschaft beteiligt? Welche unterschiedlichen Wissensbestände, Interpretationen und Praktiken des Alltagslebens werden sichtbar? Und wie hängen diese mit strukturellen Ein- und Ausschlüssen zusammen?
Im ersten Teil der Lehrforschung machen Sie sich mit den Grundlagen der postmigrantischen Gesellschaftsforschung vertraut. Ein besonderer Fokus liegt auf intersektionalen und feministischen Perspektiven, die sichtbar machen, wie Migration mit Geschlecht, Klasse, Religion, Generation, Staatsangehörigkeit und anderen Ungleichheitsdimensionen verschränkt ist. Zudem lernen Sie ausgewählte Methoden kennen, die in diesem Feld (häufig in Verbindung) zum Einsatz kommen, insbesondere ethnografische Forschung, Biographieforschung und Diskursanalyse.
Im zweiten Teil der Lehrforschung erarbeiten Sie (bevorzugt in Kleingruppen) kleine Forschungsvorhaben. Dafür wählen Sie einen sozialen Raum der Stadtgesellschaft aus, formulieren eine konkrete Fragestellung, schaffen sich einen Zugang und erheben und analysieren Daten. Die Lehrforschung fügt sich in ein bestehendes Projekt ein, daher bestehen zu einigen sozialen Räumen bereits Zugänge und es liegen biographische Interviews vor, die analysiert und durch weitere Datenerhebungen und -analysen kontextualisiert werden können. Denkbar wären neben der Interviewanalyse ein ethnografischer Zugang anhand von Partizipation an Projekten oder Alltagspraxen, eine historische Kontextualisierung sowie diskurstheoretische Untersuchung des jeweiligen Raumes mittels der Analyse von Plakaten, Werbung, Medienberichten, Archivbeständen u.v.m. Das genaue Vorgehen stimmen wir gemeinsam entsprechend der Interessen und Bedarfe der Teilnehmenden ab.
Insgesamt dient die Lehrforschung dazu, Sie beim Prozess der Durchführung einer eigenen Forschung – in allen Phasen vom Forschungsdesign über die Datenerhebung zur Auswertung und Darstellung von Ergebnissen – zu unterstützen.
Die Veranstaltung ist mit 4 LVS angesetzt. Diese setzen sich zusammen aus wöchentlichen Sitzungen à 2 LVS sowie einem Blocktermin als Forschungswerkstatt zur gemeinsamen Analyse erhobener Daten im Januar. Die Lehrforschung ist grundsätzlich im Präsenzformat geplant. Ggf. werden aus didaktischen bzw. forschungspraktischen Gründen einzelne Sitzungen synchron hybrid bzw. asynchron durchgeführt.
Voraussetzung sind solide Grundkenntnisse der qualitativen Methoden empirischer Sozialforschung. Kenntnisse im Feld der Migrationsforschung sind von Vorteil, aber nicht zwingend. Erwartet wird die Bereitschaft, sich in deutsch- und englischsprachige Texte einzuarbeiten sowie die Motivation, eine eigenständige Forschungsarbeit zu konzeptionieren und durchzuführen.
Als Prüfungsleistung wird ein Lehrforschungsbericht mit einem Umfang von ca. 20-25 Seiten verfasst.
Voraussetzung sind solide Grundkenntnisse der qualitativen Methoden empirischer Sozialforschung. Kenntnisse im Feld der Migrationsforschung sind von Vorteil, aber nicht zwingend. Erwartet wird die Bereitschaft, sich in deutsch- und englischsprachige Texte einzuarbeiten sowie die Motivation, eine eigenständige Forschungsarbeit zu konzeptionieren und durchzuführen.
Kleine Auswahl zum Einlesen:
Berner, Heiko und Erol Yildiz. 2020. "Postmigrantische Stadt: Eine neue Topographie des Möglichen". Stand, Herausforderungen und Perspektiven der Migrationsforschung / Zeitschrift für Migrationsforschung – Journal of Migration Research 2020 1 (1): 243–264.
Foroutan, Naika. 2019. Die postmigrantische Gesellschaft: Ein Versprechen der pluralen Demokratie. Bielefeld: transcript.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 10-14 | X-E1-203 | 15.10.2026-04.02.2027 | |
| einmalig | Fr | 10-18 | B2-206 | 15.01.2027 | |
| einmalig | Sa | 10-18 | B2-206 | 16.01.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 30-M-Soz-M9_LF1 Lehrforschung in Geschlechtersoziologie | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-MGS-6b Angewandte Geschlechterforschung - Lehrforschung | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | unbenotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.