Seit den Anfängen des Kinos dienen Stoffe aus der griechischen Mythologie und Geschichte als Projektionsfläche für heroische Erzählungen, existenzielle Konflikte und bildmächtige Spektakel. Während der römische Antikenfilm bis heute von Kaisern, Dekadenz und imperialer Machtpolitik geprägt ist, entfaltet sich das griechische Altertum auf der Leinwand häufig in einer anderen Tonlage: weniger Senat und Staatsräson, weniger „Brot und Spiele“, dafür Heroen, Orakel und Götter, die sichtbar oder unsichtbar in das Schicksal der Menschen eingreifen. Zwischen Troja und Thermopylen, zwischen Olymp und Unterwelt kämpfen Einzelne – mit und ohne göttliche Hilfe – gegen Monster, Medusen und das eigene Verhängnis. Das Griechische erscheint im Film daher oft mythischer, archaischer, stärker im Bereich des Fantastischen verortet als das römische, das sich leichter als politischer Kommentar zur Gegenwart lesen lässt.
Wie schon beim römischen Antikenfilm soll es im Seminar nicht darum gehen, filmische Darstellungen auf ihre faktische „Richtigkeit“ zu reduzieren. Entscheidender ist die Frage, mit welchen narratologischen und ästhetischen Mitteln Filme Authentizität erzeugen: durch Pathosformeln, ikonische Bildkompositionen, archaisierende Sprache oder die Inszenierung göttlicher Präsenz. Warum dominieren zu bestimmten Zeiten düstere, „realistische“ Kriegsbilder, während andere Produktionen bewusst ins Märchenhafte oder Comicartige ausgreifen? Welche Vorstellungen von Männlichkeit, Heldentum, Polis und „dem Westen“ werden dabei transportiert?
Vor diesem Hintergrund werden wir auch diskutieren, wie sich aktuelle Großproduktionen – etwa die neue Odyssee-Verfilmung von Christopher Nolan – in diese Tradition einordnen lassen. Inwiefern greift er narrative Muster der klassischen Heldenreise auf, inwiefern bricht er sie? Und welche Bilder des antiken Griechenlands – als Wiege der Demokratie, als Raum archaischer Gewalt, als mythisch aufgeladene Landschaft – werden hier für ein gegenwärtiges Publikum neu entworfen? Das Seminar versteht sich somit als Beitrag zur Rezeptionsgeschichte der griechischen Antike im Medium Film. Gemeinsam wollen wir untersuchen, wie sich Mythos und Geschichte, Fantasy und Historiographie, Spektakel und Selbstvergewisserung verschränken – und was diese filmischen Griechenbilder über die Gegenwart verraten, in der sie entstehen.
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M. Korenjak / K. Töchterle (Hg.): Pontes II. Antike im Film, Innsbruck u.a. 2002.
M. Meier / S. Slanicka (Hg.): Antike und Mittelalter im Film. Konstruktion - Dokumentation - Projektion, Köln u.a. 2007.
M. Lindner (Hg.): Drehbuch Geschichte. Die antike Welt im Film, Münster / Hamburg / Berlin / London 2005
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 12-14 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 22-2.2_a Methodikmodul Methodikmodul | Grundseminar Methodik | Studienleistung
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Studieninformation |
| 22-2.4_a Fachdidaktisches Methodikmodul Fachdidaktisches Methodikmodul | Grundseminar Methodik | Studienleistung
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Studieninformation |
| 22-2.7 Digital History Digital History | Grundseminar Methodik | Studienleistung
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Studieninformation |
| 23-LAT-LatPM2 Antike und Europa Antike und Europa | Themen-Pool (Bildungskonzepte, Wertvorstellungen, Verhaltensnormen, Medien, Rezeption etc.) | Studieninformation | |
| 23-LIT-PM2 Profilmodul 2: Literatur und Medien Profilmodul 2: Literatur und Medien | Literatur und Medien (1) | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
| Literatur und Medien (2) | Studienleistung
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Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
Für die LateinerInnen:
- regelmäßige Teilnahme und evt. Übernahme eines Kurzreferats o.ä.
Für die HistorikerInnen:
- Studienleistung
Für die LiteraturwissenschatlerInnen:
- Studienleistung
- mögliche Prüfungsleistungen: Hausarbeit; Referat mit Ausarbeitung