Die Objektive Hermeneutik zielt darauf, latente Sinnstrukturen von „Texten“ (Interviews, Interaktionsprotokolle, Briefe, Fallakten usw.) zu rekonstruieren. Als Methodologie verbindet sie theoretische Positionen u. a. aus der Sprechakttheorie, dem amerikanischen Pragmatismus und dem französischen Strukturalismus. Sie wurde ausgehend von konkreten Anliegen der Forschung entwickelt. Ursprünglich ging es darum, Eltern-Kind-Interaktionen zu untersuchen, um zu verstehen, wie Erziehungsstile, Sprachverhalten und Schulerfolg zusammenhängen. Heute wird sie auf ein breites Spektrum sozialwissenschaftlicher Themen angewendet. Das Seminar führt in die methodologischen Grundlagen und die Forschungspraxis der Objektiven Hermeneutik als Methode der interpretativen Sozialwissenschaften ein. Auf Grundlage von Primärtexten werden wir über zentrale theoretische Positionen diskutieren. Die Studierenden werden die Prinzipien der Sequenzanalyse einüben und den Ablauf einer Fallrekonstruktion kennenlernen. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit folgenden Fragen: Wie bestimmt man den Fall? Wie entwickelt man „Lesarten“ zu einer Interviewsequenz? Wie kommt man zu einer „Fallstrukturhypothese“? Hierfür nutzen wir Datenmaterial, anhand dessen die Studierenden die Methode erproben können. Schließlich erhalten sie die Gelegenheit, das Erlernte auf eigene Themen und Fragestellungen (u. a. in Vorbereitung auf eine Abschlussarbeit) zu übertragen. Das Seminar soll den Studierenden insgesamt einen reflexiven Umgang mit der Objektiven Hermeneutik vermitteln.
Erhard, Franz; Sammet, Kornelia (Hrsg.) (2018): Sequenzanalyse praktisch. Weinheim: Beltz.
Franzmann, Andreas; Rychner, Marianne; Scheid, Claudia; Twardella, Johannes (Hrsg.) (2023): Objektive Hermeneutik. Handbuch zur Methodik in ihren Anwendungsfeldern. Opladen, Toronto: B. Budrich.
Maiwald, Kai-Olaf (2013): Der mikroskopische Blick. Rekonstruktion in der Objektiven Hermeneutik. In: Sozialer Sinn 2/2013, S. 185-209.
Oevermann, Ulrich (1981): Fallrekonstruktionen und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik. Unveröffentlichtes Manuskript. Wiederabgedruckt in: Franzmann, Andreas;
Rychner, Marianne; Scheid, Claudia; Twardella, Johannes (Hg.) (2023): Objektive Hermeneutik. Handbuch zur Methodik in ihren Anwendungsfeldern. Opladen, Toronto: B. Budrich, S. 47-82.
Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2021): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. 5. überarb. und erw. Aufl. München: Oldenbourg.
Schiek, Daniela (2024): Methoden der qualitativen Sozialforschung. Bielefeld: Transcript.
Wernet, Andreas (2009): Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik. 3. Aufl. Wiesbaden: Springer VS.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| einmalig | Fr | 10-12 | U5-133 | 23.10.2026 | |
| einmalig | Fr | 10-18 | V2-135 | 20.11.2026 | |
| einmalig | Fr | 10-18 | U5-133 | 04.12.2026 | |
| einmalig | Fr | 10-18 | U5-133 | 08.01.2027 | |
| einmalig | Fr | 10-18 | U2-228 | 22.01.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 30-M-Soz-M3a Soziologische Methoden a | Seminar 1 | Studienleistung
|
Studieninformation |
| Seminar 2 | Studienleistung
|
Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M3b Soziologische Methoden b | Seminar 1 | Studienleistung
|
Studieninformation |
| Seminar 2 | Studienleistung
|
Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M3c Soziologische Methoden c | Seminar 1 | Studienleistung
|
Studieninformation |
| Seminar 2 | Studienleistung
|
Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
Voraussetzung für die Vergabe der Creditpoints sind:
• Die Anwesenheit und aktive Teilnahme zu den Seminarblöcken, inkl. Lektüre der Seminartexte, und
• Für einen Studiennachweis (unbenotet): Drei kleine schriftliche Übungsaufgaben zu den Seminarblöcken I bis III (abzugeben jeweils eine Woche nach dem jeweiligen Seminarblock).
• Für einen Leistungsnachweis (benotet): Hausarbeit (Abgabe 31.03.2026). Die Hausarbeit enthält eine methodologische Reflexion zu einem selbst gewählten Schwerpunkt und eine vertiefende Ausarbeitung der Interpretation.