"Wie" jemand spricht, aber auch "ob" jemand überhaupt eine Stimme hat, ist in literarischen Texten ein ausschlaggebender Faktor von Handlung und Darstellung: Um die Ausgestaltung von kommunikativem Handeln kommt also letztlich keine Poetik herum. In unserem Seminar fragen wir nach der Geschichte des „kommunikativen Handelns“ als einer Geschichte von Selbstwirksamkeit und Teilhabe. Gegenstand sind Texte der sogenannten "Volksaufklärung" des 19. Jahrhunderts – ein Zeitalter, in dem sich die 'öffentliche Meinung' als Phänomen der Aufklärung (vgl. Habermas’ Strukturwandel der Öffentlichkeit) breit durchsetzt. Mündlichkeit gilt hier (im Unterschied zur Schriftlichkeit der Gesetze und Obrigkeit) als 'Sprache der Nähe', als Brücke der Gebildeten zum Volk und als Mittel der Bildung selbst. Im Kontext der durchgreifenden sozialen, pädagogischen und politischen Transformationen des 19. Jahrhunderts fragen wir nach dem emanzipatorischen, teils aber auch konservativen, Impetus von Dorfgeschichten, Frauen- und Hausmütterliteratur, von Zeitschriften und Wochenblättern.
Ausgangspunkt ist, dass die untersuchten Texte fiktionale Welten entwerfen, in denen Figuren 'mit Leib und Seele' im Alltag handeln. Das Figurenhandeln ist also räumlich und sozial oft ganz spezifisch verortet, wird zugleich aber sprachkünstlerisch gestaltet und stilisiert --- es ist symbolisch aufgeladen und trägt oftmals sogar eine (latente) politische Botschaft. Welche Rolle spielt hier der angenommene Gegensatz zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit? Wie steht es um die Stilisierung der Mündlichkeit, als 'Sprache der Nähe', die wir in anderer Form aus der Begeisterung für die Volksliteratur der Romantik kennen?
Wir beleuchten in der Analyse ausgewählter Texte wie das kommunikative Handeln von Figuren wie Köchin, Knecht, Besenbinder und Bäuerin, aber auch Lehrer, Pfarrer, Polizist und Amtmann, sowie Baronin und Reisendem auf Utopien einer ‚klassenlosen Bürgergesellschaft‘ der Zukunft (Kant), auf die 'Stunde des Volks' (Auerbach) bezogen waren --- oder auch (intersektionale) Machtpraktiken (eines aufgeklärten Absolutismus) reproduzieren halfen.
Um eine Vorstellung darüber zu rekonstruieren, wer historisch eigentlich mit wem wie kommuniziert hat, unterfüttern wir unsere Textanalysen mit Erkenntnissen aus (historischer) Linguistik und Geschichtswissenschaft.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
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| weekly | Di | 14-16 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Module | Course | Requirements | |
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| 23-GER-BasLit Basic Module Literary Studies: Historical Aspects of Literature: Eras and Transitions From One to Another | Seminar zur deutschen Literaturgeschichte | Study requirement
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Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.
| Degree programme/academic programme | Validity | Variant | Subdivision | Status | Semester | LP | |
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| Studieren ab 50 |