230136 Um 1800: Dem Volk aufs Maul geschaut? Sprechen und Handeln in der literarischen Volksaufklärung (S) (WiSe 2026/2027)

Inhalt, Kommentar

"Wie" jemand spricht, aber auch "ob" jemand überhaupt eine Stimme hat, ist in literarischen Texten ein ausschlaggebender Faktor von Handlung und Darstellung: Um die Ausgestaltung von kommunikativem Handeln kommt also letztlich keine Poetik herum. In unserem Seminar fragen wir nach der Geschichte des „kommunikativen Handelns“ als einer Geschichte von Selbstwirksamkeit und Teilhabe. Gegenstand sind Texte der sogenannten "Volksaufklärung" des 19. Jahrhunderts – ein Zeitalter, in dem sich die 'öffentliche Meinung' als Phänomen der Aufklärung (vgl. Habermas’ Strukturwandel der Öffentlichkeit) breit durchsetzt. Mündlichkeit gilt hier (im Unterschied zur Schriftlichkeit der Gesetze und Obrigkeit) als 'Sprache der Nähe', als Brücke der Gebildeten zum Volk und als Mittel der Bildung selbst. Im Kontext der durchgreifenden sozialen, pädagogischen und politischen Transformationen des 19. Jahrhunderts fragen wir nach dem emanzipatorischen, teils aber auch konservativen, Impetus von Dorfgeschichten, Frauen- und Hausmütterliteratur, von Zeitschriften und Wochenblättern.

Ausgangspunkt ist, dass die untersuchten Texte fiktionale Welten entwerfen, in denen Figuren 'mit Leib und Seele' im Alltag handeln. Das Figurenhandeln ist also räumlich und sozial oft ganz spezifisch verortet, wird zugleich aber sprachkünstlerisch gestaltet und stilisiert --- es ist symbolisch aufgeladen und trägt oftmals sogar eine (latente) politische Botschaft. Welche Rolle spielt hier der angenommene Gegensatz zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit? Wie steht es um die Stilisierung der Mündlichkeit, als 'Sprache der Nähe', die wir in anderer Form aus der Begeisterung für die Volksliteratur der Romantik kennen?

Wir beleuchten in der Analyse ausgewählter Texte wie das kommunikative Handeln von Figuren wie Köchin, Knecht, Besenbinder und Bäuerin, aber auch Lehrer, Pfarrer, Polizist und Amtmann, sowie Baronin und Reisendem auf Utopien einer ‚klassenlosen Bürgergesellschaft‘ der Zukunft (Kant), auf die 'Stunde des Volks' (Auerbach) bezogen waren --- oder auch (intersektionale) Machtpraktiken (eines aufgeklärten Absolutismus) reproduzieren halfen.

Um eine Vorstellung darüber zu rekonstruieren, wer historisch eigentlich mit wem wie kommuniziert hat, unterfüttern wir unsere Textanalysen mit Erkenntnissen aus (historischer) Linguistik und Geschichtswissenschaft.

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Di 14-16   12.10.2026-05.02.2027

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
23-GER-BasLit Basismodul Literaturwissenschaft: Historische Aspekte der Literatur: Epochen und Epochenumbrüche Seminar zur deutschen Literaturgeschichte Studienleistung
Studieninformation

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Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Studieren ab 50    

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Kein E-Learningangebot vorhanden
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Hinweise:
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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Freitag, 24. April 2026 
Letzte Änderung Zeiten:
Freitag, 24. April 2026 
Letzte Änderung Räume:
Freitag, 24. April 2026 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
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