Das Seminar ist im Forschungsfeld der sogenannten Migrationslinguistik verortet, einer relativ neuen Disziplin, die Methoden der Soziolinguistik und der neueren Sprachkontaktforschung miteinander verbindet, indem diese häufig an den Schnittstellen zu benachbarten Disziplinen wie Politikwissenschaft, Soziologie, Ökonomie oder Psychologie behandelt werden. Ohne migrationsbezogene Prozesse vom sog. Global South in den Global North aus komparativer Perspektive auszublenden, liegt der Schwerpunkt des Seminars auf den linguistischen Aspekten von Migrationsbewegungen innerhalb des Globalen Südens.
Diese Migrationsprozesse sind häufig gekennzeichnet von einem hohen Maß an Mehrsprachigkeit – sowohl in den Aufnahmeländern als auch in den Herkunftsländern, wobei dort der aktive Gebrauch offizieller (ursprünglich europäischer) Sprachen nicht selten einen ausgeprägt elitistischen Charakter aufweist. Hinzu kommen politische Grenzen kolonialen Ursprungs, die oftmals relativ durchlässig sind und nicht mit sprachlichen Grenzen korrespondieren, sowie sprachideologische Faktoren, die sich aus der möglichen Wahrnehmung des Aufnahmelandes als nicht notwendigerweise endgültigem Aufenthaltsort ergeben (etwa bei fortbestehenden Migrationsaspirationen in Richtung des Global North).
Neben der Berücksichtigung ökologischer Druckfaktoren (einschließlich gesellschaftlicher Faktoren), die die Entwicklung sprachlicher Repertoires bestimmen – etwa hinsichtlich funktionaler Differenzierungen, symbolischer Zuschreibungen von Sprachen oder ihrer (Nicht-)Weitergabe an nachfolgende Generationen –, widmet sich das Seminar auch den strukturellen Manifestationen der gemeinsamen Verwaltung multilingualer Repertoires, insbesondere Hybridisierungsprozessen, die über klassisches Code-Switching hinausgehen.
Methodisch arbeitet das Seminar sowohl mit Sekundärliteratur als auch mit authentischen Sprachdaten aus der Feldforschung, u. a. zu Haitianer:innen in Brasilien (intraamerikanische Migration), Kongoles:innen in Angola (intraafrikanische Migration) sowie Filipin:innen in Malaysia (intraasiatische Migration). Im Fokus stehen dabei überwiegend Migrationsszenarien, in denen romanische Sprachen (Französisch, Portugiesisch, Spanisch) entweder im Herkunftsland oder im Aufnahmeland zumindest eine gewisse Rolle spielen.
Notwendig sind Abiturkenntnisse in Deutsch (insbesondere zum wissenschaftlichen Arbeiten). Zum Auffrischen seien empfohlen:
Rehborn, Angelika (2015): Brückenkurs Wissenschaftliches Arbeiten: Was Sie vor Vorlesungsbeginn wissen sollten, Konstanz: UVK / München: UVK/Lucius (UTB 4332).
Stadler, Hermann (Hrsg.) (2006): Fischer-Kolleg Abiturwissen: Deutsch, 2. Aufl., Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch (Fischer Sachbücher 15603) insbesondere 37-62, 150-191 und 254-277.
Vorausgesetzt in der Romanistik wird ein sicherer Umgang mit Grundfakten und -begriffen sowie mit Methoden und Theorien der Sprachwissenschaft, wie sie im Basismodul Sprachwissenschaft (erfolgreich abgeschlossenes Modul 23-ROM-A2_a) vermittelt werden. Ebenfalls vorausgesetzt werden solide Kenntnisse des Französischen bzw. des Spanischen auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, die es Ihnen erlauben, längere sprachwissenschaftliche Texte in der Fremdsprache mit Verständnis zu lesen und zu diskutieren.
Falls Sie Probleme im Umgang mit wissenschaftlicher Literatur und beim wissenschaftlichen Arbeiten haben, können Sie sich an PunktUm oder an das Schreiblabor wenden.
Catherine Allerton. 2017. Impossible children: illegality and excluded belonging among children of migrants in Sabah, East Malaysia. Journal of Ethnic and Migration Studies.
Blommaert, Jan and Ben Rampton. 2012. Language and Superdiversity. MMG Working Paper 12 (9).
Borlongan, Ariane Macalinga. 2023. Migration Linguistics. A Synopsis. AILA Review 36 (1): 38–63.
Deuchar, Margaret. 2020. Code-Switching in Linguistics: A Position Paper. Languages 5 (2): 22.
Gutiérrez Maté, Miguel. 2024. The multilingual repertoire of the Haitian community in Chapecó (SC, Brazil): Patterns of linguistic evolution in a South–South migration context. Open Linguistics 10.
Koch, Nikolas & Claudia Maria Riehl. 2024. Migrationslinguistik. Eine Einführung. Tübingen: Narr.
Krefeld, Thomas. 2004. Einführung in die Migrationslinguistik. Von der Germania italiana in die Romania multipla. Tübingen: Narr.
Matras, Yaron. 2009. Language Contact. Cambridge: Cambridge University Press.
Mufwene, Salikoko S. 2017. Worldwide Globalization, International Migrations, and the Varying Faces of Multilingualism: Some Historical Perspectives. Tilburg Papers in Culture Studies 174.
Vigouroux, Cécile B. 2018. Toward a Sociolinguistics of Modern Sub-Saharan African South–South Migrations. Oxford Research Encyclopedia of Linguistics. Oxford: Oxford University Press.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
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| wöchentlich | Di | 10-12 | 13.04.-24.07.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
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| 23-LIN-MaTY Language Typology and Language Comparison / Lingüística comparada y tipología de idiomas Language Typology and Language Comparison / Lingüística comparada y tipología de idiomas | Sprachtyopologie und Sprachvergleich | Studienleistung
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Studieninformation |
| Sprachtypologie und Sprachvergleich | Studienleistung
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| Sprachtypologie und Sprachvergleich | Studienleistung
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Studieninformation | |
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| 23-ROM-B2_a Profilmodul Sprachwissenschaft Profilmodul Sprachwissenschaft | Veranstaltung zur Sprachdynamik | Studienleistung
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Studieninformation |
| Vertiefungsveranstaltung zur Sprachbeschreibung oder zur Sprachdynamik mit Lektüreschwerpunkt | benotete Prüfungsleistung
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Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
S. Modulhandbuch