Für das Christentum in Europa brach nach der Französischen Revolution und den napoleonischen Kriegen 1815 eine neue Epoche an. Im deutschen Protestantismus entstanden jene großflächigen Landeskirchen, die noch heute das Bild evangelischer Kirche in Deutschland prägen. Diese Kirchenbürokratien sahen sich großen religiösen und sozialen Herausforderungen gegenüber, die sie erst zu bewältigen vermochten, als sie nach 1850 langsam begannen, sich vom Staat zu lösen.
Da war es von Vorteil, dass sich neben den Kirchen zahlreiche freie Initiativen etablierten, in denen die Menschen religiöses Leben und diakonische Hilfe selbst organisierten. Nicht selten kam es zu Reibereien mit den (Kirchen-) Behörden. Der Dualismus blieb bestehen, nachdem Kirche und Staat 1919 die "hinkende Trennung" vollzogen hatten, er drückt sich heute aus in der spannungsreichen Kooperation von Diakonie und verfasster Kirche.
In der Vorlesung wird der Entwicklung der Inneren Mission und der Diakonie im 19. und 20. Jahrhundert nachgegangen. U.a. werden folgende Zusammenhänge thematisiert:
Abschnitt I: Innere Mission und landeskirchlicher Protestantismus 1815 bis 1914/18 - Protoindustrieller Pauperismus, Industrialisierung, Urbanisierung - Innerer Halt und Orientierung dank erwecklicher Frömmigkeit - Die Wiederentdeckung religiöser Genossenschaften im Protestantismus und die Arbeitsreligion der Diakonissen - Innere Mission als Vorbild für die Entstehung der modernen Ortskirchengemeinde
Abschnitt II: Innere Mission und Diakonie 1914/18 bis 1945/48 - Wohlfahrtspflege im 1. Weltkrieg und im ersten deutschen Sozialstaat - Von der Sparpolitik zur rassistischen "Volkwohlfahrt": Weltwirtschaftskrise, Eugenik und NS-Krankenmorde (1931 bis 1945) - Innere Mission und Evangelisches Hilfswerk in der Nachkriegsnot (1945 bis 1948)
Abschnitt III: Diakonie und Kirche nach 1945 - Das Evangelische Hilfswerk als kirchliche Konkurrenz der Inneren Mission - Neuanfang, Restauration, Wiederaufbau (bis ca. 1955) - Wirtschaftswunder, Mitarbeiterkrise und Sozialstaatsentwicklung - Von der Ausdifferenzierung der Dienstleitungsdiakonie bis zur Krise des Sozialstaats im wiedervereinigten Deutschland
Zur Vorbereitung empfehle ich nachdrücklich die Lektüre der beiden ersten Kapitel von Dierk Starnitzke, Diakonie als soziales System, Stuttgart 1996,
sowie die den jüngst nachgedruckten Ausstellungskatalog:
Die Macht der Nächstenliebe. 150 Jahre Innere Mission und Diakonie 1848-1998, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Auftrag des Deutschen Historischen Museums und des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland, hgg. von Ursula Röper und Carola Jülig, Berlin 1998
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Di | 10-13 | KiHo, H 1 | 08.04.-15.07.2008 |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Evangelische Theologie / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | KG Ia; KG II/2a | 3 | |||
| Evangelische Theologie / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | KG Ia; KG II/2a | 3 |