300832 Planetarischer Feminismus und die Rechte der Natur (S) (WiSe 2026/2027)

Inhalt, Kommentar

Die fortschreitende Zerstörung und Verwüstung der Natur hat ein Ausmaß erreicht, durch das immer größere Teile der Erde für Menschen und ihre Mitwelt unbewohnbar werden und ganze Gesellschaften vor tiefgreifenden ökologischen, sozialen und politischen Krisen stehen. Die sozial-ökologische Krise ist dabei untrennbar mit kolonialen, kapitalistischen und patriarchalen Herrschaftsverhältnissen verbunden. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie Formen des Zusammenlebens gedacht werden können, die auf dem Bewusstsein gegenseitiger Abhängigkeit, Fürsorge und ökologischer Gerechtigkeit beruhen.

Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet der planetarische Feminismus. Er verbindet feministische, dekoloniale und ökologische Perspektiven und versteht die Erde nicht als Ressource menschlicher Verfügung, sondern als gemeinsamen Lebensraum vielfältiger menschlicher und nichtmenschlicher Lebensformen. Planetarischer Feminismus kritisiert anthropozentrische, patriarchale und koloniale Denkweisen, die Natur, Körper und marginalisierte Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zu Objekten von Ausbeutung und Beherrschung machen. Stattdessen rückt er Beziehungen, wechselseitige Abhängigkeit und die Verantwortung für das gemeinsame planetarische Zusammenleben in den Mittelpunkt.

An diese Debatten knüpft auch das Zukunftsfestival für planetarische Gerechtigkeit an, das unter dem Motto „Denken. Fühlen. Handeln.“ vom 2.–5. Juli 2026 in Bielefeld stattfindet. Das Seminar greift die dort verhandelten Fragen an der Schnittstelle von politischer Ökologie, feministisch-postkolonialer Theorie sowie Umwelt- und Naturethik auf. Gemeinsam beschäftigen wir uns mit Konzepten des planetarischen Denkens, des kritischen Posthumanismus, des Ökofeminismus und der Dekolonisierung von Mensch-Natur-Beziehungen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Rechten der Natur, die als eine der weitreichendsten Konsequenzen planetarisch-feministischen Denkens verstanden werden können. Das Konzept zählt zu den innovativsten Entwicklungen des internationalen Umweltrechts und eröffnet die Möglichkeit, das westlich geprägte Naturverständnis zu überwinden, das auf einer grundlegenden Trennung von Mensch und Natur beruht. Statt Natur als Objekt menschlicher Nutzung zu begreifen, wird sie als eigenständiges Rechtssubjekt anerkannt, dessen Existenz und Wert unabhängig von menschlichen Interessen schutzwürdig sind.

Diese Entwicklung ist Teil einer globalen Rechtsbewegung, die einen grundlegenden Paradigmenwechsel anstrebt. Wegweisend hierfür sind insbesondere indigene Kosmologien und Rechtsvorstellungen, die Mensch und Natur als untrennbar miteinander verbunden verstehen. Planetarischer Feminismus eröffnet hier die Möglichkeit, unterschiedliche Wissensformen miteinander in einen interkulturellen Dialog zu bringen und zugleich die kolonialen Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren, unter denen Wissen produziert und anerkannt wird.

Weltweit setzen sich inzwischen zahlreiche Initiativen dafür ein, Ökosystemen wie Flüssen und Wäldern oder der Natur als Ganzem eigene Rechte und den Status juristischer Personen zuzuerkennen. Natur erscheint damit nicht länger als bloße Umwelt des Menschen, sondern als Mitwelt, in der Menschen, Tiere, Pflanzen und andere Lebensformen in vielfältigen Beziehungen miteinander verbunden sind. Gemeinsam diskutieren wir theoretische Texte und Fallbeispiele zu Ökosystemen mit eigener Rechtspersönlichkeit, indigenen Kosmologien, planetarischer Klimagerechtigkeit und alternativen Vorstellungen eines Zusammenlebens jenseits anthropozentrischer Weltbilder. Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen: Wie verändert der planetarische Feminismus unser Verständnis von Mensch, Natur und Planet? Welche politischen und rechtlichen Konsequenzen ergeben sich daraus? Was bedeutet es, der Natur eigene Rechte zuzuerkennen? Wer kann diese Rechte vertreten? Welche Rolle spielen indigene Wissensbestände und feministische Theorien für eine sozial-ökologische Transformation? Und welcher gesellschaftliche Wandel ist notwendig, damit planetarische Gerechtigkeit Wirklichkeit werden kann?

Literaturangaben

Werden im Seminar bekannt gegeben.

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Mi 14-16   14.10.2026-03.02.2027

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
30-M11 Vernetzung: Sozialwissenschaftliche Nachbardisziplinen Seminar Studienleistung
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- benotete Prüfungsleistung Studieninformation
30-M26 Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse Einführung (Seminar 1) Studienleistung
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Vertiefung (Seminar 2) Studienleistung
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- benotete Prüfungsleistung Studieninformation
30-MGS-4_a Hauptmodul 3: Geschlechterordnung(en) in Zeiten globaler Transformationen Seminar 1 Studienleistung
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Seminar 2 Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
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Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Studieren ab 50    

Keine Konkretisierungen vorhanden
Kein E-Learningangebot vorhanden
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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Freitag, 5. Juni 2026 
Letzte Änderung Zeiten:
Donnerstag, 11. Juni 2026 
Letzte Änderung Räume:
Donnerstag, 11. Juni 2026 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Soziologie
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