Die fortschreitende Zerstörung und Verwüstung der Natur hat ein Ausmaß erreicht, durch das immer größere Teile der Erde für Menschen und ihre Mitwelt unbewohnbar werden und ganze Gesellschaften vor tiefgreifenden ökologischen, sozialen und politischen Krisen stehen. Die sozial-ökologische Krise ist dabei untrennbar mit kolonialen, kapitalistischen und patriarchalen Herrschaftsverhältnissen verbunden. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie Formen des Zusammenlebens gedacht werden können, die auf dem Bewusstsein gegenseitiger Abhängigkeit, Fürsorge und ökologischer Gerechtigkeit beruhen.
Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet der planetarische Feminismus. Er verbindet feministische, dekoloniale und ökologische Perspektiven und versteht die Erde nicht als Ressource menschlicher Verfügung, sondern als gemeinsamen Lebensraum vielfältiger menschlicher und nichtmenschlicher Lebensformen. Planetarischer Feminismus kritisiert anthropozentrische, patriarchale und koloniale Denkweisen, die Natur, Körper und marginalisierte Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zu Objekten von Ausbeutung und Beherrschung machen. Stattdessen rückt er Beziehungen, wechselseitige Abhängigkeit und die Verantwortung für das gemeinsame planetarische Zusammenleben in den Mittelpunkt.
An diese Debatten knüpft auch das Zukunftsfestival für planetarische Gerechtigkeit an, das unter dem Motto „Denken. Fühlen. Handeln.“ vom 2.–5. Juli 2026 in Bielefeld stattfindet. Das Seminar greift die dort verhandelten Fragen an der Schnittstelle von politischer Ökologie, feministisch-postkolonialer Theorie sowie Umwelt- und Naturethik auf. Gemeinsam beschäftigen wir uns mit Konzepten des planetarischen Denkens, des kritischen Posthumanismus, des Ökofeminismus und der Dekolonisierung von Mensch-Natur-Beziehungen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Rechten der Natur, die als eine der weitreichendsten Konsequenzen planetarisch-feministischen Denkens verstanden werden können. Das Konzept zählt zu den innovativsten Entwicklungen des internationalen Umweltrechts und eröffnet die Möglichkeit, das westlich geprägte Naturverständnis zu überwinden, das auf einer grundlegenden Trennung von Mensch und Natur beruht. Statt Natur als Objekt menschlicher Nutzung zu begreifen, wird sie als eigenständiges Rechtssubjekt anerkannt, dessen Existenz und Wert unabhängig von menschlichen Interessen schutzwürdig sind.
Diese Entwicklung ist Teil einer globalen Rechtsbewegung, die einen grundlegenden Paradigmenwechsel anstrebt. Wegweisend hierfür sind insbesondere indigene Kosmologien und Rechtsvorstellungen, die Mensch und Natur als untrennbar miteinander verbunden verstehen. Planetarischer Feminismus eröffnet hier die Möglichkeit, unterschiedliche Wissensformen miteinander in einen interkulturellen Dialog zu bringen und zugleich die kolonialen Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren, unter denen Wissen produziert und anerkannt wird.
Weltweit setzen sich inzwischen zahlreiche Initiativen dafür ein, Ökosystemen wie Flüssen und Wäldern oder der Natur als Ganzem eigene Rechte und den Status juristischer Personen zuzuerkennen. Natur erscheint damit nicht länger als bloße Umwelt des Menschen, sondern als Mitwelt, in der Menschen, Tiere, Pflanzen und andere Lebensformen in vielfältigen Beziehungen miteinander verbunden sind. Gemeinsam diskutieren wir theoretische Texte und Fallbeispiele zu Ökosystemen mit eigener Rechtspersönlichkeit, indigenen Kosmologien, planetarischer Klimagerechtigkeit und alternativen Vorstellungen eines Zusammenlebens jenseits anthropozentrischer Weltbilder. Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen: Wie verändert der planetarische Feminismus unser Verständnis von Mensch, Natur und Planet? Welche politischen und rechtlichen Konsequenzen ergeben sich daraus? Was bedeutet es, der Natur eigene Rechte zuzuerkennen? Wer kann diese Rechte vertreten? Welche Rolle spielen indigene Wissensbestände und feministische Theorien für eine sozial-ökologische Transformation? Und welcher gesellschaftliche Wandel ist notwendig, damit planetarische Gerechtigkeit Wirklichkeit werden kann?
Werden im Seminar bekannt gegeben.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
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| wöchentlich | Mi | 14-16 | 14.10.2026-03.02.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 30-M11 Vernetzung: Sozialwissenschaftliche Nachbardisziplinen | Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M26 Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse | Einführung (Seminar 1) | Studienleistung
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Studieninformation |
| Vertiefung (Seminar 2) | Studienleistung
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Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-MGS-4_a Hauptmodul 3: Geschlechterordnung(en) in Zeiten globaler Transformationen | Seminar 1 | Studienleistung
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Studieninformation |
| Seminar 2 | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Studieren ab 50 |