Macht, Herrschaft und soziale Ungleichheit wirken sich auf Gefühle und Gefühlsweisen aus: In und durch Gefühle verinnerlichen und verkörpern Subjekte ihre sozialen Verhältnisse und somit Aspekte von Macht und Herrschaft. Ob Scham selten oder häufig gefühlt wird, ob sie als akute und kurzweilige Verunsicherung auftritt oder eine alltägliche, schmerzhafte Dauererfahrung darstellt, ist also keine Frage des persönlichen Empfindens. Die Häufigkeit und Heftigkeit von Schamgefühlen sind bedingt durch die gesellschaftliche Position des Schamsubjekts und der sozialen Anerkennung, die mit dieser Position (nicht) einhergeht: Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, Abwertung und Beschämung erfahren, erleben Schamgefühle häufiger und heftiger als Menschen in gesellschaftlich privilegierten Positionen.
Der erste Block dieses Seminars führt in die Grundlagen der Emotionssoziologie und Affekttheorie ein. Der zweite Block widmet sich Theorien der Scham als gesellschaftliches Gefühl entlang der Strukturkategorien race, class, gender usw. Im dritten Block machen wir uns mit Methoden der ethnografischen Feldforschung zur Beforschung von Scham vertraut und bereiten die Feldforschung vor, die die Seminarteilnehmenden eigenständig durchführen werden. Im vierten und letzten Block werden die Ergebnisse dieser Feldforschungen präsentiert, besprochen und gemeinsam analysiert, um daraus Schlüsse für die soziologische und herrschaftskritische Betrachtung von Schamgefühlen zu ziehen.
Goffman, Erving (1963). Stigma: Notes on the Management of Spoiled Identity. Upper Saddle River: Prentice Hall.
Hochschild, Arlie Russel (1979): Emotion Work, Feeling Rules, and Social Structure. American Journal of Sociology, 85, 3, S. 551-575.
Lindemann, Gesa (1992): Die leiblich-affektive Konstruktion des Geschlechts. Für eine Mikrosoziologie des Geschlechts unter der Haut. Zeitschrift für Soziologie, 21, 5, Stuttgart: Enke Verlag, S. 330-346.
Maihofer, Andrea (2014): Kollektive Gefühle: Elemente des westlichen hegemonialen Gefühlsregimes. In: Baier, A. et al. (Hrsg.): Affekt und Geschlecht: Eine einführende Anthologie, Wien: Zaglossus, S. 253-272.
Neckel, Sighard/Pritz, Miriam (2016): Emotionen aus kultursoziologischer Perspektive. In: Moebius, S. et al. (Hrsg.): Handbuch Kultursoziologie. Wiesbaden: Springer VS, S. 1-13.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| one-time | Mo | 11-18 | U2-210 | 04.05.2026 | Soziologie der Scham |
| one-time | Mo | 11-16 | X-E0-210 | 01.06.2026 | Ethnografie der Scham & methodische Vorbereitung der Feldforschung |
| one-time | Mo | 11-13 | ONLINE | 29.06.2026 | Zwischen-Besprechung der Feldforschung |
| one-time | Mo | 11-18 | U2-210 | 13.07.2026 | Ergebnisse und Analyse der Feldforschung |
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 30-M26 Specialisation Module Gender Research and Gender Relations Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse | Einführung (Seminar 1) | Study requirement
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Student information |
| Vertiefung (Seminar 2) | Study requirement
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Student information | |
| - | Graded examination | Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.