Personen- und Einrichtungssuche

Ell Rutkat

Bild der Person Ell Rutkat - Öffnet das Bild in voller Größe auf einer neuen Seite

Kontakt

Curriculum Vitae


Akademische Tätigkeiten

Seit August 2025:
Wissenschaftliche Mitarbeit im Arbeitsbereich Geschlechtersoziologie bei Prof. Dr. Tomke König, Universität Bielefeld

2021-2025:
Promotion und wissenschaftliche Mitarbeit im Graduiertenkolleg Geschlecht als Erfahrung, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung, Universität Bielefeld

2016-2021:
M.A.-Studium in Gender Studies, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Thema der Masterarbeit: „Durch die Augen Anderer: Schamgefühle und ihre Transformation – Eine ethnografische Studie im Kontext von Vulva-Erkundungs-Workshops“

2014-2015:
Studienaufenthalt und Studium des Fachs Estudis de dones, gènere i ciutadania (Frauen-, Geschlechterstudien und Staatsbürger*innenschaft) an der Universitat de Barcelona

2012-2016:
B.A.-Studium in Liberal Arts and Sciences (Spezialisierungslinie: Kultur und Geschichte), University College Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Aktuelle Forschungsthemen

Promotionsprojekt:
Genitalflüssigkeiten und Geschlecht: Eine neomaterialistische und erlebensbezogene Forschung über Körper im Werden

Genitalflüssigkeiten sind eingebunden in gesellschaftliche Machtgefüge. Sie fungieren für die Konstruktion von heteronormativer, cisgeschlechtlicher, biologisch fundierter Zweigeschlechtlichkeit: Ein Geschlecht zu sein bedeutet gemäß des hegemonialen Geschlechterverständnisses nicht nur einen bestimmten, geschlechtlich codierten Körper haben zu müssen, sondern auch spezifische somatische Reproduktionsfähigkeiten zu erfüllen, wie z.B. die Fähigkeit zur Ejakulation oder Menstruation. Genitalflüssigkeiten, die in der hegemonialen Geschlechterordnung als weniger oder gar nicht relevant für die Fortpflanzung gelten, wie z.B. Ausfluss, Schleim, vulvovaginale Lubrikationsflüssigkeit oder Squirtflüssigkeit, stören etablierte binäre Kategoriesysteme.
Um das Zusammenspiel von körperlicher Materie, hegemonialen und alternativen Bedeutungen von Geschlecht und (sexuellen) Praktiken mit Squirt- und anderen Genitalflüssigkeiten genauer zu untersuchen, habe ich im Rahmen meines Promotionsprojekts narrative, erlebensbezogene Interviews (König/Jäger 2017) mit trans* und cis Frauen, transmaskulinen, nicht-binären und agender Personen über ihr Erleben von Genitalflüssigkeiten geführt. Mit der Analyse dieser Interviews gehe ich in meiner Dissertation folgenden Fragen nach: Wie hängt das Erleben von Genitalflüssigkeiten mit dem Erleben von Geschlecht zusammen? Wie konstituieren sich Körper und Geschlecht im Zusammenspiel mit dieser (zäh-)flüssigen Materie? Wie zeigen sich multiple Konsistenzen von Genitalflüssigkeiten und Geschlecht?
Im Fokus stehen nicht nur die Erfahrungen, die FLINTA* mit nicht-reproduktionsrelevanten Genitalflüssigkeiten machen, sondern auch die Beteiligung von Materie am kontinuierlichen, prozessualen Werden von Körpern und Geschlecht. Eine solch neomaterialistische und zugleich erlebensbezogene Konzeption von Körpern und Geschlecht als intra-aktives und prozessuales Werden, stellt eine Suchbewegung dar, deren Bestreben ist Antworten auf Debatten zwischen den Queer und Trans Studies zu finden. Sie wird nicht nur queertheoretischen Forderungen gerecht, Körper und Geschlecht aus hegemonialen Fixierungen und Naturalisierungen zu lösen, sondern ist angebunden an die Alltagsrealitäten, das Erleben und die konkreten Erfahrungen der von mir interviewten Personen. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass sich Geschlecht und damit einhergehend auch Körper in den alltäglichen Erfahrungen insbesondere von trans* und nicht-binären Menschen von Situation zu Situation unterschiedlich konstituieren können.
Die Verknüpfung von erlebensbezogener Interviewforschung und neomaterialistischen Denkweisen ermöglicht schließlich eine besondere Perspektive auf Geschlecht: Die vielfältigen Erlebensweisen von Genitalflüssigkeiten lassen sich mit einer Theorie der multiplen Aggregatszustände von Geschlecht fassen. – Nämlich eine, die von den unterschiedlichen Konsistenzen von Genitalflüssigkeiten (flüssig, viskos, festgetrocknet oder verdunstet) ausgeht und diese auf die multiplen Erlebensweisen von Geschlecht anwendet und damit sowohl die Materialität als auch die Fluidität von Geschlecht einschließt.