In diesem Seminar steht der Zusammenhang des gesellschaftlichen Phänomens der „Moralpanik“ nach Stanley Cohen, dem Strafvollzug als Institution sozialer Kontrolle, und der Hafterfahrungen von trans Personen im Fokus. Um diesem Zusammenhang auf die Spur zu kommen, werden wir uns im Laufe des Semesters mit drei verschiedenen Themenbereichen auseinandersetzen.
Wir beginnen mit grundlegenden Fragen zu Moralpanik, Geschlecht und dem Strafvollzug: Was genau macht eine „Moralpanik“ aus? Was ist der Unterschied zwischen dem Verständnis von „Risiko“ als Gefahr, und als politisch/moralisch codierter Kategorie? Wie wird Geschlecht politisch und institutionell hergestellt und welche Rolle spielt dabei der Strafvollzug? Um diese Fragen zu beantworten, widmen wir uns in den ersten Seminarsitzungen (hauptsächlich soziologischen) Theorien zu Moralpanik, Risiko, und Geschlecht/ Transsein und nehmen dabei auch Medien und Politik als Akteur*innen in den Blick.
In einem zweiten Schritt betrachten wir das Gefängnis als Ort verdichteter Machtverhältnisse, um dann spezifisch über Geschlecht/Transsein im Vollzug zu sprechen. Wie reproduziert der Vollzug die binäre Geschlechterordnung? Wo entstehen Spannungen, wenn Subjekte nicht in diese Ordnung „passen“? Wie dient Risiko als soziales Steuerungsinstrument und wie werden Kategorien wie „Gefährlichkeit“ produziert? In diesem Themenblock beschäftigen wir uns mit Theorien zur „totalen Institution“ und „Disziplinarmacht“, die die soziologische Forschung zum Strafvollzug maßgeblich geprägt hat; ziehen aber auch empirische Texte zur Geschlechtertrennung, zu Sicherheitsdiskursen, und zum Risikomanagement im Vollzug heran.
Der dritte und letzte Themenblock untersucht das Phänomen der „Trans Moral Panic“ und den Strafvollzug als Institution sozialer Kontrolle in ihrer Interaktion. In diesem Rahmen werden wir zunächst die spezifische Struktur der anti-trans Moral Panics rekonstruieren (z.B. „Schutz“ von cis-Frauen/Kindern, Pathologisierung, Missbrauchsrhetorik). Hieran anknüpfend beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie geschieht die diskursive Verschiebung von trans Personen als schutzbedürftig hin zu trans Personen als Gefahr? Zuletzt wenden wir uns empirischen Ergebnissen zu den Erfahrungen von trans Personen im Strafvollzug und analysieren gemeinsam, wie moralische Deutungen von Geschlecht und Risiko sich in rechtlichen Regelungen und der Vollzugspraxis – und damit auch in den Erfahrungen von inhaftierten trans Personen – zeigen.
Lernziele
1) Die Studierenden können zentrale Konzepte (Moralpanik, Risiko, Geschlecht) anhand der im Seminar behandelten Theorien erläutern und deren Bedeutung für gesellschaftliche Diskurse über soziale Kontrolle und Abweichung kritisch einordnen.
2) Die Studierenden sind in der Lage, den Strafvollzug als „totale Institution“ unter machttheoretischer Perspektive zu analysieren und zu erklären, wie Geschlechterordnung, Risiko und Sicherheitsdiskurse im Vollzug (re-)produziert werden und welche Spannungen daraus für trans Personen entstehen.
3) Die Studierenden können die Dynamiken von Trans Moral Panics rekonstruieren und deren Einfluss auf rechtliche Regelungen, Diskurse und die Lebensrealität von trans Personen im Strafvollzug kritisch bewerten.
Der Seminarplan beinhaltet englisch- und deutschsprachige Texte.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Do | 10-12 | B2-260 | 16.04.-23.07.2026 |
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 30-M26 Specialisation Module Gender Research and Gender Relations Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse | Einführung (Seminar 1) | Study requirement
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Student information |
| Vertiefung (Seminar 2) | Study requirement
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Student information | |
| - | Graded examination | Student information | |
| 30-MGS-5 Main Module 4: Body and Health Hauptmodul 4: Körper und Gesundheit | Seminar 1 | Study requirement
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Student information |
| Seminar 2 | Study requirement
Graded examination |
Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.