300832 Trans Moral Panic und die Konstruktion von Risiko im Strafvollzug (S) (SoSe 2026)

Inhalt, Kommentar

In diesem Seminar steht der Zusammenhang des gesellschaftlichen Phänomens der „Moralpanik“ nach Stanley Cohen, dem Strafvollzug als Institution sozialer Kontrolle, und der Hafterfahrungen von trans Personen im Fokus. Um diesem Zusammenhang auf die Spur zu kommen, werden wir uns im Laufe des Semesters mit drei verschiedenen Themenbereichen auseinandersetzen.

Wir beginnen mit grundlegenden Fragen zu Moralpanik, Geschlecht und dem Strafvollzug: Was genau macht eine „Moralpanik“ aus? Was ist der Unterschied zwischen dem Verständnis von „Risiko“ als Gefahr, und als politisch/moralisch codierter Kategorie? Wie wird Geschlecht politisch und institutionell hergestellt und welche Rolle spielt dabei der Strafvollzug? Um diese Fragen zu beantworten, widmen wir uns in den ersten Seminarsitzungen (hauptsächlich soziologischen) Theorien zu Moralpanik, Risiko, und Geschlecht/ Transsein und nehmen dabei auch Medien und Politik als Akteur*innen in den Blick.

In einem zweiten Schritt betrachten wir das Gefängnis als Ort verdichteter Machtverhältnisse, um dann spezifisch über Geschlecht/Transsein im Vollzug zu sprechen. Wie reproduziert der Vollzug die binäre Geschlechterordnung? Wo entstehen Spannungen, wenn Subjekte nicht in diese Ordnung „passen“? Wie dient Risiko als soziales Steuerungsinstrument und wie werden Kategorien wie „Gefährlichkeit“ produziert? In diesem Themenblock beschäftigen wir uns mit Theorien zur „totalen Institution“ und „Disziplinarmacht“, die die soziologische Forschung zum Strafvollzug maßgeblich geprägt hat; ziehen aber auch empirische Texte zur Geschlechtertrennung, zu Sicherheitsdiskursen, und zum Risikomanagement im Vollzug heran.

Der dritte und letzte Themenblock untersucht das Phänomen der „Trans Moral Panic“ und den Strafvollzug als Institution sozialer Kontrolle in ihrer Interaktion. In diesem Rahmen werden wir zunächst die spezifische Struktur der anti-trans Moral Panics rekonstruieren (z.B. „Schutz“ von cis-Frauen/Kindern, Pathologisierung, Missbrauchsrhetorik). Hieran anknüpfend beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie geschieht die diskursive Verschiebung von trans Personen als schutzbedürftig hin zu trans Personen als Gefahr? Zuletzt wenden wir uns empirischen Ergebnissen zu den Erfahrungen von trans Personen im Strafvollzug und analysieren gemeinsam, wie moralische Deutungen von Geschlecht und Risiko sich in rechtlichen Regelungen und der Vollzugspraxis – und damit auch in den Erfahrungen von inhaftierten trans Personen – zeigen.

Lernziele

1) Die Studierenden können zentrale Konzepte (Moralpanik, Risiko, Geschlecht) anhand der im Seminar behandelten Theorien erläutern und deren Bedeutung für gesellschaftliche Diskurse über soziale Kontrolle und Abweichung kritisch einordnen.
2) Die Studierenden sind in der Lage, den Strafvollzug als „totale Institution“ unter machttheoretischer Perspektive zu analysieren und zu erklären, wie Geschlechterordnung, Risiko und Sicherheitsdiskurse im Vollzug (re-)produziert werden und welche Spannungen daraus für trans Personen entstehen.
3) Die Studierenden können die Dynamiken von Trans Moral Panics rekonstruieren und deren Einfluss auf rechtliche Regelungen, Diskurse und die Lebensrealität von trans Personen im Strafvollzug kritisch bewerten.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

Der Seminarplan beinhaltet englisch- und deutschsprachige Texte.

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Do 10-12 B2-260 16.04.-23.07.2026
nicht am: 14.05.26 / 04.06.26

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
30-M26 Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse Einführung (Seminar 1) Studienleistung
Studieninformation
Vertiefung (Seminar 2) Studienleistung
Studieninformation
- benotete Prüfungsleistung Studieninformation
30-MGS-5 Hauptmodul 4: Körper und Gesundheit Hauptmodul 4: Körper und Gesundheit Seminar 1 Studienleistung
Studieninformation
Seminar 2 Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.


Keine Konkretisierungen vorhanden
Lernraum (E-Learning)
Lernraum (E-Learning)
Moodle-Kurs
Moodle-Kurs
Adresse:
SS2026_300832@ekvv.uni-bielefeld.de
Lehrende, ihre Sekretariate sowie für die Pflege der Veranstaltungsdaten zuständige Personen können über diese Adresse E-Mails an die Veranstaltungsteilnehmer*innen verschicken. WICHTIG: Sie müssen verschickte E-Mails jeweils freischalten. Warten Sie die Freischaltungs-E-Mail ab und folgen Sie den darin enthaltenen Hinweisen.
Falls die Belegnummer mehrfach im Semester verwendet wird können Sie die folgende alternative Verteileradresse nutzen, um die Teilnehmer*innen genau dieser Veranstaltung zu erreichen: VST_505355174@ekvv.uni-bielefeld.de
Hinweise:
Weitere Hinweise zu den E-Mailverteilern
Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Montag, 17. November 2025 
Letzte Änderung Zeiten:
Montag, 2. März 2026 
Letzte Änderung Räume:
Montag, 2. März 2026 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Soziologie
Fragen oder Korrekturen?
Fragen oder Korrekturwünsche zu dieser Veranstaltung?
Planungshilfen
Terminüberschneidungen für diese Veranstaltung
Link auf diese Veranstaltung
Wenn Sie diese Veranstaltungsseite verlinken wollen, so können Sie einen der folgenden Links verwenden. Verwenden Sie nicht den Link, der Ihnen in Ihrem Webbrowser angezeigt wird!
Der folgende Link verwendet die Veranstaltungs-ID und ist immer eindeutig:
https://ekvv.uni-bielefeld.de/kvv_publ/publ/vd?id=505355174
Seite zum Handy schicken
Klicken Sie hier, um den QR Code zu zeigen
Scannen Sie den QR-Code: QR-Code vergrößern
ID
505355174