Die Geschichte liefert seit vielen Jahren zahllose Ideen für Roman-, Krimi- und Sachbuchautoren, für Buch- und Zeitschriftenverlage, das Fernsehen, für den Film, das Eventmanagement und die Beiträger des Internets. Sie ist damit zur Basis einer mehr oder weniger soliden Einnahmequelle für die Medien geworden. Für nicht wenige von ihnen gilt als Leitsatz: Unterhaltung bieten, keine Langeweile verbreiten! Auch wenn dabei dieses oder jenes Detail als „nicht so wichtig“ unter den Tisch fällt. Zahlreiche Museen und Gedenkstätten spielen dabei eine Sonderrolle. Sie sind meist mit öffentlichen Geldern und einer Art „Lehrauftrag“ ausgestattet, der für „Info-“ oder „Histotainment“ nur wenig Raum lässt und dieses als unseriös ablehnt.
In einigen Bereichen scheint bereits ein „Ausverkauf“ historischen Wissens zu drohen. So hat beispielsweise die Redaktion von ZDF-History, allen voran ihr Leiter Guido Knopp, das vorhandene Film- und Interviewmaterial zu Adolf Hitler und seinen tatsächlichen und vermeintlichen Helfern für die gleichnamigen TV-Produktionen derart umfassend und intensiv ausgewertet, ja, fast ausgepresst und das endliche Material in immer neuen Zusammenschnitten und Variationen vorgeführt, dass der Eindruck entstanden ist, nunmehr sei eine Art „Sättigungspunkt“ erreicht. Dieser ist nicht ganz ungefährlich für die deutsche Erinnerungskultur zur NS-Zeit. Schlimmstenfalls bewirkt diese Übersättigung eine Ablehnung und ein wachsendes Desinteresse der Menschen an den Verbrechen der Jahre von 1933 bis 1945.
Auch in anderen Bereichen wird die Historie in großem Umfang „ausgeschlachtet“. Die zahllosen historischen Romane, mittlerweile ergänzt durch eine wachsende Anzahl historischer Krimis, sind aktuell zumeist im Mittelalter und der Frühen Neuzeit angesiedelt. Diese oft recht mäßig verfassten Texte vermitteln nach wie vor ein Standardbild vom „dunklen Mittelalter“, das mittlerweile, unendlich oft wiederholt, nachgerade ermüdend wirkt. Irgendwann wird dann auch diese Epoche für die Medienlandschaft uninteressant werden.
Sehr gelassen reagieren die Adressaten solcher Kritiken. Sie haben Einschaltquoten und Verkaufszahlen im Auge, wollen und müssen mit dieser Art der Geschichtsvermittlung ihren Lebensunterhalt verdienen.
Die Veranstaltung wird sich mit guten, mittelmäßigen und auch schlechten Hervorbringungen der aktuellen populären Geschichtskultur befassen, sie analysieren und versuchen, sowohl ihren Tauglichkeitsgrad als Vermittler von Wissen als auch ihre unterhaltenden Elemente möglichst vorurteilslos einzustufen und zu bewerten.
Barricelli, Michele/Hornig, Julia (Hrsg.): Aufklärung, Bildung, „Histotainment“? Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, Frankfurt am Main 2008.
Bösch, Frank/Goschler, Constantin (Hrsg.): Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft, Frankfurt am Main 2009.
Gehrke, Hans-Joachim/Sénéchau, Miriam (Hrsg.): Geschichte, Archäologie, Öffentlichkeit. Für einen neuen Dialog zwischen Wissenschaft und Medien. Standpunkte aus Forschung und Praxis, Bielefeld 2010.
Geschichte im Rampenlicht. Symposium im Forum der Körber-Stiftung, Hamburg 2009. (Vorträge und Referate unter http://www.koerber-stiftung.de/bildung/dossiers/geschichte-und-oeffentlichkeit.html).
Hochbruck, Wolfgang/u. a. (Hrsg.): Staging the Past: Themed Environments in Transcultural Perspectives, Bielefeld 2010.
Horn, Sabine/Sauer, Michael (Hrsg.): Geschichte und Öffentlichkeit. Orte – Medien – Institutionen, Göttingen 2009.
Kühberger, Christoph/Pudlat, Andreas (Hrsg.): Vergangenheitsbewirtschaftung: Public History zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Innsbruck 2012.
Rüdiger, Mark/u. a. (Hrsg.): Echte Geschichte: Authentizitätsfiktionen in populären Geschichtskulturen, Bielefeld 2010.
Zur weiteren Vorbereitung empfohlen:
ZDF-History, ZDF-Nachtstudio, HISTORY (Pay-TV), SPIEGEL-TV, arte.tv, News & Stories (sonntags 0:35 Uhr auf SAT.1), 10 vor 11 (montags 0:35 Uhr auf RTL)
Homepages des „British Museum“, des „Deutschen Historischen Museums“ und des „National Museum of American History“
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period |
|---|
| Module | Course | Requirements | |
|---|---|---|---|
| 22-2.5 Public History Modul Geschichte und Öffentlichkeit | Übung Geschichte und Öffentlichkeit | Study requirement
Graded examination |
Student information |
The binding module descriptions contain further information, including specifications on the "types of assignments" students need to complete. In cases where a module description mentions more than one kind of assignment, the respective member of the teaching staff will decide which task(s) they assign the students.
| Degree programme/academic programme | Validity | Variant | Subdivision | Status | Semester | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Frauenstudien | (Enrollment until SoSe 2015) | ||||||
| Geschichtswissenschaft / Bachelor | (Enrollment until SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | Modul 2.3; Modul 2.4; Modul 2.8 | Wahlpflicht | 4 | scheinfähig | |
| Geschichtswissenschaft (Gym/Ge) / Master of Education | (Enrollment until SoSe 2014) | Modul 2.4 | Wahlpflicht | 4 | scheinfähig | ||
| Politikwissenschaft / Bachelor | (Enrollment until SoSe 2009) | 3.1a; 3.1b | |||||
| Politische Kommunikation / Master | (Enrollment until SoSe 2013) | 3.3 | Wahl | 3 | (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich) |