220068 Ausverkauf historischen Wissens? Die Geschichte als unermüdlicher Ideenlieferant der Medien (GSG+Ü) (WiSe 2012/2013)

Inhalt, Kommentar

Die Geschichte liefert seit vielen Jahren zahllose Ideen für Roman-, Krimi- und Sachbuchautoren, für Buch- und Zeitschriftenverlage, das Fernsehen, für den Film, das Eventmanagement und die Beiträger des Internets. Sie ist damit zur Basis einer mehr oder weniger soliden Einnahmequelle für die Medien geworden. Für nicht wenige von ihnen gilt als Leitsatz: Unterhaltung bieten, keine Langeweile verbreiten! Auch wenn dabei dieses oder jenes Detail als „nicht so wichtig“ unter den Tisch fällt. Zahlreiche Museen und Gedenkstätten spielen dabei eine Sonderrolle. Sie sind meist mit öffentlichen Geldern und einer Art „Lehrauftrag“ ausgestattet, der für „Info-“ oder „Histotainment“ nur wenig Raum lässt und dieses als unseriös ablehnt.
In einigen Bereichen scheint bereits ein „Ausverkauf“ historischen Wissens zu drohen. So hat beispielsweise die Redaktion von ZDF-History, allen voran ihr Leiter Guido Knopp, das vorhandene Film- und Interviewmaterial zu Adolf Hitler und seinen tatsächlichen und vermeintlichen Helfern für die gleichnamigen TV-Produktionen derart umfassend und intensiv ausgewertet, ja, fast ausgepresst und das endliche Material in immer neuen Zusammenschnitten und Variationen vorgeführt, dass der Eindruck entstanden ist, nunmehr sei eine Art „Sättigungspunkt“ erreicht. Dieser ist nicht ganz ungefährlich für die deutsche Erinnerungskultur zur NS-Zeit. Schlimmstenfalls bewirkt diese Übersättigung eine Ablehnung und ein wachsendes Desinteresse der Menschen an den Verbrechen der Jahre von 1933 bis 1945.
Auch in anderen Bereichen wird die Historie in großem Umfang „ausgeschlachtet“. Die zahllosen historischen Romane, mittlerweile ergänzt durch eine wachsende Anzahl historischer Krimis, sind aktuell zumeist im Mittelalter und der Frühen Neuzeit angesiedelt. Diese oft recht mäßig verfassten Texte vermitteln nach wie vor ein Standardbild vom „dunklen Mittelalter“, das mittlerweile, unendlich oft wiederholt, nachgerade ermüdend wirkt. Irgendwann wird dann auch diese Epoche für die Medienlandschaft uninteressant werden.
Sehr gelassen reagieren die Adressaten solcher Kritiken. Sie haben Einschaltquoten und Verkaufszahlen im Auge, wollen und müssen mit dieser Art der Geschichtsvermittlung ihren Lebensunterhalt verdienen.
Die Veranstaltung wird sich mit guten, mittelmäßigen und auch schlechten Hervorbringungen der aktuellen populären Geschichtskultur befassen, sie analysieren und versuchen, sowohl ihren Tauglichkeitsgrad als Vermittler von Wissen als auch ihre unterhaltenden Elemente möglichst vorurteilslos einzustufen und zu bewerten.

Literaturangaben

Barricelli, Michele/Hornig, Julia (Hrsg.): Aufklärung, Bildung, „Histotainment“? Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, Frankfurt am Main 2008.

Bösch, Frank/Goschler, Constantin (Hrsg.): Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft, Frankfurt am Main 2009.

Gehrke, Hans-Joachim/Sénéchau, Miriam (Hrsg.): Geschichte, Archäologie, Öffentlichkeit. Für einen neuen Dialog zwischen Wissenschaft und Medien. Standpunkte aus Forschung und Praxis, Bielefeld 2010.

Geschichte im Rampenlicht. Symposium im Forum der Körber-Stiftung, Hamburg 2009. (Vorträge und Referate unter http://www.koerber-stiftung.de/bildung/dossiers/geschichte-und-oeffentlichkeit.html).

Hochbruck, Wolfgang/u. a. (Hrsg.): Staging the Past: Themed Environments in Transcultural Perspectives, Bielefeld 2010.

Horn, Sabine/Sauer, Michael (Hrsg.): Geschichte und Öffentlichkeit. Orte – Medien – Institutionen, Göttingen 2009.

Kühberger, Christoph/Pudlat, Andreas (Hrsg.): Vergangenheitsbewirtschaftung: Public History zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Innsbruck 2012.

Rüdiger, Mark/u. a. (Hrsg.): Echte Geschichte: Authentizitätsfiktionen in populären Geschichtskulturen, Bielefeld 2010.

Zur weiteren Vorbereitung empfohlen:

ZDF-History, ZDF-Nachtstudio, HISTORY (Pay-TV), SPIEGEL-TV, arte.tv, News & Stories (sonntags 0:35 Uhr auf SAT.1), 10 vor 11 (montags 0:35 Uhr auf RTL)

Homepages des „British Museum“, des „Deutschen Historischen Museums“ und des „National Museum of American History“

Lehrende

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
22-2.5 Modul Geschichte und Öffentlichkeit Modul Geschichte und Öffentlichkeit Übung Geschichte und Öffentlichkeit Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Frauenstudien (Einschreibung bis SoSe 2015)    
Geschichtswissenschaft / Bachelor (Einschreibung bis SoSe 2011) Kern- und Nebenfach Modul 2.3; Modul 2.4; Modul 2.8 Wahlpflicht 4 scheinfähig  
Geschichtswissenschaft (Gym/Ge) / Master of Education (Einschreibung bis SoSe 2014) Modul 2.4 Wahlpflicht 4 scheinfähig  
Politikwissenschaft / Bachelor (Einschreibung bis SoSe 2009) 3.1a; 3.1b    
Politische Kommunikation / Master (Einschreibung bis SoSe 2013) 3.3 Wahl 3 (bei Einzelleistung 2 LP zusätzlich)  

Keine Konkretisierungen vorhanden
Kein E-Learningangebot vorhanden
Adresse:
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Hinweise:
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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Freitag, 11. Dezember 2015 
Letzte Änderung Zeiten:
Freitag, 6. Juli 2012 
Letzte Änderung Räume:
Freitag, 6. Juli 2012 
Art(en) / SWS
Grundseminar Geschichtsvermittlung (GSG) + Übung (Ü) / 2
Einrichtung
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Geschichtswissenschaft
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ID
33136543