Bestärkt durch medizinische Erfolge wurde die Hygiene seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einer umfassenden Gesundheitswissenschaft entwickelt und institutionalisiert, die Wissen und Instrumentarien zur Modernisierung, Regulierung und Kontrolle zahlreicher Lebensbereiche bereitstellte. Diese fanden etwa in staatlichen Maßnahmen zur Seuchenprophylaxe, Reduzierung der Kindersterblichkeit, zum Arbeitsschutz und zur Lebensmittelkontrolle Umsetzung. Staatliche wie private Kampagnen beförderten darüber hinaus eine Medikalisierung der Bevölkerung. Die diskursive Biologisierung des Sozialen zog einerseits einen Aufschwung der Sozialmedizin nach sich, gleichzeitig leistete sie eugenischen und rassenhygienischen Tendenzen Vorschub, die auf Exklusionsprozesse zielten und in der Rassenhygiene der NS-Zeit gipfelten.
Das Seminar untersucht diese Prozesse anhand von Beispielen aus Deutschland und Großbritannien, fragt gleichzeitig aber nach transnationalen und globalen Transferprozessen. Wie waren Hygienisierung und Medikalisierung mit imperialen Projekten und kolonialer Herrschaft verbunden? Inwieweit dienten europäische und außereuropäische Territorien und Bevölkerungsgruppen als „Experimentierfelder“, inwiefern kann hier andererseits von einem gemeinsamen Projekt der Moderne gesprochen werden?
Literatur zur Vorbereitung:
Paul Weindling: Health, race and German politics between national unification and Nazism, 1870-1945, Cambridge u.a. 1989.
Pascal Grosse: Kolonialismus, Eugenik und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland 1850-1918, Frankfurt/M., New York 2000.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
|---|
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Geschichtswissenschaft / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | 4.3.1; 4.4.2 | Wahlpflicht | 9 | scheinfähig | ||
| Politische Kommunikation / Master | (Einschreibung bis SoSe 2013) | 3.3 |