Der Titel des Seminars, in dessen Rahmen ausgewählte Fragen der Erziehungswissenschaften anhand von theoretischen Konzepten und empirischen Befunden des jungen Forschungsfeldes der Human-Animal Studies diskutiert werden, ist Kafkas Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ entlehnt. Darin schildert der Protagonist, der gefangene Affe Rotpeter, seine Anpassung an die menschliche Gesellschaft und die Nachahmung der Menschen. Diese erscheint ihm unter den gegebenen Umständen als einziger Ausweg aus dem Irrsinn der den Tieren aufgezwungenen Dressur.
Im Blick auf Kafka wäre nach den tierlichen Grenzgängern existierender Gesellschaften zu fragen, die in die soziale Nahwelt der Menschen eingemeindet wurden und an einer „humanimalischen Sozialität“ (Rainer E. Wiedenmann 2009) teilhaben. Dieser Tendenz zunehmender Personalisierung tierlicher Individuen steht ein zweiter Modernisierungsprozess entgegen, der im Seminar untersucht wird: die Verdinglichung von Tieren, die deren Subjektqualitäten auslöscht und sie in warenförmige Objekte verwandelt. Es wird darzustellen sein, wie dieser Prozess dem zivilisatorischen Naturbeherrschungspostulat folgt, in dessen Vollzug Tiere dressiert oder mechanisch in die menschliche Gesellschaft eingepasst werden. Inwieweit erweist sich hierbei die Moderne als Zivilisationstragik, wenn sie den Fortschritt der Gesellschaft hin zu einem Besseren in der Beherrschung der Natur – und damit auch der Tiere – begründet, anstatt damit, Natur zu begreifen (Max Horkheimer 1970) und dadurch die Möglichkeit aufgibt, die innere und äußere Natur des Menschen zu befreien? Dieser Frage folgend werden wir das Wechselverhältnis zwischen der „Zähmung“ der Tiere und der Sozialisation, Erziehung und Bildung der Menschen analysieren. Die Veranstaltung wird sich kritisch mit der tierbezogenen Kommunikation gegenwärtiger Gesellschaften auseinandersetzen, d.h. mit der Weise, wie Menschen mit Tieren kommunizieren und wie sie vor allem in ihrer Alltagswelt über und durch Tiere miteinander kommunizieren (vgl. Rainer E. Wiedenmann 2000). In diesem Kontext wird die materielle und ideelle Kultur in den Blick genommen, die die menschliche Gesellschaft in ihrem Verhältnis zu Tieren hervorgebracht hat und die durch beispielsweise tierbezogene Kinderspielzeuge, -sendungen, -lieder, -literatur die Erziehung beeinflusst. Dabei sollen ihre an der Mensch-Tier-Differenz orientierten Werte, Verhaltensweisen, Denk- und Wahrnehmungsschemata reflektiert werden. Zu fragen wäre schließlich, wie in Folge das Menschenbild aus den jeweiligen gesellschaftlich entworfenen Tierbildern hervorgeht.
Die Literatur wird im Rahmen der Vorbesprechung bekannt gegeben.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erziehungswissenschaft GHR / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2011) | MA.3.1.1; MA.3.1.2 | 3 | aktive Teilnahme | |||
| Erziehungswissenschaft GymGe / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2011) | MG.3.1.1; MG.3.1.2 | 3 | aktive Teilnahme | |||
| Erziehungswissenschaft (Kernfach) / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kernfach | BE 3.1; BE 3.2 | 3/5 | AT, EL (u) oder EL (b) | ||
| Erziehungswissenschaft (Kernfach) / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kernfach | BE 8.1 | 3 | aktive Teilnahme | ||
| Erziehungswissenschaft (Nebenfach) / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Nebenfach | M.3.1.1; M.3.1.2 | 3 | aktive Teilnahme | ||
| Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom | (Einschreibung bis SoSe 2008) | G.2.2; H.1.2 |
Über die verschiedenen Möglichkeiten, Leistungspunkte zu erwerben, wird in der Vorbesprechung informiert werden.