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220132 Reformation als soziale Bewegung aus sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive (S) (WiSe 2018/2019)

Inhalt, Kommentar

Seit den 1990er Jahren häufen sich die Bemühungen, das sich über mehrere Jahre erstreckende Großereignis der Reformation in einen das Spätmittelalter und die erste Phase der Frühen Neuzeit umgreifenden und große Teile Europas einbeziehenden Transformationsprozess (1400-1600) einzuordnen und zu interpretieren. Über die sich aus dieser zeitlich und räumlich erheblich erweiterten Perspektive ergebenden Fragen, Ansätze und Thesen zu diversen Sachverhalten informieren mehrere Sammelbände. Welcher Stellenwert in diesem erweiterten Forschungsfeld der bis heute regelmäßig und ganz selbstverständlich erwähnten reformatorischen Bewegung als einem Unterfall sozialer Bewegungen eigentlich noch beigemessen wird, ist eine das Seminar leitende Frage, die alles andere als einfach zu beantworten ist. Dass kulturgeschichtliche Ansätze, bei denen etwa Rituale, Mittel, Medien (Flugblätter), Netzwerke und Akteure der Kommunikation eine zentrale Rolle spielen, neue Perspektiven für das Verständnis der Reformation und ihres Verlaufs eröffnen und auch Antworten auf die Frage nach dem Stellenwert der reformatorischen Bewegung bieten, wird in dem Seminar anhand von Forschungsbeiträgen vor Augen geführt. Im Unterschied zu der bemerkenswerten Konjunktur kulturgeschichtlicher Betrachtungen haben sozialgeschichtliche Ansätze dagegen erheblich an Relevanz verloren, so dass auch Kenntnisse von den gesellschaftlichen Bedingungen und den sozialen Trägergruppen der Reformation verblassen und schwinden; der Ertrag sozialgeschichtlicher Forschung über die Reformation ist z. T. in die Artikel der inzwischen vier vorliegenden Lexika (I. Dingel/ V. Leppin; Th. Kaufmann; H.-J. Goertz; R. Stupperich) eingegangen, z.T. hat er seinen Niederschlag in Biographien über Akteure der Reformation gefunden, so etwa über Martin Luther, Thomas Müntzer und Hans Hut, während sogenannte Kollektivbiographien - insbesondere über Gruppierungen innerhalb des Adels, des Klerus, unter Semireligiosen, aber auch über Sozialkreise von Kaufleuten, Bauern, Handwerkern, Gesinde, Tagelöhnern - bis heute die Ausnahme bilden. Inzwischen hat sich das sozialgeschichtliche Defizit in der historischen Betrachtung der Reformation weiter vergrößert, so dass sich die leitende Frage des Seminars nach den Merkmalen der reformatorischen Bewegung mehr denn je aufdrängt. In der Sozialgeschichte sind mehrere Ansätze etwa von H.-J. Goertz, B. Moeller, P. Blickle, O. Rammstedt, J. Raschke und R. Wohlfeil entwickelt und in Studien aufgegriffen worden, von denen in dem Seminar einige vorgestellt werden sollen. Dass solche Ansätze zuweilen auch noch heute in Anspruch genommen werden und selbst in manchen Ausstellungskatalog Eingang gefunden haben, lässt sich exemplarisch an dem Katalog zur Bayerischen Landesausstellung auf der Veste Coburg vor Augen führen, der anlässlich des 2017 gefeierten 500. Reformationsjubiläums erschienen ist.

Literaturangaben

Literatur in Auswahl:

Stephen H. Buckwalter / Bernd Moeller (Hg.), Die frühe Reformation in Deutschland als Umbruch, Gütersloh 1998; Peter Blickle, Die Reformation, Stuttgart 1992; Peter Blickle, Gemeindereformation, München 1985; Irene Dingel / Volker Leppin (Hg.), Das Reformatorenlexikon, Darmstadt, zweite Auflage 2016; Stefan Ehrenpreis / Ute Lotz-Heumann, Reformation und konfessionelles Zeitalter, Darmstadt 2002; Werner Freitag, Die Reformation in Westfalen. Regionale Vielfalt, Bekenntniskonflikt und Koexistenz, Münster 2016; Hans-Jürgen Goertz (Hg.), Radikale Reformatoren, München 1978; Hans-Jürgen Goertz, Radikalität der Reformation. Aufsätze und Abhandlungen, Göttingen 2007; Bernhard Jussen (Hrsg.), Kulturelle Reformation. Sinnformationen im Umbruch 1400-1600, Göttingen 1999; Thomas Kaufmann, Reformatoren, Göttingen 1998; Thomas Kaufmann, Der Anfang der Reformation. Studien zur Kontextualität der Theologie, Publizistik und Inszenierung Luthers und der reformatorischen Bewegung, Tübingen 2012; Volker Leppin, Die Reformation, Darmstadt 2013; Olaf Mörke, Die Reformation. Voraussetzungen und Durchsetzung, München 2005; Bernd Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen, zweite durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage 1981; Volker Press / Dieter Stievermann (Hg.), Martin Luther. Probleme seiner Zeit, Stuttgart 1986; Robert Stupperich, Reformatorenlexikon, Gütersloh 1984; Günter Vogler (Hg.), Wegscheiden der Reformation. Alternatives Denken vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Weimar 1994; Peter Wolf u.a. (Hrsg.), Ritter, Bauern, Lutheraner (Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2017), Augsburg 2017.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Ort Zeitraum  
wöchentlich Fr 14-16 E1-148 08.10.2018-01.02.2019
nicht am: 28.12.18 / 04.01.19

Klausuren

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
22-3.1 Hauptmodul Vormoderne
3.1.6
Seminar Vormoderne Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Konkretisierung der Anforderungen
Keine Konkretisierungen vorhanden
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TeilnehmerInnen
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