360038 75 Jahre nach Barmen - Zeit für eine Neubewertung des Kirchenkampfes? (S) (WiSe 2009/2010)

Diese Veranstaltung ist ausgefallen!

Inhalt, Kommentar

  • In der wissenschaftlichen Rezeption des sog. „Kirchenkampfes“ lassen sich im Wesentlichen drei Phasen ausmachen. War die erste Generation der kirchlichen Zeitgeschichtsforschung zu diesem zentralen Themenbereich der neuesten Kirchengeschichte, für die stellvertretend der Nestor der Kirchenkampfforschung, der Bielefelder Pfarrer Wilhelm Niemöller, genannt sei, noch „zu einseitig an der Entstehung, dem Weg und dem Schicksal der Bekennenden Kirche interessiert“, indem es ihr vor allem darum ging, „auch nachträglich noch einmal zu zeigen, daß sich die Bekennende Kirche in ihrem Kampf gegen das deutschchristliche resp. staatliche Kirchenregiment als die wahre Kirche erweisen hat“ (Carsten Nicolaisen), so markieren die in den 1960er und 1970er erschienenen quellengebundenen Untersuchungen von Günther van Norden („Kirche in der Krise“) und Bernd Hey („Die Kirchenprovinz Westfalen 1933-1945) sowie die materialreiche, ursprünglich als Gesamtdarstellung geplante Studie von Klaus Scholder (1977 bzw. 1985) deutliche Zäsuren auf dem Weg zu einer differenzierteren Sichtweise, welche die bis dahin auch in der breiten Öffentlichkeit (teilweise sogar bis heute) vorherrschende Legende, der Kampf der Bekennenden Kirche sei politischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus und gegen den NS-Unrechtsstaat gewesen, revidiert hat. Gerade in jüngster Zeit sind u. a. von Wolfhart Beck (2002) und Norbert Sahrhage (2005) wichtige regionalgeschichtliche Untersuchungen erschienen, die sowohl die innerprotestantischen Auseinandersetzungen zwischen Bekennnender Kirche und Deutschen Christen als auch den Konflikt zwischen „Kreuz und Hakenkreuz“ (Kurt Meier) als Teil einer bereits im späten Kaiserreich einsetzenden, sich nach dem Ersten Weltkrieg beschleunigenden Entwicklung zur Moderne beschreiben, die durch eine zunehmende Entkirchlichung und Entkonfessionalisierung gekennzeichnet ist und – nach einer kurzen gegenläufigen Strömung in der unmittelbaren Nachkriegszeit - gerade in unserer Zeit ihrem säkularen Höhepunkt entgegensieht.
  • Plenumsgespräch, Kleingruppen- und Einzelarbeit
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen Einblick in die Zeit- und Standortgebundenheit der jeweiligen Forschungsperspektiven und -positionen zum Kirchenkampf erhalten und vor dem Hintergrund neuerer Forschungsergebnisse zu einer differenzierten Bewertung des Konfliktes zwischen evangelischer Kirche und nationalsozialistischem Staat und seiner bis in die Gegenwart reichenden Folgen gelangen.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

  • Erfolgreicher Abschluss einer einführenden Veranstaltung im Bereich Kirchengeschichte (KG I)
  • Grundkenntnisse zur politischen Geschichte der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches“ erwünscht

Literaturangaben

  • Beck, Wolfhart: Westfälische Protestanten auf dem Weg in die Moderne. Die evangelischen Gemeinden des Kirchenkreises Lübbecke zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik ( = Forschungen zur Regionalgeschichte XLII ), Paderborn u. a. 2002.
  • Hey, Bernd: Die Kirchenprovinz Westfalen 1933–1945 ( = Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte 2 ), Bielefeld 1974.
  • Niemöller, Wilhelm: Kampf und Zeugnis der Bekennenden Kirche, Bielefeld 1948.
  • Derselbe: Bekennende Kirche in Westfalen, Bielefeld 1952.
  • Norden, Günther van: Kirche in der Krise. Die Stellung der Kirche zum nationalsozialistischen Staat im Jahre 1933, Düsseldorf 1963.
  • Derselbe: Politischer Kirchenkampf. Die rheinische Provinzialkirche 1934–1939 ( = Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 159 ), Bonn 2003.
  • Sahrhage, Norbert: Diktatur und Demokratie in einer protestantischen Region. Stadt und Landkreis Herford 1929 bis 1953 ( = Herforder Forschungen 18 ), Paderborn u. a. 2005.
  • Scholder, Klaus: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen, 1918 – 1934, Berlin 1977.
  • Derselbe: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934. Barmen und Rom, Berlin 1985.

Zur Einführung in die kirchengeschichtliche Arbeit:

  • Schneider, Thomas M.: Kirchengeschichte. In: Heiligenthal, Roman und Schneider, Thomas M.: (Hg.): Einführung in das Studium der Evangelischen Theologie. Überarb. Neuausgabe Stuttgart 2004, S. 231-269.

Lehrende

Fachzuordnungen

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Evangelische Theologie / Bachelor (Einschreibung bis SoSe 2011) Kern- und Nebenfach KG II/1a; KG II/2a   3  
Evangelische Theologie / Master of Education (Einschreibung bis SoSe 2014) KG II/2a   3  
Frauenstudien (Einschreibung bis SoSe 2015)    
Studieren ab 50    

  • Regelmäßige und aktive Teilnahme
  • Übernahme eines Referates
  • Schriftliche Hausarbeit zu einem Themenkomplex
Kein E-Learningangebot vorhanden
Adresse:
WS2009_360038@ekvv.uni-bielefeld.de
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Falls die Belegnummer mehrfach im Semester verwendet wird können Sie die folgende alternative Verteileradresse nutzen, um die Teilnehmer*innen genau dieser Veranstaltung zu erreichen: VST_12789433@ekvv.uni-bielefeld.de
Hinweise:
Weitere Hinweise zu den E-Mailverteilern
Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Freitag, 11. Dezember 2015 
Letzte Änderung Zeiten:
Donnerstag, 26. September 2013 
Letzte Änderung Räume:
Dienstag, 20. Oktober 2009 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Theologie und Diakoniewissenschaft
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ECTS Punkte
3
(Siehe auch die LP-Angaben bei den Fachzuordnungen)
ID
12789433