Das Seminar wird einen Überblick über die Strukturen der kaiserzeitlichen Gesellschaft und die verschiedenen Erklärungsansätze der modernen Forschung geben. Dabei wird vor allem der Frage nachzugehen sein, wie das Verhältnis zwischen der aus der Republik bekannten aristokratischen Gesellschaftsordnung und den neuen, durch die Position des Kaisers vorgegebenen Strukturen zu deuten ist. Es ist zu beobachten, dass die aristokratischen Strukturen durch die Entstehung des Prinzipats nicht aufgehoben wurden, sondern neben diesem weiter fortbestanden. Das Zusammentreffen zwei verschiedener Systeme führt zu der Frage nach den Bedingungen der Stabilität der Gesellschaft. Hier soll untersucht werden, welche Funktion der Bildung beizumessen ist, die in jener Zeit eine bedeutende Aufwertung erfuhr. Erklärungsbedürftig ist, ob die Bildung, insbesondere die stoische Philosophie, die in der Forschung als Rückzugsphilosophie" bezeichnet wird, für die Aristokratie eher desintegrative Funktionen übernommen hat, die die Akzeptanz des Kaisers innerhalb der Gesellschaft zunehmend verunsicherten oder integrative Funktionen, die die gegensätzlichen Interessen von Kaiser und Aristokratie miteinander arrangierten und somit zu einer Stabilisierung des Systems beitrugen.
Bleicken, J., Die Verfassung der römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung, 8. Aufl., Paderborn u.a. 2000; Bleicken, J., Verfassungs- und Sozialgeschichte des römischen Kaiserreiches, 2 Bde., Paderborn 1978; Alföldy, G., Römische Sozialgeschichte, 3. Aufl., Wiesbaden 1984; Meier, Ch., Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik, Wiesbaden 1966; Gelzer, M., Die Nobilität der Kaiserzeit (1915), in: ders., Kleine Schriften, Bd.1, Wiesbaden 1962, 136-153; Winterling, A., "Hof".Versuch einer idealtypischen Bestimmung anhand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, in: ders. (Hg.), Zwischen "Haus" und "Staat". Antike Höfe im Vergleich, München 1997, 11-25; ders., "Staat" und "Gesellschaft" in der römischen Kaiserzeit. Zwei moderne Forschungsprobleme und ihr antiker Hintergrund, in: Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Mitteilungen 3, 1998, 5-23; Zanker, P., Die Maske des Sokrates. Das Bild des Intellektuellen in der antiken Kunst, München 1995; Hahn, J., Der Philosoph und die Gesellschaft. Selbstverständnis, öffentliches Auftreten und populäre Erwartungen in der hohen Kaiserzeit, Stuttgart 1989; Meier, Ch., Lebenskunst als Kompensation von Machtdefizit?, in: Géza Alföldy u.a. (Hg.), Römische Lebenskunst. Interdisziplinäres Kolloquium zum 85. Geburtstag von Viktor Pöschl, Heidelberg, 2.-4. Februar 1995, Heidelberg 1995, 57-66; Schmitz, Th., Bildung und Macht. Zur sozialen und politischen Funktion der zweiten Sophistik in der griechischen Welt der Kaiserzeit, München 1997
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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| Geschichte / Lehramt Sekundarstufe I | A1; B2; B4; C1 | Wahlpflicht | GS | ||||
| Geschichte / Lehramt Sekundarstufe II | A1; B2; B4; C1 | Wahlpflicht | GS | ||||
| Geschichtswissenschaft / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | GM II: Antike/Moderne | Wahlpflicht | GS | ||
| Geschichtswissenschaft / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | 1.2.2 | Wahlpflicht | 8 | benotet |