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230152 Integrative Wissensperspektiven (S) (WiSe 2017/2018)

Inhalt, Kommentar

Die Lehrveranstaltung führt eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe fort, die als Teil des Individuellen Ergänzungsbereichs jedes Wintersemester ein neues Oberthema (wie ‚Entscheiden’, ‚Information’, ‚Zufall’ u.a.) anbietet, das den Wissensgebieten der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften angehört. Das Seminar beinhaltet die Lektüre und Diskussion einschlägiger Texte aus den beteiligten Disziplinen und soll eine Übersicht über unterschiedliche Wissensfelder und methodische Zugangsweisen vermitteln. Der interdisziplinäre Dialog soll es ermöglichen, das eigene Fach in den Kontext anderer Disziplinen zu stellen und mit den Augen anderer Fächer zu sehen. Im Wintersemester 2017/18 befassen sich die ‚Integrativen Wissensperspektiven‘ mit dem Thema ‚Zeit’.
Folgende Disziplinen werden dabei vertreten sein: Biologie, Physik, Philosophie, Psychologie und Geschichtswissenschaft sowie Historische Bildwissenschaft und Literaturwissenschaft.

Die Physik (Blanchard), in unserem heutigen Sinne, gibt es seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Galilei (1564-1642) begründet mit seinen Untersuchungen zur Fallbewegung die moderne Kinematik. 1657 hat Huyghens (1629-1695) die Pendeluhr erfunden d.h. ein physikalisches Zeitmessinstrument. Mit Hilfe dieser Uhr wird die physikalische Zeit erzeugt. Heute beherrscht diese gemessene Zeit unser Leben: Fast alles läuft nach der Uhr. Zeit ist zugleich untrennbar mit Veränderung verbunden. Die Sitzung wird sich mit reversiblen, irreversiblen Vorgängen und emergenten Phänomenen in der Physik beschäftigen.

Die Wissenschaftsphilosophie (Carrier) wird sich mit Zeit in der speziellen Relativitätstheorie befassen und die Abhängigkeit oder Unabhängigkeit des Zeitlaufs von Veränderung und Zeitrichtung. Die Zeitbeziehungen im Licht der speziellen Relativitätstheorie werden vom sog. Relativitätsprinzip bestimmt und nehmen eine unvertraute Form an. Eine weitere für die Natur der Zeit wesentliche Frage ist die Abhängigkeit oder Unabhängigkeit des Zeitlaufs von Veränderung oder vom körperlichen Geschehen. Bildet die Zeit einen Rahmen für Prozesse oder drückt sie sich in Prozessen aus? Von Belang ist dabei insbesondere, ob und ggf. wie sich die Gerichtetheit der Zeit auf physikalisches Geschehen zurückführen lässt.

In der Biologie wird ‚Zeit ‘ in vielfältiger Weise untersucht: in der Evolutionsbiologie (Reinhold) wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren die Lebensdauer von Organismen beeinflussen und welche theoretischen Überlegungen es gibt, um die zwischenartlichen und innerartlichen Unterschiede in der maximalen Lebensdauer zu verstehen. Die Vielfalt bezüglich der Lebensdauer von Organismen ist immens (diese reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren hundert Jahren) und ein erheblicher Anteil dieser Variation kann mit den verschiedenen Ansätzen erklärt und verstanden werden. Die Biologische Kybernetik (Cruse) stellt die Frage, wie zeitliche Abläufe im Gehirn repräsentiert werden. Einerseits gibt es explizite „innere Uhren“ in Form neuronaler Oszillatoren, die rhythmisches Verhalten erzeugen und steuern können, wie zum Beispiel die circadianen Rhythmen. Die Kontrolle komplexer Verhaltensweisen kommt aber ohne solche expliziten Repräsentationen aus. Vielmehr ergeben sich die zeitlichen Abläufe als emergente Eigenschaften, die aus dem Zusammenwirken zwischen neuronalen Strukturen und Eigenschaften der Umwelt resultieren.

Aus Perspektive der Neurosychologie (Kißler) wird einerseits beleuchtet, welche Gehirnsysteme beim Menschen für Erinnerungsbildung, Zeitrepräsentation und Zukunftsplanung zuständig sind. Andererseits wird man sich mit der Frage beschäftigen, welche Verzerrungen bei der psychologischen Repräsentation zeitlicher Abläufe auftreten können.

Für die Geschichtswissenschaft (Deile) ist Zeit konstitutiv, denn HistorikerInnen untersuchen Phänomene der Vergangenheit in ihrem zeitlichen Wandel; darüber herrscht Einigkeit. Schon strittiger wird das bei Fragen, inwieweit dabei gegenwärtiges Interesse im Spiel ist (Rüsen) oder gar die Bewältigung des Umstands, dass die Zukunft so wenig einsehbar bleibt (Koselleck). Und auch die Frage, ob sich Vergangenheit überhaupt rekonstruieren lässt oder immer unzugänglich bleiben muss (Goertz, Landwehr) ist umstritten. Auf welche Art Geschichte präsentiert wird, das wurde Anfang der 1990er Jahre heftig diskutiert (White). Und doch bleibt es dabei, dass Menschen ihre Zeitlichkeit erkenntnistheoretisch in den Griff bekommen wollen. Im Zentrum der historischen Perspektive werden geschichtstheoretische, heuristische und didaktische Fragen stehen.

Die Historische Bildwissenschaft (Grave) befasst sich mit der wirkmächtigen Unterscheidung von Raum- und Zeitkünsten (u.a. bei G. E. Lessing), die zur Folge hatte, dass kaum nach den zeitlichen Qualitäten von Bildern gefragt wurde. Ihre simultane Gegebenheit wurde oft als Garantie dafür genommen, dass wir Bilder 'in einem Augenblick' wahrnehmen. Dabei unterliegen Bilder nicht nur in ihrer Entstehung und ihrer Alterung zeitlichen Bedingungen, vielmehr vollzieht sich auch jede Bildbetrachtung in der Zeit. Wie viel Zeit wir vor Bildern verbringen und wie sich der zeitlich erstreckte Prozess der Bildbetrachtung gestaltet, wird durch Eigenschaften des Bildes erheblich mitbestimmt.

In den aktuellen Literatur- und Kulturwissenschaften (Kramer) wird Zeitlichkeit vielfach im Zusammenhang mit Phänomenen der kulturellen 'Memoria' und 'Postmemoria' thematisiert, die sich auf die Erfahrung traumatischer historischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts (wie Holocaust, Totalitarismus, Militärdiktaturen e.a.) beziehen. Die spezifische Zeitdimension, die der Verarbeitung von Traumata zugrunde liegt, lässt sich als 'repetitive Temporalität' beschreiben, die in literarischen und filmischen Darstellungen je nach ihrer Zugehörigkeit zu spezifischen Genres (Phantastik, testimonialer Dokumentarfilm, Kriminalliteratur e.a.) ganz unterschiedliche Ausprägungen erfährt und im Seminar den Gegenstand exemplarischer Einzelanalysen bilden wird.

Die Lehrveranstaltung wird durch eine zweitägige Konferenz im ZiF zum Ende des Semesters abgeschlossen, deren Vorbereitung und Durchführung von den Studierenden (mit Unterstützung der Lehrenden) geleistet werden soll. Die Teilnehmer der Veranstaltung halten dabei eigene, interdisziplinär angelegte Vorträge zu einem einschlägigen Thema. Diese Tagung findet am 21.-22. Februar 2018 statt.

Zur Vorbereitung auf die Konferenz werden für die Studierenden in Kooperation mit dem ‚Zentrum für Lehren und Lernen‘ Workshops angeboten, die jeweils im Anschluss an die Lehrveranstaltung stattfinden (18 Uhr s.t.) und speziell dazu dienen die Studierenden auf einen wissenschaftlichen Vortrag vorzubereiten und allgemein die Vortrags-/Präsentationskompetenz zu stärken.
15.11.17 Workshop I: Wissenschaftliches Vortragen vs. referierende Darstellung
17.01.18 Workshop II: Vortragspräsentation – Gute Folien, schlechte Folien
24.01.18 Workshop III: Körpersprache und Nervosität

14./15.02.18: Workshop ‚Probevorträge‘: Termine für die Studierenden um einen einmaligen Probevortrag zu halten und professionelles Feedback zu bekommen, u.a. mit Videofeedback-Option.

Lehrende

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Klausuren

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
23-IndErg-IWP Integrative Wissensperspektiven Integrative Wissensperspektiven Studieninformation
Integrative Wissensperspektiven: Tagung unbenotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
History, Philosophy and Sociology of Science / Master (Einschreibung bis SoSe 2014) Individueller Ergänzungsber Pflicht GS und HS
Studieren ab 50    
Konkretisierung der Anforderungen
Keine Konkretisierungen vorhanden
Lernraum
Teilnehmer*innen
Automatischer E-Mailverteiler der Veranstaltung
Änderungen/Aktualität der Veranstaltungsdaten
Sonstiges