250356 Multidirektionale Erinnerungspädagogik. Diversitätsorientierte Erinnerungsarbeit in der politischen Bildung (S) (WiSe 2026/2027)

Inhalt, Kommentar

Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung stehen in pluralen und diversitätsgeprägten Gesellschaften vor der Herausforderung, unterschiedliche Erinnerungen, Erfahrungen und Perspektiven sichtbar zu machen. In Deutschland bildeten die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Erinnerung an den Holocaust lange Zeit den zentralen Schwerpunkt historisch-politischer Bildung. Die Konzepte des „Zivilisationsbruchs“ sowie die These von der Singularität des Holocaust prägten dabei sowohl die Erinnerungspolitik als auch die Erinnerungspädagogik.

Seit einigen Jahren fordern jedoch zunehmend weitere Opfer- und Erinnerungsgemeinschaften, insbesondere von Rassismus betroffene Gruppen, die Anerkennung und erinnerungspolitische Würdigung ihrer historischen Leidens-, Gewalt- und Unterdrückungserfahrungen. Für diese Akteurinnen und Akteure steht häufig weniger die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft im Vordergrund als vielmehr die Aufarbeitung kolonialer Gewaltverhältnisse und Genozide. In diesem Zusammenhang wird teilweise argumentiert, dass der „Zivilisationsbruch“ bereits mit imperialer Kolonialisierung und Sklaverei begonnen habe.

Das Konzept der multidirektionalen Erinnerung, das insbesondere auf die Arbeiten von Michael Rothberg zurückgeht, versteht Erinnerungen nicht als konkurrierende, sondern als miteinander verflochtene und sich gegenseitig ergänzende Prozesse. Es stellt den Versuch dar, unterschiedliche historische Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen miteinander in einen Dialog zu bringen und damit Voraussetzungen für ein gemeinsames und verbindendes Erinnern an Kolonialismus, Sklaverei und den Holocaust zu schaffen. Anstatt Erinnerungs- und Opferkonkurrenzen zu befördern, zielt dieser multidirektionale und diversitätsorientierte Ansatz darauf ab, kollektive Gewaltverbrechen wie Kolonialismus, Sklaverei und den Holocaust miteinander in Beziehung zu setzen, ohne sie gleichzusetzen.

Das Seminar beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen einer multidirektionalen, diversitätsorientierten und dekolonialen Erinnerungspädagogik und diskutiert deren Potenziale für die schulische und außerschulische politische Bildung. Im Mittelpunkt stehen Fragen danach, wie Erinnerungsarbeit multidirektional, multiperspektivisch und inklusiv gestaltet werden kann. Welche Stimmen und Perspektiven wurden bislang marginalisiert? Wie können Bildungsprozesse zur Förderung von Demokratie, Anerkennung und gesellschaftlicher Teilhabe beitragen?

Darüber hinaus analysiert das Seminar aktuelle erinnerungspolitische und gesellschaftliche Diskurse im Zusammenhang mit dem 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg, sowie mit der deutschen Staatsräson und Antisemitismusvorwürfen im Kontext postkolonialer, linker und pro-palästinensischer Positionen. Im Mittelpunkt steht dabei die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit konkurrierenden Deutungsrahmen, Konfliktlinien und Narrativen in gegenwärtigen erinnerungskulturellen Debatten.

In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/studium-und-lehre/studiendekanat/studienorganisation/platzvergabe/

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Do 16-18   15.10.2026-04.02.2027

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
25-ME-A4 Inhaltliche Fokussierung E1: Inhaltliche Fokussierung 1 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
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E2: Inhaltliche Fokussierung 2 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
25-ME-B4 Inhaltliche Fokussierung E1: Inhaltliche Fokussierung 1 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
E2: Inhaltliche Fokussierung 2 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
25-ME-C3 Adressat_innen und Institutionen der Migrationspädagogik, Civic- and International Education E1: Migrationspädagogik and International Education Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
25-ME-C4 Inhaltliche Fokussierung E1: Inhaltliche Fokussierung 1 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
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E2: Inhaltliche Fokussierung 2 Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
25-ME3 Forschungsprojekt E1: Thematische Einführung Studienleistung
Studieninformation
25-ME3-IT Forschungsprojekt E1: Thematische Einführung Studienleistung
Studieninformation
25-UFP6-C Fachbezogene Vertiefung: Migrationspädagogik, Civic- and International Education E1: Migrationspädagogik and International Education Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.


Keine Konkretisierungen vorhanden
Kein E-Learningangebot vorhanden
registrierte Anzahl: 9
Dies ist die Anzahl der Studierenden, die die Veranstaltung im Stundenplan gespeichert haben. In Klammern die Anzahl der über Gastaccounts angemeldeten Benutzer*innen.
Teilnahmebegrenzung:
Begrenzte Anzahl Teilnehmer*innen: 45
Adresse:
WS2026_250356@ekvv.uni-bielefeld.de
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Hinweise:
Weitere Hinweise zu den E-Mailverteilern
Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Dienstag, 23. Juni 2026 
Letzte Änderung Zeiten:
Dienstag, 23. Juni 2026 
Letzte Änderung Räume:
Dienstag, 23. Juni 2026 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Erziehungswissenschaft
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746616911