„Das Auge isst mit“ lautet ein deutsches Sprichwort, das die enge Verbindung von Essen und Visualität auf prägnante Weise zum Ausdruck bringt. Dieser Verbindung widmet sich das Seminar, indem es Repräsentationen des Essens in der Vormoderne untersucht und nach den vielfältigen Bedeutungen fragt, die dem Essen in Kunst und Kultur zukommen.
Während das Essen in der europäischen Philosophie lange vor allem als Akt der Nahrungsaufnahme dem Leib zugeordnet und damit gegenüber anderen Gegenständen philosophischer Reflexion als weniger betrachtenswert galt, nahmen Darstellungen des Essens in der Kunst – etwa in Stillleben, Genreszenen oder der Gebrauchsgrafik – breiten Raum ein. Das eingangs zitierte Sprichwort scheint diese besondere Bedeutung des Visuellen zu bestätigen: Die Einladung "Zu Tisch" ist für den Augenschmaus angerichtet. Schmausen ist dabei mehr als bloße Nahrungsaufnahme; es bezeichnet eine Form des Genießens. Aus diesem Grund fragen wir auch nach den historischen Bedingungen und Praktiken des Genusses. Dies gilt insbesondere für Lebensmittel wie Kakao, Tee und Schokolade, die erst in der Frühen Neuzeit nach Europa gelangten und neue Formen des Genießens hervorbrachten – etwa im Kaffeehaus oder im Zusammenspiel mit eigens dafür geschaffenem Geschirr.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit alimentären Repräsentationen sowie mit Begriffen wie dem (Un-)Genießen und untersuchen die ästhetischen, ethischen, medizinischen, symbolischen, ökonomischen, sozialen, religiösen, kulturellen, geschlechtlichen, sexuellen und schichtenspezifischen Dimensionen des Essens. Darüber hinaus stehen Praktiken wie Fasten, Hungern, Völlerei und Gastfreundschaft ebenso im Mittelpunkt wie Essorte, Essutensilien und die Auswirkungen von Nahrung auf kulturelle Austauschprozesse, etwa im Zusammenhang mit Reisen, Migration und Aneignung.
Ausgangspunkt des Seminars sind kunsthistorische Bildanalysen. Ergänzend werden Kochbücher sowie ausgewählte Texte zum Essen und Genießen herangezogen, um die visuellen Darstellungen in ihren historischen, sozialen und kulturellen Kontext einzuordnen. Zum Seminarprogramm gehört außerdem ein gemeinsamer Ausstellungsbesuch. Das Seminar lädt dazu ein, das Verhältnis von Essen, Bildlichkeit und Genuss in der Vormoderne aus kunsthistorischer Perspektive neu zu betrachten.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 12-14 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 22-BKG-HVM Hauptmodul Bild- und Kunstgeschichte der Vormoderne | Seminar zur Bild- und Kunstgeschichte der Vormoderne | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
| 22-BKG-PFM Profil- und Forschungsmodul zur Vorbereitung der BA-Arbeit | Seminar (Vormoderne oder Moderne) | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.