Seit einiger Zeit ist das Auftreten eines neuen Typus von Gegenwartsöffentlichkeit zu beobachten: Initiativen wie Airwars, Bellingcat, Forensic Architecture oder Syrian Archive untersuchen Menschenrechts-, Kriegs- und Umweltverbrechen. Dabei arbeiten sie mit Methoden der Open-Source Intelligence (OSINT), mithilfe derer sie zunehmend gesellschaftliche, mediale und juristische Relevanz erlangen. Trotzdem bleiben ihre Beweggründe und Kooperationsformen, Arbeits- und Entscheidungsprozesse sowie ethische, technische oder ästhetische Abwägungen ihrer Arbeit bislang verhältnismäßig unerforscht.
Diese Initiativen haben unter anderem zu den Umständen des Flugzeugsabschusses der MH17 über der Ostukraine, zur Vergiftung des ehemaligen russischen Agenten Sergej Skripal im Vereinigten Königreich, zur weltweiten Verbreitung des Einsatzes von Tränengas, zur Explosion eines Düngemittellagers in Beirut sowie zum Völkermord an den Herero und Nama während der deutschen Kolonialherrschaft im Gebiet des heutigen Namibia recherchiert und ermittelt.
Die Vorgehensweisen der Initiativen unterscheiden sich stark je nach Untersuchungsgegenstand und befinden sich insbesondere aufgrund der rasanten Entwicklung digitaler Werkzeuge und Infrastrukturen in einem dynamischen Wandel. Ein gemeinsames Merkmal bildet jedoch die Nutzung frei zugänglicher, digitaler Informationen, darunter Beiträge in den sozialen Medien, zivile Zeugenaussagen oder Aufnahmen von Überwachungskameras.
Ziel der Lehrforschung ist es, die Produkte von OSINT-Initiativen sowie die Rezeption ihrer Ergebnisse in den Massenmedien mithilfe qualitativer Methoden der Sozialforschung zu untersuchen. Dabei stehen mindestens zwei Materialtypen im Mittelpunkt:
• Publikationen von OSINT-Initiativen: OSINT-Initiativen veröffentlichen ihre Ergebnisse in frei zugänglichen Reports sowie in multimedialen Formaten, darunter Websites, wissenschaftliche Artikel, Bücher, Podcasts und Ausstellungen. Die Analyse dieser Produkte verspricht Erkenntnisse über die Produktion von Evidenz, das Verhältnis von Evidenz und ästhetischen Mitteln der Überzeugung sowie den Umgang mit fehlender oder unsicherer Evidenz.
• Massenmediale Berichterstattung über OSINT: Das Verhältnis von OSINT-Initiativen und den Medien ist vielschichtig. Längst berichten Massenmedien regelmäßig
über die Ergebnisse der OSINT-Initiativen. Zudem bauen die Redaktionen etablierter Medienhäuser eigene OSINT-Abteilungen auf. Die massenmediale Berichterstattung über OSINT stellt daher ein spannendes Untersuchungsmaterial dar, anhand dessen analysiert werden kann, wie die Glaubwürdigkeit von OSINT-Ergebnissen durch Nachrichten und Journalismus erzeugt und vermittelt wird.
In didaktischer Hinsicht zielt die Lehrforschung darauf ab, als gemeinsames Projekt von Lehrenden und Studierenden sämtliche Phasen des Forschungsprozesses zu durchlaufen. Dazu zählen:
• Recherche einschlägiger Literatur und Aufarbeitung des Forschungsstands,
• Entwicklung einer geeigneten und bearbeitbaren Forschungsfrage,
• Konzeption eines Untersuchungsdesigns zur Beantwortung der Forschungsfrage,
• Erhebung von Daten beziehungsweise Zusammenstellung eines Datenkorpus,
• qualitative Analyse der Daten,
• Abfassung eines Forschungsberichts sowie
• begleitende Reflexion des Verlaufs des Lehrforschungsprojekts.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mo | 14-18 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 30-M-Soz-M3_LF1 Lehrforschung in Soziologische Methoden Lehrforschung in Soziologische Methoden | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation | |
| 30-M-Soz-M5_LF1 Lehrforschung in Politischer Soziologie Lehrforschung in Politischer Soziologie | Alternativ zu Seminar 1 und Seminar 2: großes Seminar | Studienleistung
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Studieninformation |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.