220082 Der deutsche Wald. Bilder und Mythen (Ex) (SoSe 2026)

Inhalt, Kommentar

„Das deutsche Volk bedarf des Waldes wie der Mensch des Weines“, schrieb Wilhelm Heinrich Riehl in "Land und Leute" (1854).
Wie das bekannte Zitat bereits andeutet, existiert in der Kultur- und Ideengeschichte eine enge Verknüpfung zwischen Deutschland, den Deutschen und dem Topos des Waldes. Aufbauend auf Darstellungen des antiken Schriftstellers Tacitus, der die „grausamen Wälder“ der Germanen beschrieb, etablierte sich eine Verbindung zwischen der Landschaft und den Eigenschaften der sie bewohnenden Menschen.

Spätestens im 19. Jahrhundert wurde diese Verbindung wiederentdeckt und zum Nationalcharakter des sich gerade erst etablierenden Deutschlands und der Deutschen erhoben. Der Wald diente als nationalistisches „Symbol für Tradition und Kontinuität“ (Zechner), und die Eigenschaften der Bäume (Größe, Stärke, Zusammenhalt, Verwurzelung) wurden auf die Menschen übertragen. Das Konzept der Nation wird naturalisiert, ebenso wie die Natur in den Zweck der Nationenbildung gestellt wird.

Die Nationalsozialisten festigten die Stilisierung der Deutschen als „Waldvolk“ und kontrastierten diese mit dem antisemitischen Topos der Jüdinnen und Juden als „Wüstenvolk“. Auch die am Anfang des 20. Jahrhunderts beginnende Umweltlehre und die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzende Naturschutzbewegung haben sich aufgrund ihres „strukturellen Konservatismus“ (Schnödl, Sprenger) als anschlussfähig für rechte Narrative erwiesen.

Diesen Bewegungen soll im Seminar nachgespürt werden. Dazu werden wir uns mit wichtigen schriftlichen und visuellen Stationen der Festigung dieses Topos auseinandersetzen, um nationalistische und rechte Vereinnahmungen erkennen und kontextualisieren zu können. Der Theorie sollen aber auch Exkursionen in die nähere Umgebung (Hermannsdenkmal, Teutoburger Wald) zur Seite gestellt werden. Das Seminar verlangt daher eine genaue Analyse sowie die Bereitschaft zum differenzierten Denken.

Die Teilnahme an den Exkursionen ist verpflichtend.

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Di 14-16 S0-149 13.04.-23.06.2026

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
22-BKG-PM Bild- und kunsthistorische Praxis Bild- und kunsthistorische Praxis Praktikum unbenotete Prüfungsleistung
Studieninformation
Praktische Übung/Exkursion/Projektseminar Studienleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.


Keine Konkretisierungen vorhanden
Lernraum (E-Learning)
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Moodle-Kurs
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Adresse:
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Hinweise:
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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Montag, 2. Februar 2026 
Letzte Änderung Zeiten:
Montag, 13. April 2026 
Letzte Änderung Räume:
Montag, 13. April 2026 
Art(en) / SWS
Exkursion (Ex) / 2
Einrichtung
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Geschichtswissenschaft
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ID
650202311