„Das deutsche Volk bedarf des Waldes wie der Mensch des Weines“, schrieb Wilhelm Heinrich Riehl in "Land und Leute" (1854).
Wie das bekannte Zitat bereits andeutet, existiert in der Kultur- und Ideengeschichte eine enge Verknüpfung zwischen Deutschland, den Deutschen und dem Topos des Waldes. Aufbauend auf Darstellungen des antiken Schriftstellers Tacitus, der die „grausamen Wälder“ der Germanen beschrieb, etablierte sich eine Verbindung zwischen der Landschaft und den Eigenschaften der sie bewohnenden Menschen.
Spätestens im 19. Jahrhundert wurde diese Verbindung wiederentdeckt und zum Nationalcharakter des sich gerade erst etablierenden Deutschlands und der Deutschen erhoben. Der Wald diente als nationalistisches „Symbol für Tradition und Kontinuität“ (Zechner), und die Eigenschaften der Bäume (Größe, Stärke, Zusammenhalt, Verwurzelung) wurden auf die Menschen übertragen. Das Konzept der Nation wird naturalisiert, ebenso wie die Natur in den Zweck der Nationenbildung gestellt wird.
Die Nationalsozialisten festigten die Stilisierung der Deutschen als „Waldvolk“ und kontrastierten diese mit dem antisemitischen Topos der Jüdinnen und Juden als „Wüstenvolk“. Auch die am Anfang des 20. Jahrhunderts beginnende Umweltlehre und die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzende Naturschutzbewegung haben sich aufgrund ihres „strukturellen Konservatismus“ (Schnödl, Sprenger) als anschlussfähig für rechte Narrative erwiesen.
Diesen Bewegungen soll im Seminar nachgespürt werden. Dazu werden wir uns mit wichtigen schriftlichen und visuellen Stationen der Festigung dieses Topos auseinandersetzen, um nationalistische und rechte Vereinnahmungen erkennen und kontextualisieren zu können. Der Theorie sollen aber auch Exkursionen in die nähere Umgebung (Hermannsdenkmal, Teutoburger Wald) zur Seite gestellt werden. Das Seminar verlangt daher eine genaue Analyse sowie die Bereitschaft zum differenzierten Denken.
Die Teilnahme an den Exkursionen ist verpflichtend.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
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| wöchentlich | Di | 14-16 | S0-149 | 13.04.-23.06.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
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| 22-BKG-PM Bild- und kunsthistorische Praxis Bild- und kunsthistorische Praxis | Praktikum | unbenotete Prüfungsleistung
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Studieninformation |
| Praktische Übung/Exkursion/Projektseminar | Studienleistung
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Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.